Warum es in Italien am meisten Banküberfälle gibt

Anfang Mai erregte der Fall einer Frau, die in Turin innerhalb eines Tages vier Banken überfiel, Aufmerksamkeit. Dass sie ihr Kind dabei hatte, war nicht das typisch Italienische daran.

Die grösste Bank Italiens hat 5921 Filialen im Land: Banca Intesa in Peschiera del Garda.

Die grösste Bank Italiens hat 5921 Filialen im Land: Banca Intesa in Peschiera del Garda. Bild: Reuters

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Die italienischen Banken sind in Europa die Nummer eins, wenn es um Banküberfälle geht. Wie das News-Portal Bloomberg.com berichtet, wird die Hälfte der Überfälle auf Banken in Europa in Italien begangen. Gemäss einer Untersuchung liege das unter anderem daran, dass zu viel Bargeld in zu vielen Filialen verteilt sei.

In Italien habe es im vergangenen Jahr 1744 Banküberfälle gegeben, über sechsmal mehr als beispielsweise in Deutschland. Dabei wurden gemäss Daten der italienischen Bankiersvereinigung ABI 36,8 Millionen Euro gestohlen.

Kleine Bankfilialen sind schlecht geschützt

Problematisch sei in Italien, dass es über das ganze Land verteilt zu viele kleinere Bankfilialen gebe. Sehr oft auch in Quartieren und Gegenden, wo die Polizeipräsenz minimal sei. Auch werde die Sicherheit bei den Kleinfilialen im Vergleich vernachlässigt, da es dort nicht allzu grosse Geldmengen habe.

Für Gauner sei das direkt eine Einladung. So sind die meisten Banküberfälle auch kleinere Geschichten, bei denen in der Regel weniger als 15'000 Euro geraubt werden. Sehr oft seien die Bankräuber auch nicht mit viel mehr als einem Messer bewaffnet.

Selbst Mütter mit Babys trauen sich

Der wohl skurrilste Banküberfall in jüngster Zeit war der einer 41-jährigen Mutter, die im vergangenen Mai in Turin innerhalb eines Tages vier Bankfilialen überfiel. Nicht nur hatte sie ihr sieben Monate altes Baby in einem Kinderwagen dabei, bei den Überfällen war sie sogar unbewaffnet. Sie ging jeweils nach dem gleichen Schema vor: In den Banken behauptete sie, dass vor der Bank ein bewaffnetes Überfallkommando sei, welches hereinkommen würde, falls sie kein Geld erhalte. Diese Masche habe zwar nicht in allen Banken funktioniert. Sie habe aber dennoch insgesamt zweitausend Euro erhalten.

Als Grund für ihren Raubzug habe die Mutter angegeben, dass sie arbeitslos und geschieden sei. Sie wisse nicht, wie sie sich und ihr Kind ernähren solle. Gemäss CityAngel, einer mailändischen Non-Profit-Organisation, seien die hohe Arbeitslosigkeit von neun Prozent und die schlimmste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg dafür verantwortlich, dass Raubüberfälle von verzweifelten Menschen zunehmen. In ärmeren Stadtteilen werde Bankraub gar als Kavaliersdelikt angesehen. (mt)

Erstellt: 16.07.2010, 15:19 Uhr

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