Panorama

«Snowzilla» legt die US-Ostküste lahm

Aktualisiert am 25.01.2016

Im Osten der USA ging am Wochenende nichts mehr: Der Schneesturm Jonas hatte vor allem New York und Washington mit bis zu 90 Zentimetern Neuschnee überzogen.

1/38 Zeigt die Gefahren des Sturms auf: Nasa-Bild.

   

(chk/nag/sda/AFP/AP)

  • Zusammenfassung  

    Jonas fordert 22 Tote

    Nach dem heftigen Schneesturm Jonas im Osten der USA mit mindestens 22 Toten haben Helfer am Sonntag mit den Aufräumarbeiten begonnen. Mit teilweise mehr als 60 Zentimeter Neuschnee legte der inoffiziell «Snowzilla» genannte Blizzard das öffentliche Leben am Wochenende fast vollständig lahm. Noch immer sind Zehntausende Menschen in New Jersey sowie North und South Carolina ohne Strom.

    Mehr als 4400 Flüge fielen aus, die Flughäfen in New York, Philadelphia, Washington und Baltimore stellten den Betrieb vorübergehend ein. Die Flughäfen in New York, Philadelphia und Baltimore haben am Sonntag nach und nach wieder den Betrieb aufgenommen. Bis Montag wollten alle grossen Fluggesellschaften die meisten ihrer Verbindungen wieder anbieten.

    Rund 85 Millionen Menschen waren von dem Sturm betroffen. Am Sonntag nutzten Einsatzkräfte eine Beruhigung der Wetterlage, um zugeschneite Strassen mit Spezialfahrzeugen zu räumen, schrittweise wurden die Fahrverbote aufgehoben. Auch der Flugverkehr normalisierte sich allmählich, auch wenn nach wie vor Tausende Passagiere festsassen. In New York sollten im Laufe des Tages die ersten Flugzeuge landen und starten. Für die Washingtoner Flughäfen Reagan National und Dulles wurde hingegen ein ganztägiges Flugverbot ausgesprochen.

    «Fussgänger haben die Macht übernommen»

    In New York kamen Menschen mit Schneeschuhen und Schlitten aus den Häusern. «Das ist super. Die Fussgänger haben die Macht übernommen», freute sich Andrew, der vorsichtig die Fifth Avenue hinunterlief. Die Meteorologen sagten einen Anstieg der Temperaturen und Sonne für die kommenden Tage voraus. In Washington verabredeten sich etwa 3000 Menschen über soziale Netzwerke zu einer riesigen Schneeballschlacht.

    Zuvor waren jedoch in den Bundesstaaten New York, North Carolina, Virginia, Kentucky, Arkansas und Maryland Tote zu beklagen. Die meisten kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Die New Yorker Stadtverwaltung rief die Einwohner zunächst auf, möglichst zu Hause zu bleiben. Später erliessen die Behörden ein Fahrverbot. Lediglich Rettungsdienste, Polizei und Feuerwehr durften noch mit Kraftfahrzeugen auf den Strassen unterwegs sein.

    Während in New York die U-Bahn zunächst weiter fuhr, wurde auch der Bus- und Zugverkehr eingestellt. Washington traf die ungewöhnliche Entscheidung, den Nahverkehr bis Montagmorgen ganz einzustellen. Normalerweise transportiert die Metrorail etwa 700.000 Menschen am Tag.

    In der Bundeshauptstadt fielen bis Samstagabend 56 Zentimeter Neuschnee, die Schneedecke im New Yorker Central Park erreichte mit 68 Zentimetern innerhalb eines Tages das zweithöchste Niveau in der Stadt seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1869. Die Vorführungen am Broadway wurden gestrichen, Museen und Geschäfte waren geschlossen, Sportveranstaltungen wurden verschoben.

    Schäden von über einer Milliarde Dollar

    Zahlreiche Autofahrer blieben stundenlang im Schnee stecken. In Kentucky bildete sich auf der eisglatten Autobahn 117 ein 60 Kilometer langer Stau. Mehr als 200'000 Menschen waren ohne Strom. Pannen gab es nicht zuletzt durch das Gewicht des Schnees auf den oberirdisch verlegten Elektrizitätsleitungen. Die Behörden aktivierten rund 2200 Angehörige der Nationalgarde für Notfalleinsätze. Insgesamt war vom Wintersturm Jonas mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung der USA betroffen.

