Panorama

Sie ist gewöhnlich - das ist ihr Erfolgsgeheimnis

Von Bettina Weber. Aktualisiert am 14.10.2009 1 Kommentar

Die Engländerin Lauren Luke filmte sich beim Schminken und stellte die Aufnahmen ins Netz. Jetzt ist sie eine Berühmtheit und hat eine eigene Kosmetiklinie.

Ganz normal, mit Hund: Lauren Luke ist die J. K. Rowling der Schminkkunst.

Ganz normal, mit Hund: Lauren Luke ist die J. K. Rowling der Schminkkunst.

Ihr Bild hängt am New Yorker Times Square und dabei war sie doch, bevor das alles losging, noch nie in ihrem Leben im Ausland gewesen. Sie hatte nicht einmal einen Pass gehabt. Aber das Leben der Lauren Luke, 27, alleinerziehende Mutter ohne Schulabschluss aus Newcastle, England, ist nicht mehr das, was es einmal war. Heute ist sie eine Berühmtheit.

Lukes Geschichte geht mittenrein ins Herz. Sie ist rührend, sie ist wunderbar und vor allem: Sie ist wahr. Und sie erinnert an J. K. Rowling, die Autorin der Harry-Potter-Bücher. Da arbeitete sich Lauren Luke also des Nachts als Taxi-Disponentin ab, und irgendwie machte sie das nicht glücklich, ihr Sohn kam zu kurz, und das Geld reichte auch nirgends hin. Aber etwas anderes lag nicht drin, es mangelte ihr an beruflichen Qualifikationen, nachdem sie mit 15 schwanger geworden war und die Schule abgebrochen hatte. Sie begann, Kosmetik über Ebay zu verkaufen. Sie mochte Kosmetik, sie schminkte sich leidenschaftlich gern. Anstatt Bestellungen kamen dann aber vor allem Anfragen, wie denn dieses oder jenes Produkt am besten einzusetzen sei. Luke stellte als Erklärungshilfe Fotos dazu. Die Unklarheiten blieben.

Und so setzte sie sich eines Tages hin, in ihr schwarz-pink-farbenes Schlafzimmer, stellte sich vor den Computer und filmte sich, während sie ein perfektes Augen-Make-up hinlegte. Im Hintergrund schnarchte einer ihrer drei Hunde, als Beleuchtung diente die Nachttischlampe. Sie lud das Ganze auf Youtube. Und machte weiter. Sie pinselte, strichelte, tupfte und zeigte, wie man Wangenrouge richtig einsetzt und welchen Trick es gibt, damit der Lippenstift nicht verschmiert. Sie erklärte, wie man das Kunststück hinbekommt, geschminkt ungeschminkt auszusehen, und den Lidstrich von Amy Winehouse. Das Video, in dem sie demonstriert, wie man sich die Augen à la Leona Lewis in ihrem Video zum Song «Bleeding Love» schminkt, wurde bis jetzt 3 Millionen Mal angeklickt, alle ihre Videos zusammen über 50 Millionen mal.

Authentizität als Erfolgsrezept

Inzwischen kann Luke nicht mehr unerkannt einkaufen gehen, weder in ihrer Heimat Newcastle noch in den USA, sie hat eine Kolumne bei der Wochenendbeilage des «Guardian», mitsamt Videoanleitung auf der Webseite versteht sich, sie hat ein Buch geschrieben, und eine eigene Kosmetiklinie «by Lauren Luke» lanciert, sie lacht vom Times Square, und Nintendo lanciert ein Spiel mit ihr in der Hauptrolle. Aber sie wohnt immer noch in Newcastle, in diesem kleinen, verlotterten Haus, und sie hat nicht vor, etwas an ihrem Leben zu ändern. Weil sie verstanden hat, was ihren Erfolg ausmacht: Authentizität.

Klar, das Internet ermöglichte die rasante Verbreitung ihrer Videos. Aber die muss ja auch jemand sehen wollen. Und selbst wenn Luke nicht einmal in ihren kühnsten Träumen mit einer solchen Resonanz gerechnet hätte, sie selbst kann sich ihren Erfolg erklären: «Die Leute hatten einfach genug.» Was sie damit meint: Sie hat einen Nerv getroffen. Lukes Erfolgsgeheimnis ist eben gerade ihre Gewöhnlichkeit. Sie ist komplett glamourfrei, genauso wie jede andere Frau, die morgens ungeschminkt vor dem Spiegel steht. Sie ist das Gegenteil dessen, was die Schönheitsindustrie propagiert; eine gewöhnliche Frau mit bisweilen unreiner Haut, mit ein wenig Rundungen, den ersten Fältchen. Sie ist keines dieser perfekt ausgeleuchteten, retouchierten, verjüngten, gestrafften Gesichter, die einen veranlassen sollen, ein gewisses Produkt zu kaufen. So viel Perfektion schreckt ohnehin ab, zumindest geht es Luke so. Bis heute, sagte sie in der «Times», sei sie eingeschüchtert von diesen Wesen hinter den Kosmetik-Verkaufsständen in den Warenhäusern, die einem mit diesem abschätzigen Blick mustern würden. Früher habe sie sich da gar nicht erst in die Nähe getraut.

Ungeschnittene Videos

Luke hingegen ist erfrischend natürlich, bodenständig auch. Den Charme ihrer Filme macht vor allem die fehlende Perfektion aus, die sie «Damn» sagen lässt, wenn sie einen Augenbrauen-stift nicht findet oder der zu stumpf ist. Schneiden tut sie ihre Videos nicht, sie weiss nicht einmal, wie das geht. Und die Markennamen von französischen Firmen spricht sie immer noch falsch aus.

Sie mag sich nicht verändern. Und vielleicht sollte die Werbebranche gut zuhören, wenn Luke schlicht und bescheiden sagt, dass es ihr eigentlich nur um eines gehe, nämlich darum, dass sich die Leute gut fühlten und das Beste aus sich machen könnten: «Die Industrie sagt den Leuten zum Beispiel auch, dass man nur Erfolg haben kann, wenn man dünn ist. Wir normalen Menschen empfinden uns dadurch aber immer als Versager. Dabei sind wir es doch, die ihre Kleider und Produkte kaufen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.10.2009, 06:19 Uhr

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1 Kommentar

Rebecca Cranach

13.07.2011, 09:14 Uhr
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Toll! Ich habe Lauren zum ersten Mal vor etwa 2 Jahren auf YouTube gesehen und obwohl ich mich eigentlich nie schminke und auch kaum Make-Up besitze liebe ich es, ihre Videos zu schauen. Nur ihretwegen. Antworten



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