Oslo

Zwei zum Tode Verurteilte finden die Liebe

Auf sie warteten Galgen und elektrischer Stuhl, doch das Schicksal meinte es gut mit Sunny und Peter. Als Ehepaar kämpfen sie jetzt für eine Welt ohne Todesstrafe.

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Sunny Jacobs erhoffte sich nicht mehr viel von ihrem Leben: Wegen Polizistenmordes zum Tode verurteilt, sah die zarte Frau in einem Gefängnis in Florida ihrem Ende auf dem elektrischen Stuhl entgegen. Tausende Kilometer entfernt stand Peter Pringle das gleiche Schicksal bevor, er sollte sein Ende am Galgen finden. Niemals hätten die beiden geglaubt, dass sie sich eines Tages begegnen würden – heute sind sie verheiratet und kämpfen gemeinsam gegen die Todesstrafe.

«Peter und ich sprechen nicht oft darüber. Da zieht sich jedes mal der Magen zusammen», sagt Jacobs anlässlich des Weltkongresses gegen die Todesstrafe, der bis Donnerstag in Oslo tagt. Doch sie will, dass eines Tages niemand mehr ihre Erfahrungen teilen muss.

Warten auf das Ende in Isolationshaft

1976 endete Jacobs altes Leben. Wegen der Ermordung zweier Polizisten kam sie ins Gefängnis. Zu Unrecht, wie sie sagt: «Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort mit den falschen Menschen zusammen», sagt die 68-Jährige.

Nach ihrer Version sassen sie, ihr damaliger Freund Jesse Tafero und ihre zwei kleinen Kinder, mit einem Freund in dessen Auto, als sie von der Polizei gestoppt wurden. Die Beamten fanden eine Waffe, es kam zum Feuergefecht, am Ende waren beide Polizisten tot.

Der Freund belastete das junge Paar, Jacobs und ihr Freund wurden zum Tode verurteilt. Tafero starb qualvoll auf dem elektrischen Stuhl: Wegen einer Panne geriet sein Gesicht in Flammen, seine Henker mussten zwei Mal von vorne anfangen. Sein Todeskampf dauerte schliesslich sieben Minuten.

Jacobs verbrachte derweil fünf Jahre in völliger Isolation in einer kleinen Zelle, dann wurde ihre Strafe in lebenslänglich umgewandelt. 1992, nach 17 Jahren hinter Gittern, kam sie frei.

Unschuldig hinter Gittern

Peter Pringle war in Irland nur noch elf Tage von seiner Hinrichtung entfernt. Weil seine früheren Verbindungen zur IRA allgemein bekannt waren, wurde er 1980 fälschlicherweise wegen des Mordes an zwei Polizisten bei einem bewaffneten Raubüberfall zum Tod durch den Strick verurteilt.

In seiner Todeszelle musste er mit anhören, wie sich seine Wächter über seine Hinrichtung unterhielten, über ihre erhofften Bonuszahlungen und die richtige Technik, damit sein Genick auch wirklich bricht. «Zu ihrem eigenen Schutz müssen sie uns wie Tiere behandeln», sagt der 77-Jährige heute. «Wie sollen sie jemanden kaltblütig umbringen, den sie zu mögen oder zu respektieren gelernt haben?

Überraschend wurde seine Hinrichtung ausgesetzt, stattdessen sollte er für 40 Jahre in Haft. Mit seinem Tod hatte sich Pringle abgefunden, nicht aber mit einem Leben hinter Gittern: Er brachte sich selbst Jura bei und erkämpfte seinen Freispruch – nach 15 Jahren.

Als Paar gegen die Todesstrafe

In einem Pub im irischen Galway lernte Pringle 1998 Sunny Jacobs kennen. Sie sprach bei einer Veranstaltung über die Todesstrafe, er setzte das Gespräch mit ihr fort. 2011 heirateten die beiden. Inzwischen leiten sie ein Hilfszentrum für Justizopfer und setzen sich für die Abschaffung der Todesstrafe ein.

«Die Todesstrafe schreckt niemanden ab», sagt Pringle. «Wenn Du Kindern beibringst, dass es völlig in Ordnung ist jemanden zu töten, der nach Deinem Verständnis falsch handelt oder Dich richtig wütend gemacht hat – dann holen auch sie sich ein Gewehr, wenn sie nur wütend genug sind.»

Pringle ist überzeugt, dass es bei der Todesstrafe in Wirklichkeit um Rache geht. Rache aber, findet der freundliche alte Herr mit dem weissen Bart, sei der «niederste» Beweggrund und einer zivilisierten Gesellschaft unwürdig. Nach Angaben von Amnesty International wurden im vergangenen Jahr weltweit 1634 Menschen hingerichtet. Das ist die höchste Zahl seit 1989. (jros/sda)

Erstellt: 22.06.2016, 16:35 Uhr

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