Panorama
Wenn der Sohn Papis Auto zu Schrott fährt
Von Reto Hunziker. Aktualisiert am 12.02.2010
Unfälle bei Strolchenfahrten
Unfälle bei Strolchenfahrten
Anzahl Unfälle
Quelle: BfS, Auswertung: bfu
Glück gehabt: Der 16-jährige Fahrer dieses Wagens kam bei seinem Unfall in Waldenburg BL im Mai 2009 glimpflich davon.
Artikel zum Thema
Das Drama passierte am Montagabend. Ein 16-Jähriger fuhr im solothurnischen Obergösgen mit dem Auto seiner Eltern eine Rentnerin tot. Und beging Fahrerflucht.
Bereits an Silvester war es in der Ostschweiz zu einer Strolchenfahrt mit fatalen Folgen gekommen: Zwei Brüder verunfallten mit dem Auto ihres Stiefvaters, der 13-Jährige starb, sein 17-jähriger Bruder wurde lebensgefährlich verletzt.
Zahl der Strolchenfahrten ist konstant
Jugendliche, fast noch Kinder, entwenden die Autos ihrer Eltern und rasen verantwortungslos durch die Gegend – ist das die neue Freizeitbeschäftigung der gelangweilten Jugend? Nein. Die Zahl der Strolchenfahrten mit Unfallfolge ist in den vergangen Jahren zwar leicht gestiegen, aber nicht dramatisch.
In den letzten zehn Jahren wurden jeweils zwischen 60 und 100 Unfälle bei Strolchenfahrten registriert. Pro Jahr wurden so zwischen 20 und 40 Personen verletzt. Todesopfer waren aber jeweils höchstens zwei zu verzeichnen. Meist sind es die Strolchenfahrer selbst oder andere Insassen des Fahrzeugs. Dass unbeteiligte Personen schwer verletzt oder sogar getötet werden, kommt eher selten vor. Die letzten Todesopfer unter Unbeteiligten waren 1992 und 1994 zu verzeichnen.
«Jugendliche reizt das Autofahren»
«Die Tendenz der Unfälle bei Strolchenfahrten ist leicht steigend», sagt Rolf Moning von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu), «über die Jahre ist die Zahl jedoch relativ regelmässig». Allerdings werden auch nur jene Strolchenfahrten registriert, die zu einem Unfall führten. «Die eigentliche Anzahl Strolchenfahrten wird um ein X-Faches grösser sein», fürchtet Moning.
«Es werden selten Jugendliche am Steuer erwischt», weiss auch Verkehrspsychologe Urs Kägi. Er selbst habe noch nie mit so einem massiven Fall zu tun gehabt. Klar ist: «Jugendliche reizt das Autofahren. Meistens machen sie ihre Versuche jedoch in der Garage oder auf dem Parkplatz.» Den Fall in Obergösgen findet Kägi deswegen «erstaunlich». Erklären kann er ihn sich nicht. «Vielleicht haben sie den Kick gesucht», so der Experte, «in jedem Fall aber haben sie die Gefahr unterschätzt».
Ein Unfall ist die Ausnahme
Dass es bei Strolchenfahrten nur selten Todesopfer gibt, überrascht Rolf Moning vom bfu nicht: «Häufig endet die Fahrt schon an der ersten Kreuzung.» Im Normalfall passiere nichts; dass es zu schweren Verletzungen oder gar einem Todesfall komme, sei die Ausnahme.
Darum sieht das bfu auch keinen Grund für eine Präventivkampagne. Viel wichtiger sei es, die Verkehrserziehung zu fördern, sprich die Jugendlichen über die Folgen von Alkohol am Steuer oder übersetzter Geschwindigkeit aufzuklären und bei ihnen ein Verantwortungsgefühl zu entwickeln. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.02.2010, 16:13 Uhr


