Panorama
Neonazi-Überfall auf Brasilianerin: Gab es Zeugen?
Die drei Neonazis überfielen die Frau am Montagabend gegen 20 Uhr abends, so die brasilianischen Quellen. Sie war eben aus dem Zug gestiegen – in den Artikeln wird vom Bahnhof Dübendorf gesprochen, die Beschreibungen deuten aber auf den Bahnhof Stettbach hin. Die 26-Jährige sprach gerade am Telefon mit ihrer Mutter in Recife, als die kahlgeschorenen Männer sie niederrissen und in nahe gelegene Büsche schleppten, wie die brasilianische Zeitungen berichteten.
Passanten sollen den Vorfall gemäss brasilianischen Berichten beobachtet haben. «Die Polizei hat mich informiert, dass gewisse Zeugen ausgemacht worden sind. Aus verfahrenstechnischen Gründen darf sie aber noch nicht mehr sagen», sagte Generalkonsulin Cleaver gegenüber dem Nachrichtenportal des Verlags Abril.
Eingeritzte Buchstaben
Zwei der schwarz gekleideten Neonazis sollen sie darauf hin am Boden festgehalten haben – ein weiterer ritzte ihr mit einem Teppichmesser die Haut an Armen, Beinen, Rücken und Bauch auf. Die Tortur soll rund zehn Minuten gedauert haben. Bilder der brasilianischen Zeitung «O Globo» dokumentieren die scheusslichen Verletzungen. Sie zeigen die eingeritzten Buchstaben «SVP» auf der Haut der jungen Frau. Nach dem Vorfall rief die Frau ihren Schweizer Freund an, den sie in den nächsten Monaten heiraten wollte. Der rief die Ambulanz und die Polizei.
Die Frau aus dem Bundesstaat Pernambuco war im dritten Monat mit Zwillingen schwanger. Als Folge der Gewalt habe sie ihre ungeborenen Mädchen verloren. Die Brasilianerin befinde sich nach wie vor im Spital. Der Sachverhalt wird von mehreren brasilianischen Medien berichtet. Unter anderem wird die brasilianische Generalkonsulin in Zürich, Vitoria Cleaver, zitiert, die den Vorfall bezeugt und das Opfer im Spital besucht hat.
Es hat sich «etwas ereignet»
Cleaver hat auch bei der Stadtpolizei Auskunft verlangt. Aufgrund eines schriftlichen Begehrens wurde ihr diese gewährt. Nun will sie gemäss «O Globo» mit dem Chef der Stadtpolizei sprechen.
Stadt- und Kantonspolizei Zürich können den Fall zur Stunde weder bestätigen noch dementieren. Die Stadtpolizei räumt ein, dass sich in ihrem Zuständigkeitsgebiet «etwas ereignet» habe, könne gegenwärtig aber keine weiteren Angaben machen. In brasilianischen Medien wurde auch berichtet, der Polizist, der als erste am Tatort gewesen sei und den Fall behandelt, habe gegenüber dem Opfer und ihrem Freund Zweifel an den Schilderungen über den Tathergang geäussert.
Laut der Zeitung «O Globo» ist die in Dübendorf wohnende junge Frau Juristin und arbeitet für ein international tätiges Logistikunternehmen in Zug. (oku/str)
Erstellt: 12.02.2009, 14:30 Uhr
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