Panorama

Showdown der Gutachter im Kachelmann-Prozess

Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 03.12.2010 10 Kommentare

Im Vergewaltigungsprozess gegen den Wettermoderator kommen ab heute Psychologen, Rechtsmediziner und andere Experten zu Wort. Den Anfang macht der Therapeut von Sabine W..

1/30 Gut gelaunte Anwältin, nachdenklicher Mandant: Andrea Combé verlässt mit dem freigesprochenen Jörg Kachelmann die Tiefgarage des Gerichts. (31. Mai 2011)

   

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Der Kachelmann-Prozess

Jörg Kachelmann steht seit Anfang September in Mannheim vor Gericht. Der Schweizer TV-Moderator ist wegen Vergewaltigung seiner Ex-Freundin angeklagt. Heute Freitag findet der 17. Prozesstag statt. Der Prozess dauert voraussichtlich bis Ende März 2011 - deutlich länger als geplant. Im Fall eines Schuldspruchs im Sinne der Anklage droht Kachelmann eine Gefängnisstrafe von mindestens fünf Jahren.
Tagesanzeiger.ch/Newsnetz berichtet laufend über den Kachelmann-Prozess. Die Berichterstattung umfasst Prozessberichte, Hintergrundartikel, Videobeiträge und Bilder. Zudem gibt es auf Tagesanzeiger.ch/Newsnetz ein Dossier zum Kachelmann-Prozess. (vin)

Stichworte

Wie glaubhaft sind die Aussagen von Sabine W., die ihren Ex-Freund Jörg Kachelmann der Vergewaltigung bezichtigt? Und gibt es Beweise für die Täterschaft des TV-Wettermoderators? Das sind die zwei zentralen Fragen des Kachelmann-Prozesses, der seit drei Monaten in Gang ist.

Antworten auf die beiden Fragen sollen nun die Sachverständigen liefern. Das Landgericht Mannheim wird ab heute Freitag Psychiater und Psychologen, Rechtsmediziner und DNA-Experten anhören.

Wieder Ausschluss der Öffentlichkeit?

Den Auftakt macht voraussichtlich Günter Seidler, Traumatologe am Heidelberger Zentrum für Psychosoziale Medizin. Weil Seidler der Therapeut des mutmasslichen Opfers Sabine W. ist, wird er beim Kachelmann-Prozess nicht als Gutachter, sondern als sachverständiger Zeuge auftreten. Bei der Befragung von Seidler wird das Gericht die Öffentlichkeit möglicherweise wieder ausschliessen, weil Intimes aus dem Leben der 37-jährigen Ex-Freundin Kachelmanns zur Sprache kommt.

Vor Gericht wird Seidler erklären, warum Sabine W. die mutmassliche Vergewaltigung nicht genau schildern kann. Seidler geht davon aus, dass die Frau eine schwere Traumatisierung erlitten hat. Die Erinnerungslücken von Sabine W. seien auf eine «traumaspezifische Gedächtnisstörung» zurückzuführen. Seidler liefert eine Erklärung, die zwar für Laien nachvollziehbar ist, aber unter Wissenschaftern nicht unumstritten ist.

Forensik-Koryphäe schliesst Erinnerungslücken aus

Gar unsinnig ist Seidlers Theorie für Hans-Ludwig Kröber, Leiter des Instituts für Forensische Psychiatrie der Berliner Charité. Bei Menschen in extremen Situationen finde eine «Fokussierung aufs Kerngeschehen» statt, meint die Forensik-Koryphäe. Gerade in lebensbedrohlichen Situationen würden sich schmerzhafte Details ins Gehirn einbrennen. Kröber schliesst aus, dass während einer Vergewaltigung sich die Wahrnehmung beim Opfer ausschaltet. Und er äussert harte Kritik an Seidler: Der Therapeut von Sabine W. sei auf eine «Frau mit manipulativer Potenz» reingefallen.

Kröber wurde vom Gericht als Gutachter bestellt und soll beim Mannheimer Prozess heute Nachmittag zu Wort kommen. Ob auch Kröber, dessen Expertise für Kachelmann spricht, hinter verschlossenen Türen vernommen wird, ist noch offen.

Zweifel an den Aussagen von Sabine W.

