Panorama
Rassismus in der Modebranche? Mais bien sûr!
Von Bettina Weber. Aktualisiert am 16.10.2009
Abgedunkelt: Das holländische Model Lara Stone. (Bild: www.nydailynews.com)
Links
Artikel zum Thema
«Scandaleux» seien sie, die Fotos in der aktuellen Ausgabe der französischen «Vogue», zetert es auf zahlreichen Internetblogs; von Rassismus ist die Rede. Und die ganze Aufregung deshalb, weil die Holländerin Lara Stone, der neue Stern am Modelhimmel, für ein Shooting schwarz beziehungweise dunkelbraun angemalt worden ist.
Man mag das daneben finden. Oder pragmatisch die Frage stellen, weshalb um alles in der Welt man sich für ein weisses Model entscheidet, wenn man es danach in ein dunkelhäutiges verwandelt. Rassistisch sind die Bilder dennoch mit Sicherheit nicht. Und je öfter und empörter der Begriff verwendet wird, desto schneller verliert er seinen Inhalt. Die Diskussion geht überhaupt am Thema vorbei, denn der Vorwurf greift zu kurz. Wegen eines einzelnen Fotos, das abgesehen davon in eine ganze Serie von Bildern eingebettet ist, auf dem Stone auch weisse Farbe im Gesicht trägt, ist die Modewelt nicht rassistisch. Sie ist es vielmehr als Ganzes. Die Modewelt ist eine weisse Welt.
Sie sind an einer Hand abzuzählen, die Dunkelhäutigen, die in der Branche etwas zu sagen haben oder über Einfluss verfügen; da ist André Leon Talley von der US-«Vogue», dann Naomi Campbell, irgendwann mal gab es eine Iman, dazwischen Tyra Banks, und Waris Dirie ist hauptsächlich wegen ihrer dramatischen Geschichte um Genitalverstümmelung und geglückte Flucht bekannt geworden. Das sind sie in etwa, die dunkelhäutigen Protagonisten der Mode; es gibt weder Designer noch Opinion-Leaders, Stylisten oder Fotografen, die schwarz sind. Wenn sie doch auftauchen, zum Beispiel auf dem Laufsteg, dann als Feigenblätter inmitten einer Armada von Weissen.
«Sorry, aber Schwarze sind gerade out»
Und Robin Givhan, Moderedaktorin der «Washington Post» und Pulitzerpreisträgerin, die während der internationalen Modeschauen aus New York, Mailand und Paris berichtet, schildert auf ihrem Blog immer wieder dieselbe Begebenheit: dass sie an der Tür abgewiesen wird, trotz Einladung und zugewiesenem Sitzplatz. Givhan ist schwarz.
Bereits vor einem Jahr sah sich die amerikanische «Vogue» genötigt, einen Artikel mit der Fragestellung «Ist die Mode rassistisch?» zu veröffentlichen, und wie erwartet kommt die Autorin darin zum Schluss, dass dies selbstverständlich nicht der Fall sei. Ihre Argumentation ist indes derart hilflos, dass sie damit erst recht den Vorwurf untermauert, den sie eigentlich entkräften möchte: etwa, wenn sie Lanvin-Designer Alber Elbaz zitiert, der sagt, er arbeite durchaus mit schwarzen Models, er sei das «geübt». Oder dessen Kollege Marc Jacobs sagen lässt, dass die Mode nun mal Trends unterworfen sei. Was im Grunde heisst: Sorry, aber Schwarze sind gerade out.
Zwar finden immer wieder Gesprächsrunden statt, für die sich besonders Naomi Campbell stark macht und an denen sich Vertreter von Model- und Werbeagenturen sowie Magazinen treffen. Herausgekommen ist dabei nicht viel. Ausser der Aussage, dass sich ein schwarzes Model auf dem Cover einfach schlechter verkaufe und dass dunkle Haut die Kleider nicht gut zur Geltung bringen würde. Dass Carine Roit- feld, Chefredaktorin der französischen «Vogue» und verantwortliche Stylistin für die Bilder mit Lara Stone, bis jetzt eisern schweigt, hat also seinen guten Grund. Weitergehende Fragen könnten unangenehm werden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.10.2009, 14:11 Uhr
Panorama
Grandioses Berg-Erleben.
Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!





