Panorama

Wenn nicht mehr Geld fliesst, droht Auschwitz der Zerfall

Von Knut Krohn. Aktualisiert am 28.01.2009

Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis. 64 Jahre nach der Befreiung nagen Regen, Frost und Wind an dem bereits 1947 zum Museum umgestalteten deutschen Konzentrationslager.

Dem Vernichtungslager droht der Zerfall: Lager Auschwitz.

Dem Vernichtungslager droht der Zerfall: Lager Auschwitz.

«Wenn wir jetzt nicht mit grundlegenden Konservierungsmassnahmen beginnen, wird man uns vorwerfen, dieses Weltsymbol des Holocaust zerstört zu haben», warnt Wladyslaw Bartoszewski. Er war selbst einst Lagerhäftling in Auschwitz und ist heute Vorsitzender des Internationalen Auschwitzrates. Doch es fehlt das Geld. Rund 100 Millionen Euro müssten in den kommenden 20 Jahren investiert werden, schätzt Piotr Cywinsk, Direktor des Staatlichen Museums Auschwitz -Birkenau. Im Moment wird das Museum vor allem vom polnischen Staat finanziert. Über drei Millionen Euro fliessen dafür jedes Jahr, hinzu kommt noch einmal dieselbe Summe aus Einnahmen aus Bücherverkäufen und Führungen.

Rund 190 Hektar misst der gesamte Komplex Auschwitz -Birkenau. Doch an den Ruinen der Gaskammern und den Baracken nagen Regen, Frost und Wind. Vor allem aber das Grundwasser setzt den Gebäuden zu. In Birkenau stehen die Fundamente der dort 45 Baracken im ständig feuchten Untergrund.

Einige der Baracken des von den Nationalsozialisten errichteten Vernichtungslagers mussten aus Sicherheitsgründen bereits für Besucher geschlossen werden. Zudem greifen Überschwemmungen die Bausubstanz immer wieder an. Die Erhöhung und Verlängerung des Dammes zur nahen Weichsel ist seit Jahren geplant, scheiterte bisher allerdings vor allem an der Finanzierung.

«Wir werden das Museum weiter unterstützen», sagt Tomasz Merta, stellvertretender polnischer Kulturminister. Aber er weist darauf hin, dass sich in Zukunft alle Nationen für den Erhalt des Museums engagieren müssten. Aus diesem Grund schlägt der Internationale Auschwitzrat die Bildung eines Fonds in Höhe von 120 Millionen Euro vor. Museumsdirektor Piotr Cywinsk rechnet mit Zinserträgen von rund fünf Millionen Euro pro Jahr. Das allein würde bereits eine solide Basis darstellen, um die notwendigen Renovierungsarbeiten zu finanzieren.

Die deutsche Regierung habe dieser Initiative bereits öffentlich ihre Unterstützung zugesagt, erklärt Cywinsk. Den Initiatoren schwebt vor, dass sich neben der polnischen Regierung auch die EU-Partner an dem Fonds beteiligen. Bartoszewski erinnert daran, dass das Lager auf der Liste der Weltkulturerben der Unesco steht und darin Menschen aus vielen Ländern Europas ermordet worden sind.

Die Idee eines Fonds wird auch von Michael Schudrich gutgeheissen, dem obersten Rabbiner in Polen. «Es ist unmoralisch, dass die gesamte Verantwortung für den Erhalt von Auschwitz auf Polen fällt.» Seiner Meinung nach müsse sich vor allem Deutschland um die Rettung des Museums kümmern, das jedes Jahr von rund einer Million Menschen besucht wird. Die können diese Stätte der Mahnung gratis betreten, was auch so bleiben soll. (Basler Zeitung)

Erstellt: 28.01.2009, 07:12 Uhr

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