Carlos durfte nicht fernsehen – Gefängnisleitung muss gehen

Das Gefängnispersonal war mit dem querulierenden Carlos überfordert. Der Gewalttäter spricht von Folter.

Carlos ist der bekannteste Straftäter der Schweiz.

Carlos ist der bekannteste Straftäter der Schweiz. Bild: Keystone/Zeichnung Linda Gaedel

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Der als Carlos bekannte Mann wurde in der Untersuchungshaft in Pfäffikon zwar teilweise «objektiv diskriminierend und erniedrigend» behandelt, nicht aber konventions- und verfassungswidrig. So das Resultat einer am Montag präsentierten Administrativuntersuchung.

Der pensionierte Staatsanwalt Ulrich Weder untersuchte im Auftrag der Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) die Haftbedingungen des 21-jährigen Schweizers. Den mit Carlos befassten Mitarbeitern des Amtes für Justizvollzug fehlte eine Diskriminierungs- und Erniedrigungsabsicht völlig, sagte Weder. Zudem seien die Ursachen der Haftbedingungen im wesentlichen Aspekte der Sicherheit gewesen, «darüber aber auch der Überforderung im Umgang mit dem querulierenden, beschimpfenden, drohenden, renitenten, agressiven und gewaltätigen» Mannes.

Trotzdem hat die Sache unter anderem auch personelle Konsequenzen: So soll die Leitung des Untersuchungsgefängnisses Pfäffikon neu besetzt werden.

Der Anwalt von Carlos hatte in einem Prozess Anfang März die Vorwürfe erhoben. Sein Mandant sei in der Untersuchungshaft in Pfäffikon schlecht behandelt worden, teilweise habe er nur Wasser und Brot bekommen.

Ausserdem habe er zeitweise ohne Matratze auf dem Boden schlafen und während 24 Stunden Fussfesseln tragen müssen, obwohl er isoliert war. Fernsehen hätte es auch nicht gegeben. Carlos selbst sprach vor Gericht von Folter.

Aufseher verprügelt

Erst vor wenigen Tagen soll Carlos erneut zugeschlagen haben, wie verschiedene Medien berichteten. Er habe einen Aufseher spitalreif geschlagen. Carlos sitzt derzeit wegen versuchter schwerer Körperverletzun in Haft, weil er Ende März 2016 beim Aussteigen aus dem Tram einem flüchtigen Bekannten unvermittelt mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatte. Er wurde deswegen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt.

Frühere Therapien die mitunter mehrere zehntausende Franken pro Monat gekostet hatten, wurden abgebrochen, weil Carlos nicht mitmachte. (amu/sda)

Erstellt: 03.07.2017, 15:03 Uhr

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