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«Wir wissen nicht, warum sie sterben mussten»
Die Ermittlungen laufen: Vier Leichen in Chevaline gefunden. (Video: Reuters )
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Camping beim See von Annecy
Die mutmassliche britische Familie logierte auf dem Campingplatz Le Solitaire du Lac in Saint-Jorioz (schwarzer Punkt auf der Karte). Gemäss Zeltplatznachbarn ist die Familie Ende August dort angekommen. Die Briten seien diskret gewesen, hätten im See gebadet und Ausflüge unternommen, berichtet «Le Dauphiné Libéré».
Die Familie wurde auf einem Waldparkplatz bei Chevaline das Opfer eines Verbrechens (rote Fläche auf der Karte: Umgebung von Chevaline).
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Das Massaker an einer Familie erschüttert Frankreich und Grossbritannien: Auf einem Waldparkplatz in den französischen Alpen hat die Polizei vier Leichen mit Schusswunden entdeckt. Drei der Toten gehören zu einer britischen Familie, die in der Nähe von Annecy rund 60 Kilometer südlich von Genf Campingurlaub machte. Ein achtjähriges Mädchen überlebte schwer verletzt, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Das vierte Opfer ist ein französischer Familienvater. Erst acht Stunden nach dem Leichenfund barg die Polizei eine Vierjährige, die sich in dem Auto unter den Leichen versteckt hatte und nicht verletzt wurde. (Lesen Sie mehr.)
«Wir wissen nicht, warum die Menschen sterben mussten», sagte Staatsanwalt Eric Maillaud an einer Medienkonferenz in Annecy. Das mögliche Motiv des oder der Täter liege noch völlig im Dunkeln. Auch die Identität von drei der vier Toten sei noch nicht eindeutig geklärt.
Nach ersten Ermittlungen handle es sich jedoch um die Mitglieder einer Familie, die in Grossbritannien lebte. Bei der älteren Frau wurde ein schwedischer Pass gefunden. Die Behörden in Stockholm bestätigten, dass es ein schwedisches Opfer gab. Die Ermittler fanden zudem einen irakischen Pass, welcher der jüngeren Frau gehören könnte.
Bestätigen konnte Maillaud, dass der Halter des Autos, in dem drei der vier Leichen gefunden wurden, der 50-jährige Saad al-Hilli sei. Der gebürtige Iraker wohne seit mindestens zehn Jahren am Stadtrand von London. Allerdings konnte Maillaud nicht sagen, ob es sich bei dem Fahrer tatsächlich um den Fahrzeughalter und den Vater der Mädchen handelte.
Extrem brutale Tat
Die Opfer hatten sich die Gegend um den See bei der Stadt Annecy, eines der wichtigsten Touristenziele in Frankreich, als Ferienort gewählt. Auf einem Campingplatz am See übernachteten sie laut Zeugen in einem weissen Wohnwagen. «Wir haben die Mädchen mit ihren Fahrrädern spielen sehen», berichtet die niederländische Touristin Petra Kroon. «Alle hier sind schockiert.»
Ein Radfahrer, ein früherer Angehöriger der britischen Royal Air Force, hatte kurz vor 16.00 Uhr am Mittwochnachmittag auf einem Waldparkplatz drei Tote in einem Auto entdeckt. Der Motor des BMW lief noch, der erschossene Fahrer am Steuer, zwei tote Frauen auf der Rückbank.
Neben dem Auto lagen ein schwerverletztes siebenjähriges Mädchen und ein ermordeter Radfahrer. Der französische Radfahrer sei wahrscheinlich «zur falschen Zeit am falschen Ort» gewesen, sagte Maillaud.
Nach Angaben des Staatsanwalts wurden alle vier Opfer durch Kopfschüsse getötet. Es sei mit mindestens einer Automatikpistole «sehr, sehr» oft geschossen worden. Maillaud sprach von einem Verbrechen von «extremer Brutalität».
Vierjährige unverletzt
Erst viel später, gegen Mitternacht, entdeckte die Polizei ein weiteres Mädchen. Die Vierjährige lag unter den Beinen der jüngeren der ermordeten Frauen. Zusammengekauert hatte sie sich während Stunden nicht gerührt.
«Niemand hat sie gesehen, weil sie sich seit vier Uhr nachmittags nicht bewegt hat, zweifelsohne verängstigt, völlig versteckt, völlig reglos zwischen den Toten», erklärte Maillaud.
Die beiden Mädchen stehen nach Angaben des Staatsanwalts unter Polizeischutz. Das verletzte Mädchen musste mit einer schweren Kopfverletzung in ein künstliches Koma versetzt werden und sollte erneut operiert werden.
Das jüngere Mädchen begann bereits zu sprechen. «Die Kleine sprach Englisch. Sie hat Lärm gehört, Schreie, aber mehr konnte sie nicht sagen», so Maillaud. Sie soll «in den kommenden Stunden» erneut befragt werden. (rub/ses/AFP/sda)
Erstellt: 06.09.2012, 18:18 Uhr
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