    Für die Stadt New York und den gleichnamigen Bundesstaat wurde der Notstand ausgerufen. Experten schätzten die vom Sturm angerichteten Schäden auf mehr als eine Milliarde Dollar.

    Die Bewohner der betroffenen Gebiete hatten sich mit Hamsterkäufen auf den Schneesturm vorbereitet. Schulen und Behörden blieben in Washington schon am Freitag geschlossen. «Es gibt keinen Grund, draussen zu sein», sagte Bürgermeisterin Muriel Bowser. Auch Polizeichefin Cindy Lanier rief angesichts schlechter Sichtverhältnisse auf, daheim zu bleiben.

    Tian Tian, der Riesenpanda im Washingtoner Zoo, liess sich durch «Snowzilla» – wie die «Washington Post» den Blizzard in Anlehnung an das Kultmonster Godzilla taufte – hingegen nicht schrecken. Auf Filmaufnahmen war zu sehen, wie sich das Tier genüsslich im Schnee wälzte.

  • Abstimmungen verschoben  

    Der massive Schneesturm in den USA wirbelt auch die Terminplanung im Repräsentantenhaus durcheinander. Für kommenden Dienstag und Mittwoch geplante Abstimmungen müssten wegen des Wetters und den Folgen für den Verkehr ausfallen, teilte das Büro des republikanischen Mehrheitsführers Kevin McCarthy am Sonntag mit.

    Damit wird auch ein Votum verschoben, das ein Veto von Präsident Barack Obama gegen die von den Republikanern geplante Abschaffung seiner Gesundheitsreform aushebeln soll. Die Abstimmung soll nun in der ersten Februarwoche stattfinden.

    Schon vor dem aktuellen Schneechaos an der Ostküste hatte das Repräsentantenhaus sich auf eine kürzere Arbeitswoche eingestellt. Denn die Demokraten wollten am Mittwoch in Baltimore zu einer jährlichen Sitzung zusammenkommen, bei der Gesetzesinitiativen beraten werden sollen.

    Die Senatoren sollten am Dienstag ins Oberhaus zurückkehren, eine wetterbedingte Planänderung gab es bislang nicht.

  • Mutter und Sohn vergiftet  

    Während des Schneesturms im Osten der USA sind eine Mutter und ihr einjähriger Sohn im Auto an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben. Die dreijährige Tochter der Frau sei in sehr kritischem Zustand im Krankenhaus, teilte die Polizei in Possaic in New Jersey am Sonntag mit.

    Die drei hatten bei laufendem Motor im Auto gesessen, während der Familienvater am Samstagabend Schnee schippte. Da der Auspuff im Schnee steckte, drang das giftige Gas offenbar zu den Insassen. Als der Vater nach 20 Minuten zurückkam, fand er seine Familie bewusstlos vor, wie es weiter hiess.

  • Blauer Himmel und langsames Erwachen  

    36 Stunden lang fiel der Schnee an der US-Ostküste. Am Sonntag werden am Weissen Haus 40 Zentimeter Neuschnee gemessen - und das ist noch wenig. In Teilen Virginias, Marylands und die Küste hinauf nach New York werden es 70 bis 100 Zentimeter sein. So etwas ist dieser Landstrich nicht gewöhnt. Es gibt zwar alle paar Jahre mal Schneestürme, aber auch Winter fast ganz ohne Weiss.

    Das öffentliche Leben ruht. Als einer der schlimmsten Schneestürme seit vielen Jahren endet, bescheint erst ein klarer Mond, dann eine strahlende Sonne und eine märchenhafte Kulisse: Winterwonderland in Washington DC und New York City.

    Am Sonntag beginnt das grosse Graben. So richtig tauen soll es erstmal nicht. Dröhnende Schneefräsen sind zu hören, das Knirschen von Schaufeln, eiserne Pflüge schaben über die Strassen. Viele, sehr viele Bezirke werden mindestens bis Montag eingeschneit sein. Der Sturm ist vorbei, der Winter bleibt.

  • Auto zieht Skifaher und Snowboarder  

    Der Schnee in New York scheint nicht nur die Langläufer glücklich zu machen und verleitet Menschen zu gefährlichen Aktionen: Diese zwei Adrenalin-Junkis lassen sich auf ihren Ski und auf dem Snowboard von einem Auto ziehen. Mit einer guten Geschwindigkeit brettern sie durch die Strassen – bis ein Polizeiwagen die Verfolgung aufnimmt.



