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Rambazamba statt Bunga Bunga
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Ein Mann steht auf einer Bühne im Scheinwerferlicht und singt. Er ist 78 Jahre alt und wird von vier hochbeinigen, grossbusigen Schönheiten umgeben, die etwa 60 Jahre jünger sind. Sie himmeln den alten Mann an, sie bewegen sich in seinem Rhythmus. Denn er schafft hier an, das heisst, er bezahlt. Nein, wir reden nicht von Silvio Berlusconi (der ist ja erst jugendliche 74), hier geht es um eine bizarre Tanz- und Gesangseinlage in einem Wiener Einkaufszentrum. Und hier singt der Chef persönlich.
Richard Lugner hatte sich zum 20. Geburtstag seines Einkaufszentrums in einem Wiener Arbeiterquartier selbst ein Geschenk gemacht und für sich einen kleinen Ballermann-Hit basteln lassen (komponieren wollen wir das lieber nicht nennen): «I bin der Lugner, olé olé, I hab an guten Schmäh, bei mir wird g’weint und g’lacht und Rambazamba g’macht.» Den trägt er jetzt in seiner Lugner-City und auf Gastspielen in der Provinz vor, hüpfend, wippend, in Begleitung von Go-go-Girls. Das Vorstadtpublikum ist begeistert.
Unter alten Lüstlingen
Rambazamba wird Lugner auch wieder auf dem Wiener Opernball machen. Der Baumeister mit dem Spitznamen «Mörtel» kaufte sich als Stargast für seine Loge Ruby Rubacuori, jene Marokkanerin mit bürgerlichem Namen Karima el-Marough, die die Welt die Bedeutung von Bunga Bunga lehrte.
So kann es gehen: Italiens greiser Lüstling Berlusconi steht demnächst wegen Ruby vor Gericht, Österreichs greiser Lüstling Lugner aber im Rampenlicht. Wobei diese Zeile aus der Lugner-Hymne ohne weiteres auch von Silvio Berlusconi stammen könnte: «Die schönen jungen Frauen sind mein Lebenselixier, ihr könnt mirs glauben, ich kann nix dafür.»
«Jeder hat den Gast, den er verdient»
Elixier hin oder her, für Lugner ist Rubys viertägiger Aufenthalt in Wien vor allem Geschäft. Und Selbstbestätigung. Jahrelang stand er mit Opernballgästen wie Ivana Trump oder Pamela Anderson im Blitzlichtgewitter. Und das leicht angewiderte Naserümpfen der besseren Gesellschaft stachelte ihn nur zu immer noch absurderen Einladungen an. Vor drei Jahren war es die Kunststripperin Dita von Teese. Vor zwei Jahren eine Hauptdarstellerin aus der Serie «Desperate Housewives».
Nur vergangenes Jahr lief es nicht so gut: Skandalschauspielerin Lindsay Lohan durfte die USA nicht verlassen, und Lugner musste sich mit dem abgehalfterten Dieter Bohlen begnügen. Der Spott in den Medien war gross, und so etwas konnte ein «Mörtel» nicht auf sich sitzen lassen. Lugner macht sich gern und oft zum Gespött, aber nur, wenn er es will. Und wenn es dem Geschäft dient.
Ruby ist ein gutes Geschäft
Während die Zeitungen zu Beginn der Woche noch über Zu- oder Absage des ehemaligen Sexsymbols Bo Derek spekulierten, verhandelten Lugner und sein Schwiegersohn bereits mit Ruby über den Wien-Besuch. Wie viel sie bekommt, ist ein streng gehütetes Geheimnis. Es könnte ein sechsstelliger Eurobetrag sein. Sie wird dafür hart arbeiten müssen, wenn auch vermutlich nicht ganz so hart wie bei Berlusconis Bunga Bunga.
Nach der Ankunft in Lugners Privatjet (in Begleitung ihres Verlobten) muss Ruby gemeinsam mit «Mörtel» in seiner Lugner-City auftreten, eine Pressekonferenz absolvieren und Autogramme geben. Am nächsten Tag steht der Opernball auf dem Programm, wo die 18-Jährige neben dem Baumeister selbst auch «Dallas»-Darsteller Larry Hagman in Lugners Loge aushalten muss. Und am Tag darauf ist eine weitere Autogrammstunde in der Lugner-City angesetzt.
Vor drei Jahren hatte die Opernball-Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh noch gehofft, dass es mit der Verlugnerung des altehrwürdigen Balls bald ein Ende haben würde: Der Baumeister sei ja auch nicht mehr der Jüngste. Die Hoffnung ging nicht in Erfüllung, und heute rollt Treichl-Stürgkh nur noch entnervt mit den Augen: Jeder habe den Gast, «den er verdient».
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.02.2011, 08:17 Uhr
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