Panorama
Weltweit Angst vor tödlicher Grippe
Aktualisiert am 27.04.2009 106 Kommentare
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Die Zahl der Grippetoten in Mexiko steigt weiter an. Gesundheitsminister José Ángel Córdova sprach am Sonntagabend im nationalen Fernsehen von 103. Wie viele davon durch den mutierten Schweinevirus H1N1 infiziert waren, sagte er nicht. Bisher war der Virus bei 20 der Todesfälle nachgewiesen worden. Der Minister berichtete zudem, dass im ganzen Land 1614 Grippekranke in Spitälern behandelt werden. Über 60 Prozent der Patienten seien auf dem Weg der Besserung.
Aufruf zur Ruhe
Angesichts der Schweinegrippe-Epidemie in seinem Land rief der mexikanische Staatschef Felipe Calderón die Bürger auf, die Ruhe zu bewahren. Sie sollten zwar «rasch reagieren, aber ruhig bleiben und mit den Behörden zusammenarbeiten». Er ermahnte alle Bürger, die unter Grippe-Symptomen litten, sofort einen Arzt aufzusuchen und alle notwendigen Vorsichtsmassnahmen zu ergreifen. Nur so lasse sich die Epidemie eindämmen.
Der Präsident bekräftigte, sein Land habe genügend Medikamente auf Lager. Die Weltbank gewährte Mexiko für den Kampf gegen die gefährliche Grippe einen Sofortkredit in Höhe von 25 Millionen Dollar. Die Mittel sollen für Ausrüstung und Medikamente verwendet werden. In Mexikos Hauptstadt-Region sind seit Freitag alle Schulen geschlossen, Grossveranstaltungen sind verboten. Fussballspiele werden ohne Publikum ausgetragen. Und auch die katholische Kirche hat die Pforten ihrer Kirchen für Sonntagsmessen schliessen müssen. Die Regelungen gelten zunächst bis zum nächsten Wochenende.
Notstand in den USA ausgerufen
Die USA riefen am Sonntag den Gesundheitsnotstand aus. Ähnlich wie etwa bei heranziehenden Hurrikans bedeutet die Notstandserklärung, dass zusätzliche Bundesmittel für Vorsorgemassnahmen bereitgestellt werden. Im Fall der Schweinegrippe werden damit beispielsweise staatliche Lagerbestände an Antiviren-Medikamenten zur möglichen Verteilung vorbereitet, wie die Ministerin für innere Sicherheit, Janet Napolitano, erläuterte. In den USA gab es bis zum Sonntag 20 bestätigte Krankheitsfälle.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprach von einem Gesundheitsnotfall internationalen Ausmasses. Sie zeigte sich aber auch davon überzeugt, dass die Welt dieses Mal besser auf die drohende Epidemie vorbereitet sei als etwa bei der Vogelgrippe in Asien.
In der Schweiz wird abgeklärt, ob eine aus New York zurückgekehrte Frau, die Symptome hat, mit dem Virus infiziert ist. Ein Problem ist derzeit noch die Diagnose: Noch seien weltweit nur wenige Labors in der Lage, dieses neue Virus nachzuweisen, sagt Patrick Mathys, Leiter der Sektion Pandemievorbereitung beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Bis in der Schweiz ein sicherer Test bereit stehe, werde es noch einige Tage dauern.
«Potenzial für eine Pandemie»
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigte sich besorgt und erklärte, die Grippe habe das «Potenzial für eine Pandemie», also für eine die Kontinente übergreifende Ausbreitung. Es sei aber noch zu früh zu sagen, ob es dazu komme. Für die Schweizer Bevölkerung bestehe zurzeit keine Gefahr, teilte das BAG am Sonntag mit. Es verlangt aber, dass sich Reisende, die in den letzten Tagen aus Mexico City zurückgekehrt sind und Grippesymptome aufweisen, unverzüglich mit einem Arzt in Verbindung setzen. Auf Empfehlungen für Reisebeschränkungen verzichtete das BAG vorerst.
«Das ist eine Bedrohung, wie wir sie noch nie erlebt haben», sagt Pietro Vernazza, Chefarzt der Abteilung für Infektiologie am St. Galler Kantonsspital. «Wir können nur hoffen, dass das Virus nicht ganz so bösartig ist.» Die Ausbreitung des neuartigen Erregers sei «entgleist». Vernazza erachtet es deshalb als wahrscheinlich, dass die WHO eine Pandemiewarnung aussprechen wird. Das Virus sei gefährlicher als Vogelgrippe- oder Sars-Viren. Vernazza warnt vor dem unkontrollierten Einsatz des Medikaments Tamiflu. Die Erreger könnten so resistent werden.
Sorge bereitet, dass bisher vor allem gesunde Menschen zwischen 25 und 45 Jahren schwer erkrankten – ähnlich der spanischen Grippe im Jahr 1918, der Millionen von Menschen zum Opfer fielen. Zudem sind die Infizierten einen Tag vor dem Ausbruch der Symptome am ansteckendsten. Mit Isolierung allein lässt sich die Ausbreitung also nicht verhindern. (mfr/AP)
(mfr/vin/ap/sda)
Erstellt: 27.04.2009, 12:26 Uhr
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106 Kommentare
@ Vaness Arn... Ich gebe Ihnen Recht, der Sarkasmus einiger Schreiberlinge hier stört mich auch. Schlussendlich sterben trotz allem Menschen an dem Virus (wenn auch nicht hier). Natürlich wirkt das Ganze trotzdem irgendwie *aufgepauscht*. So gesehen: Einfach mit gesundem Menschenverstand handeln und die Sache wird ausgestanden sein. Antworten
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