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Was Lotto-Millionäre mit ihrem Geld anstellen
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Ein neues, schönes, schnelles Auto, eine Villa natürlich, mit drei überflüssigen Badezimmern und dem standesgemässen Swimming-Pool – oder doch die Lebenslang-Suite in einem Fünf-Sterne-Hotel? Die Phantasien vieler Zeitgenossen schäumen über, wenn sie sich vorstellen, wie ein Millionengewinn im Lotto ihr Leben verändern würde. Was kostet noch gleich das Matterhorn?
Auch der Trucker Scadding, der am Wochenende seinen Euro-Millions-Jackpot mit Champagner vor Journalisten feierte, steht nun vor solchen Fragen – und Recherchen von Journalisten der Zeitung «Times» könnten ihm dabei helfen, auf dem Teppich zu bleiben. Denn die Anschaffungen von britischen Lotto-Millionären, die ihr Glück gut verkraftet haben, entsprechen kaum dem, was man erwarten würde.
Nie mehr erkältet zur Arbeit
Zum Beispiel der ehemalige Polizist Tony Wells-Stubley. Er gewann vor fünf Jahren 2,2 Millionen Pfund, von denen er zwei wichtige Investitionen tätigte. Erstens bezahlte er die Hochzeit mit seiner heutigen Frau Julie – und zweitens vergrösserte er seine Sammlungen von Figuren der Serien «Action Man» und «G.I. Joe», mit denen er im Alter von fünf Jahren begonnen hatte.
Mittlerweile ist die Kollektion auf ganze 120 Exemplare angewachsen, die er zum Teil auf Ebay erworben hat. Darunter sind sogar japanische, deutsche und russische Modelle, wie die Zeitung zu berichten weiss.
Der grösste Segen aus dem Gewinn ist für ihn «Zeit und die Freiheit, die Dinge zu tun, die ich mag», sagt er laut dem Bericht. Und «wenn man eine Erkältung hat, muss man sich keine Sorgen machen, sich zur Arbeit aufzurappeln».
Mit neuen Knien aufs Parkett
Die Eheleute Greta und Tony Dodd erfüllten sich von 2,4 Millionen Pfund, die sie 2007 gewannen, zwar den Wunsch nach Auto und Haus. Doch als die beste Geldanlage bezeichnen die beiden ihre Knie. Weil sie an Schmerzen litten, unterzogen sie sich privaten Operationen im Gegenwert von 40'000 Pfund – und können nun wieder ihrem liebsten Hobby nachgehen, dem Standardtanzen.
Der Lotto-Wahn als Lebensgefahr
Bescheidenheit ist gerade für Lottogewinner eine nützliche Tugend. Dass Geld allein nicht glücklich macht, zeigen laut dem Zeitungsbericht auch europaweite Untersuchungen. Demnach stellt sich bei den Glückspilzen nach etwa einem Jahr wieder dasselbe Niveau an Glücksgefühl ein wie vor dem Gewinn.
Oder auch das Unglück, wie etwa das Beispiel des deutschen Lothar K. zeigte, der in der Boulevardpresse als Lotto-Lothar zu kurzer Berühmtheit kam. Seine Millionen investierte er in einen weissen Lamborghini, Pferde, in Partys auf Mallorca und anderen Inseln sowie in eine neue Lebensgefährtin, die zuvor in einer Bar tätig gewesen war. Und jede Menge Alkohol, der schliesslich dazu führte, dass Lotto-Lothar seiner Sucht im Jahr 1999 erlag – und der Nachwelt einen heftigen Erbstreit zwischen seiner Ex-Frau und der Geliebten hinterliess.
Herzoperation und Dreirad-Auto
«Schwer zu bewältigen» findet auch Michael Egglestone, 64, aus Sunderland einen gewaltigen Lottogewinn. Mit den 2,7 Millionen Pfund, die das Lotto im Jahr 2007 auf sein Konto zauberte, «leistete» er sich eine Bypass-Herzoperation in privater Behandlung.
Zudem erwarb Egglestone einen dreirädigen Kleinwagen vom Typ «Robin Reliant» – ein preisgünstiges Gefährt, das er mit seinem Motorradführerschein fahren darf und ihn gebraucht stolze 8000 Pfund kostete. Was ihn am meisten freut, ist, laut dem «Times»-Bericht, dass seine Kinder nun versorgt sind – und in Teilzeit arbeiten können.
Ein Hund ist schon genug
Das gute Gefühl, grosszügig zu sein, geniesst auch Lehramtsstudentin Sarah Cockings, 26, aus Northumberland, die 2005 drei Millionen Pfund gewann. Ihren Schwestern Emma und Alex erfüllte sie echte Herzenswünsche in Form von Brustimplantaten, die mit jeweils 5000 Pfund zu Buche schlugen.
Ihren Eltern kaufte sie ein grosses Haus – und vergass sich selbst auch nicht: «Die besten Dinge, die ich für mich selbst kaufte», erzählte sie den Journalisten, «sind meine beiden kleinen Hunde.» Genauer: der Chihuahua Bindy und der Pudel Portia, der freilich nur ein Spielzeughund ist – man soll es ja nicht übertreiben. (raa)
Erstellt: 11.11.2009, 13:52 Uhr


