Panorama
Erdbeben tötet 600 Chinesen
Karges Bergland
Karge Grassteppe mit grossen Salzseen und bis zu 5000 Meter hohe Berge prägen weite Teile der abgelegenen chinesischen Provinz Qinghai. Mit 720'000 Quadratkilometern ist das Gebiet etwa doppelt so gross wie Deutschland, hat aber nur 5,1 Millionen Einwohner.
Die Provinz im Westen der Volksrepublik grenzt an die Unruhe- Regionen Tibet und Xinjiang. Besonders im Westen Qinghais ziehen noch viele Tibeter, Mongolen und Angehörige anderer nationaler Minderheiten als Nomaden mit Yak- und Schafherden durchs Land.
Trotz Bodenschätzen wie Erdöl, Kohle, Blei und Zink ist die Provinz noch weitgehend agrarisch geprägt. Auch wenn Landwirtschaft bis in 3000 Meter Höhe möglich ist, sind die Ernten im trockenen Klima mit kurzen Sommern wenig ertragreich. Die Provinz gilt aber als ein Zentrum der Viehzucht in China und liefert Wolle, Fleisch und Leder in andere Teile der Volksrepublik.
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Reuters
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Rund 600 Tote und mindestens 10'000 Verletzte - so lautet die vorläufige Bilanz eines schweren Erdbebens, das am Mittwoch den Nordwesten Chinas erschütterte. Das Zentrum des Bebens lag im Süden der Provinz Qinghai nahe der Grenze zu Tibet, wo viele Menschen noch in einfachen Hütten aus Lehm und Holz leben, wie ein Korrespondent des staatlichen Fernsehens in der Region berichtete. «Auf einen Schlag fielen die Häuser in sich zusammen. Es war ein furchtbares Beben», sagte der Journalist, Karsum Nyima.
Die Zahl der Toten und Verletzten dürfte noch steigen. Zahlreiche weitere Menschen seien unter den Trümmern ihrer eingestürzten Häuser begraben, meldete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. «Es wird geschätzt, dass es hohe Opferzahlen gibt, weil das Erdbeben am frühen Morgen passierte und viele der Bewohner noch nicht aufgestanden waren», sagte der Experte des nationalen Erdbebenamts in Peking, Sun Shihong.
Das chinesische Erdbeben-Zentrum gab die Stärke des Erdstosses mit 7,1 an, die US-Erdbebenwarte in Colorado mit 6,9. Es folgten drei heftige Nachbeben mit Stärken bis zu 5,8.
Es folgten drei heftige Nachbeben mit Stärken bis zu 5,8. Das Epizentrum lag laut USGS 380 Kilometer südöstlich der Stadt Golmud in einer Tiefe von zehn Kilometern. Das Beben brachte zahlreiche Häuser zum Einsturz. In der ländlichen Region leben laut Regierungsangaben zumeist Hirten und Bauern. Ein Sprecher der Katastrophenzentrale in Yushu sagte: «Die meisten Häuser sind eingestürzt. Wir suchen nach Verschütteten.»
In den Städten Yushu und Jiegu sind nach Radioberichten zwischen 80 bis 90 Prozent der Häuser zerstört. «Mein Haus zitterte gewaltig, dann stürzte es ein», berichtete der Vizenachrichtenchef des Fernsehens von Yushu, Karsum Nyima. «Die Häuser hier sind meist aus Holz und Lehm gebaut», sagte der Funktionär im Staatsfernsehen. «Fast alle Häuser sind eingestürzt.» Er beschrieb die Lage als chaotisch. «Die Menschen sind alle auf den Strassen, stehen vor den Trümmern ihrer Häuser.» Viele suchten verzweifelt nach Verwandten.
Telefonnetz zusammengebrochen
Die Rettungsbemühungen werden nach Angaben der chinesischen Behörden durch einen Zusammenbruch des Telefonnetzes im Erdbebengebiet behindert. Die Menschen rannten laut einem Fernsehreporter nach dem Beben am frühen Morgen in Panik aus ihren Häusern. Das staatliche Fernsehen zeigte Bilder von paramilitärischen Polizeikräften, die mit Schaufeln im Umkreis eines Hauses gruben, dessen Holzdach eingestürzt ist.
Die Ausrüstung der Helfer sei unzureichend, sagte ein örtlicher Militärsprecher dem staatlichen Fernsehsender CCTV. Es stünden keine Bagger zur Verfügung, sagte Shi Huajie. «Viele Menschen sind verschüttet, und unsere Soldaten versuchen nur mit menschlicher Kraft, sie zu bergen. Es ist sehr schwer, Menschen nur mit blossen Händen zu retten.»
Düstere Erinnerungen an 2008
Wu Yong, ein örtlicher Militärbefehlshaber, sagte, man benötige auch dringend medizinisches Personal, aber die zum Flughafen führenden Strassen seien durch das Beben stark beschädigt worden. Es sei deshalb schwer, Helfer und Ausrüstung in das Katastrophengebiet zu fliegen.
An die Provinz Qinghai grenzt die Provinz Sichuan, wo im Mai 2008 bei einem verheerenden Erdbeben knapp 87'000 Menschen getötet oder vermisst gemeldet wurden. Rund 375'000 Menschen wurden verletzt und Millionen obdachlos. (bru/sda/ddp)
Erstellt: 14.04.2010, 06:10 Uhr
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