  • Millionen Menschen blockiert  

    Mehrere US-Bundesstaaten riefen den Notstand aus, darunter Tennessee, North Carolina, Virginia, Maryland, Pennsylvania, der Hauptstadtbezirk D.C. und New Jersey. Die rund 80 Millionen Menschen in den betroffenen US-Staaten wurden aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Für bis zu 240'000 Bewohner von North Carolina, New Jersey und Virginia fiel der Strom aus. Die Stadt New York verhängte ein Fahrverbot und sagte alle Broadway-Shows ab. Autos, U-Bahnen, Busse, Züge, Flugzeuge – nichts ging mehr. Zehntausende Reisende sassen fest.

    Der Wintersturm brachte nahezu das gesamte öffentliche Leben an der US-Ostküste zum Erliegen. Dem Nationalen Wetterdienst zufolge schneite es selten zuvor so stark in den grossen Metropolen Washington und New York. Allein in New York türmte sich der Neuschnee auf bis zu 64 Zentimeter.

  • 19 Todesopfer  

    Bei einem der schwersten Winterstürme der letzten Jahre sind in den USA mindestens 19 Menschen ums Leben gekommen. Alleine 13 von ihnen starben bei Autounfällen in den Bundesstaaten Arkansas, North Carolina, Kentucky, Ohio, Tennessee und Virginia. Dies teilten die zuständigen Behörden am Wochenende mit. Weitere vier Personen wurden beim Schneeschaufeln getötet. Zwei Menschen starben in Virginia an den Folgen einer Unterkühlung.

  • Langläufer mitten in New York  

    Dieser Langläufer macht das Beste aus der Situation.


  • Eine Strasse in New York  

    Eisstücke treiben durch eine Strasse in New York.

  • Times Square  


  • Shows abgesagt  

    Alle Veranstaltungen am Broadway wurden für Samstagabend abgesagt. Er bat auch Restaurants zu schliessen.


  • Komplettes Reiseverbot  

    New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio befürchtet, dass der Sturm an der Ostküste einer der schlimmste in der Geschichte der Stadt werden könnte. Er hat ein komplettes Reiseverbot verhängt.

    Fahrzeuge, die nicht zu den Rettungsdiensten gehörten, dürften die Strassen ab 14.30 Uhr (Ortszeit) nicht mehr benutzen, teilte Gouverneur Andrew Cuomo mit. De Blasio kündigte an, die Polizei werde das Verbot durchsetzen.


  • Zehn Tote  

    Der heftige Schneesturm an der Ostküste der USA hat inzwischen zehn Menschen das Leben gekostet. Am Samstag starb ein 60-jähriger Mann in Maryland beim Schneeschaufeln an einem Herzinfarkt, wie die Rettungsdienste mitteilten. Die Feuerwehr riet Menschen über 50 und Leute mit schwachem Herzen, das Schneeschippen anderen zu überlassen.

    Neun Menschen waren bis Samstag auf eisigen Strassen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen.

  • Eingeschneite Autos  

    Die Autos in Washington sind fast ganz unter der Schneedecke begraben.


  • Panda im Schnee  

    Der Panda scheint sich über den Schnee sichtlich zu freuen.


  • Wahlkampf abgebrochen  

    New Jerseys Gouverneur Chris Christie, der sich um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bewirbt, brach den Wahlkampf wegen des Schneesturms ab und kehrte in seinen Bundesstaat zurück. Er setzte den Betrieb des Nahverkehrs aus, doch versicherte er den Bürgern, die Lage sei voll unter Kontrolle. «Wir werden durch den Sturm kommen. Wir kommen immer durch», twitterte der Gouverneur.


  • Hoher Sachschaden  

    Nach Angaben des Nationalen Wetterdiensts könnte Jonas regional zu den Top 20 der schwersten Blizzards aller Zeiten gehören. Behördenchef Louis Uccellini sagte, der Sturm könnte mehr als 50 Millionen Menschen betreffen und leicht mehr als eine Milliarde Dollar an Schäden verursachen. Das gesamte östliche Drittel der USA könnte lahmgelegt werden, sagte Uccellini.

  • Auch NHL und NBA betroffen  

    Die Schneestürme an der US-Ostküste zwangen auch die NHL zu Umstellungen: Die Partie zwischen Washington und Anaheim musste abgesagt werden.

    In der NBA wurden die Begegnungen Philadelphia 76ers gegen die Boston Celtics und Washington Wizards gegen Utah Jazz verlegt.

  • Blick von oben  

    Astronaut Scott Kelly übermittelte via Twitter eine beeindruckende Aufnahme des Schneesturms von Bord der Internationalen Raumstation.


