Panorama

Verspätungen in Kloten, viele Unfälle auf den Strassen

Der Winter hat Europa fest im Griff. Auf den Schweizer Strassen krachte es Dutzende Male. Am Zürcher Flughafen müssen sich Reisende nach bestimmten Destinationen gedulden.

1/4 Nicht alle Flieger verlassen Kloten derzeit nach Abflugplan. (Archivbild)
Bild: Keystone

   

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Der einwöchige Dauerfrost in weiten Teilen der Schweiz ist in der Nacht zum Montag mit Schneefällen zu Ende gegangen. Die Temperaturen stiegen innerhalb von 24 Stunden um bis zu 15 Grad. Auf den Strassen ging die Serie von Unfällen weiter. Die Schneemengen wurden von Meteo Schweiz auf fünf bis 15 Zentimeter geschätzt. Am meisten Schnee erhielten die Regionen entlang dem Jura sowie das Baselbiet und Teile des Kantons Aargau. Mit dem Überschreiten der Nullgradgrenze am Morgen fiel die weisse Pracht aber rasch zusammen.

Geschlafen, bis die Polizei kam

Auf den Strassen blieb die Situation aber heikel. Die Verkehrsinformation Viasuisse warnte vor Schneematsch auch auf Teilen des Autobahnnetzes. Die Polizeidienststellen hatten in der Nacht zum Montag erneut viel Arbeit wegen Unfällen. Im Kanton Zürich wurden 27 Unfälle mit sechs leicht Verletzten gezählt. Zwei Unfälle auf der schneebedeckten Autobahn A 2 meldete die Kantonspolizei Nidwalden. In einem Fall fuhr ein britischer Personenwagen bei Buochs in die Mittelleitplanke. Die beiden Insassen blieben unverletzt und schliefen, als die Polizei gegen Mitternacht am Unfallort eintraf.

In Beggingen im Kanton Schaffhausen verlor ein 18-jähriger Neulenker die Kontrolle über seinen Personenwagen. Dieser prallte in einen Kandelaber und überschlug sich. Der Lenker blieb unverletzt, musste seinen Ausweis wegen Verdachts auf Angetrunkenkeit aber abgeben. Schnee, aber nicht jener auf der Strasse führte in der Stadt Schaffhausen zu einem weiteren Unfall: Der Chauffeur eines Winterdienstfahrzeugs wurde durch das offene Fenster von einem Schneeball im Gesicht getroffen, bremste sofort, und wurde von einem nachfolgenden Personenwagen gerammt. Das Personenauto erlitt Totalschaden. Der Schneeballwerfer konnte laut der Schaffauser Polizei gestellt werden.

Enteisen am Flughafen dauert

Im Kanton Bern haben sich seit Sonntagabend 39 Unfälle mit drei Verletzten ereignet. 18 Unfälle registrierte die Kantonspolizei Bern auf dem Autobahnnetz. Das schwerste Unglück ereignete sich in Bigenthal, wo zwei Autolenkerinnen bei einer Frontalkollision schwer verletzt wurden. Die Kantonspolizei Bern rief die Verkehrsteilnehmer am Montag erneut zur Vorsicht und zur Anpassung der Fahrweise an die winterlichen Strassenverhältnisse auf.

Auf den Flughäfen lösten starke Schneefälle ein Chaos aus. Am Flughafen Zürich wurde sämtliches Personal aufgeboten, wie Unique-Sprecherin Marion Asshoff auf Anfrage von baz.ch/Newsnet sagte. Noch immer müssten sämtliche Flugzeuge vor dem Abflug enteist werden. Schwierig wird es vor allem für Reisen an Orte mit viel Schnee. Betroffen seien Manchester, Madrid, Amsterdam und auch Paris. Bereits am Wochenende kam es zu Verspätungen. Weil die Maschinen vor dem Abflug enteist werden müssen, dauerte das bis zu den Abflügen teilweise bis zu 40 Minuten länger.

Am Frankfurter Flughafen wurden am Montagmorgen bisher 42 Starts und Landungen gestrichen. Am Düsseldorfer Flughafen, der am Sonntag fast den ganzen Tag über wegen Schnees geschlossen war, normalisierte sich die Lage allmählich wieder. Dennoch seien bereits wieder einige Starts und Landungen abgesagt worden. Viele Flüge seien zudem verspätet. Am Sonntag waren rund 400 Flüge und Tausende Passagiere von der Schliessung betroffen gewesen.