Zu den Gutachtern, die in den nächsten Wochen im Kachelmann-Prozess auftreten, gehört die Bremer Psychologin Luise Greuel, die im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Glaubwürdigkeit von Sabine W. unter die Lupe genommen hatte. Greuel kam zwar zum Schluss, dass die Schilderung der Vergewaltigung «die Mindestanforderungen an die logische Konsistenz, Detaillierung und Konstanz nicht erfüllt». Dennoch sei keinesfalls erwiesen, dass Kachelmanns frühere Freundin falsch ausgesagt habe.

Das Greuel-Gutachten nannte die Verteidigung als klaren Beleg für die Falschbezichtigung Kachelmanns durch die Frau. Die Staatsanwaltschaft zieht dagegen ganz andere Schlüsse aus dem Gutachten. Darum beauftragte die Verteidigung des 52-jährigen Kachelmann einen Experten, der das Gutachten Greuels anschauen und die Sicht der Anklage widerlegen soll.

Verteidigung engagierte fünf Gutachter

Der überraschend zurückgetretene Hauptverteidiger Kachelmanns, Reinhard Birkenstock, hatte über ein halbes Dutzend Wissenschaftler engagiert. Unklar ist, wieviele von ihnen sein Nachfolger Johann Schwenn weiterhin in Anspruch nimmt.

Der DNA-Spezialist Steven Paul Rand soll unter anderem belegen, dass auf dem Tomatenmesser, das Kachelmann seiner damaligen Geliebten bei der angeblichen Vergewaltigung an den Hals gehalten haben soll, keine beweiskräftigen Spuren des Angeklagten sind. Die DNA-Spuren könnten auch durch sogenannte Sekundärübertragung an das Tomatenmesser gekommen sein, etwa durch Hautschuppen, die sich auf dem Bett oder an Kleidungsstücken befanden.

Im Weiteren soll der Rechtsmediziner Klaus Püschel unter anderem begründen, warum die dokumentierten Wunden von Sabine W. auf «Selbstverletzungen zurückzuführen» sind. Diese These vertritt auch der renommierte Rechtsmediziner Bernd Brinkmann, der im Oktober vom Gericht wegen Befangenheit als Gutachter ausgeladen wurde. Gemäss dem Magazin «Spiegel» wird Brinkmann als sachverständiger Zeuge aussagen. Er darf Sachverhalte darstellen, aber nicht bewerten.

Psychiater beobachtet Kachelmann im Gerichtssaal

Auch der Heidelberger Rechtsmediziner Rainer Mattern, den die Staatsanwaltschaft als Gutachter bestellt hat, äussert sich zur Tatsache, dass beim mutmasslichen Opfer Verletzungen an Hals und Oberschenkeln medizinisch festgestellt wurden. Laut Mattern ist sowohl eine Fremd- als auch eine Selbstverletzung möglich.

Insgesamt neun Gutachter sollen vom Landgericht Mannheim angehört werden. So zumindest war es vor dem Verteidigerwechsel Kachelmanns geplant. Die Experten zählen zu den Besten ihres Fachs in Deutschland. Einen besonderen Auftrag hat der Heidelberger Psychiater Hartmut Pleines. Er soll während des ganzen Prozesses Kachelmann beobachten. Weil der TV-Wettermoderator schweigt, wird Pleines sein Gutachten aufgrund von Zeugenaussagen und des nonverbalen Verhaltens von Kachelmann abgeben. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.12.2010, 06:59 Uhr

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10 Kommentare

Elfriede Fuchs

03.12.2010, 23:46 Uhr
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Bei diesem aufgeblasenen Wichtigtuer von Verteidiger glaubt noch einer, es ginge ihm auch nur entfernt darum, dass die Wahrheit zu ihrem Recht kommt? Dem geht es doch nur darum, "es allen mal so richtig zu zeigen"! Um nach aller Möglichkeit später als ganz Großer rauszukommen. Muss ja ´ne sehr verzweifelte Lage sein, wenn man mit so viel Gebrüll so viele Nebenschauplätze bemühen muss. Antworten


wiebke maren schmid

03.12.2010, 10:34 Uhr
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Ich kann kaum glauben dass es so einen immensen erklärungsbedarf braucht um zu belegen dass kachelmann der frau wirklich gewalt angetan hat. ist das verbrechen an sich denn nicht hässlich genug? was muss die frau nun alles über sich ergehen lassen. da steht EINE mal auf und wehrt sich und dafür lyncht sie die justiz. na bravo. Antworten



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