«Viele sind sich der Risiken zu wenig bewusst»

Bereits 26 Menschen sind in diesem Jahr in Schweizer Seen und Flüssen ertrunken. Dabei würden sich Badeunfälle leicht verhindern lassen.

Unterschätzte Gefahr: Ein Mann steht rauchend auf einem Sprungbrett beim Zürcher Seebad Utoquai. (11. Juli 2015)

Unterschätzte Gefahr: Ein Mann steht rauchend auf einem Sprungbrett beim Zürcher Seebad Utoquai. (11. Juli 2015) Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Das sonnige Wetter hat auch Schattenseiten: Bis Mitte Juli sind in der Schweiz bereits 26 Menschen ertrunken, nur einer weniger als im gesamten letzten Jahr. Da sehr viele Ausländer darunter sind, sollen die Baderegeln nun in weitere Sprachen übersetzt werden.

Blickt man weiter zurück, zeigt sich, dass die Zahl der Badetoten in diesem Jahr voraussichtlich noch steigen wird: Im Jahr 2013, als der Sommer ebenfalls sonnig und warm war, ertranken insgesamt 52 Menschen. Im Jahr 2012 mit durchzogenem Sommer waren es 44 Ertrunkene.

«Das schöne Wetter hat einen Einfluss», sagt Philipp Binaghi, Mediensprecher der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG). Wenn mehr Menschen baden gingen, sei es schlicht wahrscheinlicher, dass es zu einem Unglück komme. Zudem seien sich viele Menschen der Risiken zu wenig bewusst. «Die meisten Unfälle liessen sich verhindern, wenn die sechs Baderegeln (siehe Infobox) beachtet würden», sagt Binaghi.

Viele Ausländer

Bei einem grossen Anteil der Ertrunkenen handelt es sich um Ausländer. In diesem Jahr waren es mindestens neun der 26 tödlich Verunglückten: Zwei Asylbewerber aus Eritrea, ein indischer und ein britischer Tourist, ein Spanier, ein Türke, ein Brasilianer, ein Marokkaner sowie ein nigerianischer Jugendlicher.

«Die Schweiz ist das Wasserschloss Europas», sagt Binaghi. Die Schweizer seien es sich gewohnt, damit umzugehen. Ausländern fehle hingegen manchmal das Wissen über einen adäquaten Umgang mit dem Element Wasser.

Übersetzung in diversen Sprachen

Die SLRG setzt deshalb auf Aufklärung: Sie will die sechs Baderegeln in vier weitere Sprachen übersetzen: Das in Eritrea gesprochene Tigrinya, arabisch - etwa für die Syrer -, tamilisch und englisch. Danach sollen die Baderegeln beispielsweise über die Asylzentren breit gestreut werden. Dies soll möglichst noch diesen Sommer geschehen, sagt Binaghi.

Für Asylsuchende besteht zudem teilweise das Angebot, öffentliche Bäder in Begleitung von Betreuungspersonen zu besuchen, wie es beim Staatssekretariat für Migration auf Anfrage heisst. Vor Ort mache sie dann der Bademeister auf die Gefahren beim Baden aufmerksam.

Junge Erwachsene

Eine weitere besonders gefährdete Gruppe neben den Ausländern sind junge Erwachsene: Mit 30 Prozent machten sie den Löwenanteil an den Todesfällen aus, sagt Binaghi. Grenzen ausloten, Gruppendruck und auch der Versuch, das andere Geschlecht zu beeindrucken, nennt er als Gründe.

Vor allem junge Männer sind gefährdet: Über drei Viertel der Ertrunkenen sind männlich. Dies zeigt die Ertrinkungsstatistik der SLRG über die letzten drei Jahre. Frauen und Kinder machen je rund zehn Prozent an den Todesfällen aus. (dia/sda)

Erstellt: 16.07.2015, 13:47 Uhr

Die sechs Baderegeln

Die Einhaltung der sechs Baderegeln könnte viele tödliche Badeunfälle verhindern. Doch die wenigsten Menschen können sie aus dem Kopf aufzählen, sagt Philipp Binaghi, Mediensprecher der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG). Nachstehend die Regeln:

1. Kinder nur begleitet ans Wasser lassen - kleine Kinder in Griffnähe beaufsichtigen!

2. Nie alkoholisiert oder unter Drogen ins Wasser! Nie mit vollem oder ganz leerem Magen schwimmen.

3. Nie überhitzt ins Wasser springen! Der Körper braucht Anpassungszeit.

4. Nicht in trübe oder unbekannte Gewässer springen! Unbekanntes kann Gefahren bergen.

5. Luftmatratzen und Schwimmhilfen gehören nicht ins tiefe Wasser! Sie bieten keine Sicherheit.

6. Lange Strecken nie alleine schwimmen! Auch der besttrainierte Körper kann eine Schwäche erleiden.

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