Panorama

Selbst Obamas Konvoi kam ins Rutschen

Aktualisiert am 07.02.2010

Einer der schwersten Winterstürme seit Jahrzehnten hat die US-Ostküste heimgesucht.

1/4 Langlauf vor dem Weissen Haus.
Bild: Reuters

   

Über 30 Stunden tobte das Unwetter an der amerikanischen Ostküste, streckenweise fielen über einen Dreiviertel Meter Neuschnee. Der Schneesturm erstreckte sich über tausend Kilometer von Indiana bis nach Pennsylvania und erreichte auch Teile der Bundesstaaten New York und North Carolina. Die Gouverneure von Virginia, Maryland und Delaware riefen den Notstand aus. Hunderttausende Haushalte waren am Samstag ohne Strom. Gerichte, Schulen, Regierungsbehörden und sogar Militärstützpunkte schlossen in Washington wegen der Sturmwarnung.

Der Verkehr in Washington, Philadelphia und Baltimore kam zum Erliegen, auch auf den Flughäfen ging nichts mehr. Zwei Menschen kamen ums Leben. US-Präsident Barack Obama sprach in Anlehnung an den Titel eines Weltuntergangsfilms (»Armageddon», 1998) von einem «Snowmageddon».

Kurze Pause

Es wird befürchtet, dass es bis Mitte der Woche dauern wird, bis alle Nebenstrassen vom Schnee befreit sind und der Verkehr wieder normal fliessen kann. Allerdings sagen die Meteorologen lediglich eine kurze Atempause voraus: Schon für Dienstag kündigt sich eine neue Schlechtwetterfront an.

«Das Schlimmste ist vorüber», sagte eine Meteorologin am Samstagabend (Ortszeit). In Washington und Umgebung hatte es rund 30 Stunden ununterbrochen geschneit.

Auf dem Internationalen Dulles-Airport in Washington stürzte das Dach eines Hangars unter dem Gewicht der Schneemassen ein. Im Bundesstaat Virginia kamen ein Vater und sein Sohn ums Leben, als sie einem steckengebliebenen Autofahrer zu Hilfe eilten. Die beiden Männer wurden von einem Traktor erfasst.

Märchenkulisse

«Ich habe so etwas noch niemals erlebt», sagte ein Bewohner im Washingtoner Vorort Bethesda, der sich mit Langlaufskiern ins Freie gewagt hatte. Das Herz der US-Hauptstadt - die Mall und die Parklandschaft zwischen Weissem Haus und dem Potomac-Fluss - war in eine winterliche Märchenkulisse verwandelt.

Fussgänger versanken bis zu dem Knien im Schnee, nur vereinzelt wagten sich schwere Vierrad-Autos auf die Strassen. Jugendliche trafen sich zu Mega-Schneeballschlachten in der City - verabredet hatten sie sich im sozialen Netzwerk Facebook.

Das grosse Chaos blieb aus, weil die meisten Menschen am Wochenende nicht zur Arbeit mussten. Zudem hatten die Bewohner in Erwartung des «Monstersturms» bereits am Freitag die Supermärkte gestürmt und Lebensmittel, Kerzen, Batterien sowie Streusalz gehamstert.

Trotz des Unwetters besuchte Präsident Obama am Samstag eine Parteiveranstaltung in der Hauptstadt. Dabei kollidierten auf den rutschigen Strassen zwei Autos seines Konvois. (cpm/sda)

Erstellt: 07.02.2010, 13:37 Uhr

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