Eurostar steht weiter still

Nach der Pannenserie im Tunnel unter dem Ärmelkanal steht der Hochgeschwindigkeitszug Eurostar auch am Montag still. Wie schon am Wochenende wird es auch zu Wochenbeginn lediglich Testfahrten durch den Tunnel zwischen Grossbritannien und Frankreich geben. Die bisherigen Tests hätten ergeben, dass der Schneeschutz an den Triebwagen verbessert werden müsse, um die elektrischen Anlagen zu schützen. Wegen der heftigen Schneefälle in Nordfrankreich hätten die Schilde, die die elektrischen Anlagen vor dem Eindringen von Schnee schützen sollten, versagt.

Mit den Umrüstungen sei bereits begonnen worden, die weiteren Tests sollen deren Wirksamkeit prüfen, teilte das Unternehmen mit. Nachdem am Samstag mehr als 2000 Reisende stundenlang in liegengebliebenen Zügen mitten im Tunnel hilflos festgesessen waren, hatte Eurostar den gesamten Zugverkehr am Wochenende gestoppt. Der Unterbruch durchkreuzte die Reisepläne von rund 60'000 Menschen. Erschöpfte Reisende hatten von chaotischen Zuständen und panischen Menschen in den gestrandeten Zügen berichtet. Eurostar-Chef Richard Brown entschuldigte sich und versprach, die Betroffenen zu entschädigen.

Viele Tote in Polen

Allein in Polen kamen nach Polizeiangaben mindestens 29 Menschen ums Leben. Seit Anfang Dezember starben in Polen insgesamt 47 Menschen infolge der Kältewelle. Bei den Opfern handelte es sich den Angaben zufolge um Obdachlose oder Menschen, die zuvor Alkohol getrunken hatten. Die polnische Polizei rief die Bürger dazu auf, sie auf Obdachlose oder Betrunkene in der klirrenden Kälte hinzuweisen, um weitere Todesfälle zu verhindern. In Österreich erfroren in der Steiermark zwei Menschen auf dem Heimweg, in Marseille wurde ein aus Polen stammender Obdachloser tot aufgefunden. Auch in der südfranzösischen Stadt waren die Temperaturen unter den Gefrierpunkt gefallen. Bei Verkehrsunfällen nach einem Schneesturm in Finnland kamen vier Menschen ums Leben.

In Mannheim starb ein 46-jähriger Mann, der gemeinsam mit zwei weiteren Obdachlosen an stillgelegten Gleisanlagen auf dem blossen Betonboden geschlafen hatte. Der Mann sei vermutlich erfroren, denn er habe neben der üblichen Bekleidung nur eine Kapuzen- und eine leichte Daunenjacke getragen, teilte Polizei mit. In Bosnien forderte die Kältewelle ebenfalls erste Menschenleben. Das Opfer ist ein 43-jähriger Lehrer, der im Ort Tomislavgrad erfroren auf der Strasse gefunden wurde. In Ligurien kamen zwei Menschen ums Leben, weil sie wegen der Kälte defekte Öfen geheizt hatten. Ein 76-Jähriger wurde von ausströmendem Gas erstickt, eine 86-Jährige starb von dem Feuer, den ein Kurzschluss an ihrem Ofen ausgelöst hatte.

Schnee und Überschwemmungen

In Italien Belgien, England und Bulgarien sorgte die Eiseskälte ebenfalls für Chaos. Allein in Belgien stauten sich die Fahrzeuge auf einer Länge von fast 350 Kilometern, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. Ebenso wie auf dem Flughafen Brüssel-Zaventem gab es auch auf den Flughäfen rund um London wetterbedingte Flugausfälle.

Den Italienern machten Schnee und Überschwemmungen zu schaffen. An den Flughäfen in Florenz, Bologna, Rom und Venedig fielen etliche Flüge aus, aber auch Fähren und Züge waren auf einigen Strecken lahmgelegt. In manchen Regionen wurden Temperatur-Minus-Rekorde gemessen: In der Nacht zum Sonntag war es in der unbewohnten Marcesina-Ebene in Venetien minus 29 Grad kalt, am Gran Sasso in den mittelitalienischen Abruzzen minus 25 Grad. Auf Sardinien sorgten heftige Regenfälle für einen Erdrutsch, der einen Zug entgleisen liess. Dabei wurde der Lokführer getötet. In Venedig stieg das Wasser am Samstag um 114 Zentimeter. Etwa 14 Prozent der Hafenstadt standen unter Wasser, ausserdem war sie vielerorts von einer Schneeschicht überzogen. (cpm/vin/sda/ap/)

Erstellt: 21.12.2009, 09:19 Uhr

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