  • Weisse Hochzeit  

    Sie erhofften sich Schneefall zu ihrer weissen Hochzeit und wurden nicht enttäuscht: Der US-Sender Fox5 DC berichtet über ein Brautpaar aus Washington.

  • 85 Millionen sind betroffen  

    «Schwerer Schneefall, zunehmender Wind, Gefahr von Blitzeinschlägen», twitterte der Wetterdienst NWS und warnte vor «einer Bedrohung für Leben und Besitztümer». Die Blizzard-Warnung galt für ein Gebiet von Washington bis New York.





    Der Meteorologe Paul Kocin verglich den Blizzard mit «Snowmageddon» – einem, der 2010 Washington heimgesucht hatte. Für die Stadt Philadelphia wurden rund 30 bis 46 Zentimeter Schnee prognostiziert, in New York wurde mit etwa 20 bis 30 Zentimetern gerechnet. In den Staaten North Carolina, Virginia, Maryland, New Jersey, Pennsylvania und Tennessee sowie im Hauptstadtbezirk wurde der Ausnahmezustand erklärt.

  • Acht Unfalltote  

    Vielerorts brach der Verkehr auf winterlichen Strassen zusammen. Gemäss «CNN» kamen bei Unfällen mindestens acht Menschen ums Leben - sechs Tote gab es in North Carolina, einen in Virginia und einen in Kentucky.

    Die Polizei berichtete von Hunderten Unfällen. Viele Fahrzeuge sind nicht für Schnee und Eis ausgerüstet. Viele Autofahrer ignorierten die offiziellen Mahnungen, von Freitagnachmittag an das Haus nicht mehr zu verlassen.

  • Flugverkehr liegt lahm  

    Airlines strichen am Freitag und Samstag laut dem Datenanbieter FlightAware.com im ganzen Land mehr als 7100 Flüge. Allein am Freitag verspäteten sich zudem 7000 Maschinen. Auch die Fluggesellschaft Swiss strich alle Flüge von Samstag nach New York.

  • Stromausfall in North Carolina  

    Wegen des schweren Schnees auf den Stromleitungen fiel in North Carolina der Strom aus. Über 100'ooo Haushalte sind davon betroffen, wie die New York Times berichtete. Eine Grafik des Energieanbieters Duke Energy zeigt die betroffenen Standorte. Mit weiteren Ausfällen in der Energieversorgung wird gerechnet. Mehrere Bundesstaaten riefen den Notstand aus, das hat aber vor allem organisatorische und finanzielle Gründe.

  • Prognosen und Warnungen  

    «Am Samstag soll es ununterbrochen weiterschneien. Bei starkem Wind seien in einigen Regionen bis zu 90 Zentimeter Schnee möglich,» hiess es. Die Behörden warnten für Samstag auch vor Überschwemmungen an den Küsten.



  • Snowzilla  

    Den Namen «Snowzilla» verdankt der Schneesturm den Lesern der «Washington Post». In einer Onlineumfrage sprach sich eine Mehrheit zwar für den Namen «Make Winter Great Again» aus – der zweitplatzierte Begriff «Snowzilla» gebe jedoch einen besseren Hashtag in den Sozialen Medien ab, teilte die Redaktion mit.




    Ein Spassvogel gibt sich auf Vine als «Snowzilla »aus.

  • Obama bleibt im Weissen Haus  

    Das öffentliche Leben in Washington kam am Freitag weitestgehend zum Erliegen. Die Regierungsbehörden schlossen die Schulen. Auch der öffentliche Nahverkehr wurde bis Sonntag eingestellt, vom frühen Samstagmorgen an auch einschliesslich des gesamten Metronetzes. Das hat es in dieser Form in DC noch nicht gegeben. Die Bewohner bereiteten sich mit Hamsterkäufen vor. US-Präsident Barack Obama hat für die kommenden Tage keine Reisen geplant.

  • Besserung in Sicht  

    Bisher war der Winter an der US-Ostküste ungewöhnlich warm: Noch an Weihnachten genossen die Menschen in Washington oder New York in T-Shirts und in Strassencafés die Wintersonne.

    Während der Sturm 24 bis 36 Stunden dauern sollte, wurde für Sonntag strahlender Sonnenschein bei Minusgraden vorausgesagt: ideales Wetter für Wintersportler, Familien und Ausflügler.

Erstellt: 24.01.2016, 10:25 Uhr

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