«Sexueller Sadist» wird lebenslänglich verwahrt

Im Thurgauer Callgirl-Mord hat das Bezirksgericht Weinfelden eine lebenslängliche Verwahrung des 43-jährigen Angeklagten angeordnet. Das ist eine Premiere in der Schweiz.

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20 Jahre Haft und anschliessende Verwahrung: Das forderte die Staatsanwaltschaft für einen vorbestraften Schweizer, der im August 2008 in seiner Wohnung in Märstetten (TG) eine Prostituierte mit einem Messer umbrachte. Das Bezirksgericht Weinfelden ist nun dem Antrag auf lebenslängliche Verwahrung des Angeklagten gefolgt. Das Risiko, dass der sadistische Vergewaltiger erneut eine schwere Straftat oder ein Tötungsdelikt begehe, sei sehr hoch, sagte der Präsident des Bezirksgerichts Weinfelden bei der Urteilseröffnung heute Nachmittag.

Anita Chaaban: «Das einzig Richtige»

Anita Chaaban, Initiantin der Verwahrungs-Initiative, welche 2004 vom Schweizer Volk angenommen wurde, war bei der Urteilseröffnung dabei. Die lebenslängliche Verwahrung für diesen extrem gefährlichen Sexualstraftäter sei das einzig Richtige. «Endlich zeigt jemand den Mut, die Öffentlichkeit wirkungsvoll vor einem stark rückfallgefährdeten Täter zu schützen», sagte Chaaban.

Wegen vorsätzlicher Tötung und sexueller Nötigung ist der 43-jährige Schweizer zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren verurteilt worden. Die Beweise gegen den Angeklagten seien eindeutig, sagte der Gerichtspräsident gemäss einer Meldung der Nachrichtenagentur SDA. «Das Gericht hat keine Zweifel an seiner Schuld.» Nach der Festnahme am Tag nach der Tat fand die Polizei DNA-Spuren am Penis des Manns. Und in seiner Wohnung wurden Blut und DNA-Spuren der getöteten Frau festgestellt. Der Angeklagte war bereits wegen mehrfacher Vergewaltigung vorbestraft.

Erfolg für die Verwahrungs-Inititiave

Es ist das erste Mal seit der Annahme der Verwahrungs-Initiative, dass ein Schweizer Gericht eine lebenslängliche Verwahrung ausgesprochen hat. Für die Beurteilung einer lebenslänglichen Verwahrung für nicht therapierbare, extrem gefährliche Sexual- und Gewaltstraftäter sind zwei unabhängige Gutachten von erfahrenen Sachverständigen vorgeschrieben. Gewöhnliche Verwahrungen müssen regelmässig überprüft werden. Die lebenslängliche Verwahrung ist seit dem 1. August 2008 möglich.

Die Anklage stützte sich unter anderem auf zwei Gutachten, die ein schlechtes Bild des 43-jährigen Schweizers zeichnen. Gemäss den beiden Forensikern ist der Angeklagte «ein sexueller Sadist, hochgradig rückfallgefährdet und nicht therapierbar». Der mutmassliche Täter bestritt die Tötung der 30-jährigen Sexarbeiterin.

Sehr hohes Rückfallrisiko

Der psychisch gestörte und alkoholabhängige Angeklagte sei hochgradig rückfallgefährdet, sagte einer der beiden Gutachter an der Gerichtsverhandlung: «Die Rückfallgefahr liegt bei 50 Prozent. Das ist bei einem Tötungsdelikt sehr hoch». Auch der andere Gerichtspsychiater stufte die Rückfallgefahr für schwere sexuelle Gewalt alarmierend hoch ein: «Auf einer Skala von null bis vier liegt sie bei vier.» Der 43-jährige Mann zeige keine Einsicht und Veränderungsbereitschaft. Beide Experten diagnostizierten eine massive dissoziale Persönlichkeitsstörung.

Der Angeklagte gab sich unschuldig. Er sei in der Nacht auf den 27. August 2008 auf Beizentour im Nachbardorf gewesen. Er habe die Prostituierte nicht bestellt. Sein Handy, von dessen Nummer die Thailänderin gebucht worden war, habe er verloren oder es sei ihm gestohlen worden. Wie DNA- und Blutspuren der Getöteten auf seinen Penis und in seine Wohnung gekommen seien, wisse er nicht. «Das sind ominöse Spuren. Die Polizei hat mich reingelegt», behauptete der Angeklagte vor Gericht.

Der Verteidiger des vorbestraften Manns hatte vor Gericht im Falle einer Verurteilung eine Verwahrung nach altem Recht verlangt. Diese muss alle zwei Jahre überprüft werden. Seine Begründung: «Niemand weiss heute, was der Angeklagte in 20 Jahren für ein Mensch ist». (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.10.2010, 13:49 Uhr

Die Staatsanwaltschaft will ihn lebenslänglich verwahren: Der Angeklagte. (Stefan Hohler)

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