Schweiz

Mit falschem Schnee nach Paris

Von Andreas Valda. Aktualisiert am 08.11.2008

Die neue Schneekampagne von Schweiz Tourismus führt ausländische Gäste in die Irre. Wer jetzt buchen will, findet den Schnee garantiert nicht.

Die Skihänge der allermeisten Skigebiete sind trotz des frühen Wintereinbruchs grün bis auf 2000 Meter über Meer.

Die Skihänge der allermeisten Skigebiete sind trotz des frühen Wintereinbruchs grün bis auf 2000 Meter über Meer.
Bild: ARNO BALZARINI

«L'hiver est arrivé»: Das Werbeschneeauto.

«L'hiver est arrivé»: Das Werbeschneeauto.

Am Samstag erreichen die Schneeautos Paris. Der seitlich notierte Spruch «Der Winter ist da» ist gestern Nacht umgeklebt worden auf «L`hiver est arrivé». Der Schnee auf dem Autodach bleibt aber. Er ist die Attraktion und soll Zeitungen dazu verleiten, ein Bild zu bringen. Gleichzeitig werden Flugblätter verteilt werden, die zur Buchung von Ferien in der Schweiz animieren. Drei Tage später zieht der Werbetross von Schweiz Tourismus weiter. Weitere Ziele sind Manchester, London, Mailand und Rom bis Ende November. Die Botschaft ist klar: In der Schweiz hats Schnee in den Bergen.

Ein heikles Versprechen. Die Werbekampagne der Organisation für Landeswerbung leitet mit Flugblättern potenzielle Kunden auf ihre Internetseite Myswitzerland.com. Dort erscheint tagtäglich ein Schneebericht aller Skigebiete. Und dieser sieht mehr als ernüchternd aus. Beispiel St. Moritz im Engadin. Null Zentimeter im Ort, null Zentimeter auf 2000 Meter über Meer und null Zentimeter auf 3000 Meter über Meer. In Les Diablerets und Gstaad liegen je 5 Zentimeter an den Talstationen und 43 Zentimeter am Berg. Und Engelberg meldet auf 1800 Metern grüne Wiese sowie magere 30 Zentimeter hoch oben – auf 3000 Meter über Meer.

Im Klartext: Das Versprechen, dass der Winter angekommen sei, wird nicht eingelöst. Mit welcher Wahrscheinlichkeit Schnee bis Weihnachten fallen wird, mögen Klimatologen nicht vorhersagen. Eine Auswertung des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung der letzten 30 Winter zeigt, dass Zermatt nur jeden zweiten Winter weisse Weihnachten erlebte. In St. Moritz, immerhin auf 1800 M. ü. M., lag die Häufigkeit bloss bei 60 Prozent, in Davos bei 64 Prozent und Arosa bei 77 Prozent. Schuld dafür sind milde Wetterlagen im Dezember und bis Mitte Januar.

Der Hintergrund der Schneekampagne ist die langjährige Beobachtung, dass Konsumenten erst dann in grosser Zahl Skiferien buchen, wenn sie Schnee im Tal sehen oder Zeitungen und das Fernsehen über Schneefall berichten.

Durch die Erderwärmung schneite es aber immer seltener bis in die Niederungen. Mit der «Schweizer-Schnee-on-tour»-Kampagne will Schweiz Tourismus das Bewusstsein nun mittels Werbung schaffen.

Der Chef des Skigebiets Lenzerheide, Rainer Flaig, findet die Werbebotschaft «eine heikle Gratwanderung». Zwar fiel vor zehn Tagen in Valbella Schnee bis auf die Höhe der Talstationen. Der Föhn hat diesen ersten Schnee aber bereits weggeschmolzen. An den Einsatz von Pistenbeschneiungsanlagen, die 32 Prozent des Skigebiets einschneien könnten, sei nicht zu denken. «Der Einsatz macht unter ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten nur bei viel kälteren Temperatur Sinn», sagt Flaig.

Schweiz Tourismus erklärt, mit der Kampagne werde den Touristen kein Schnee versprochen, sondern nur auf die relative Schneesicherheit hingewiesen. «Wir wollen hinüberbringen, dass in der Schweiz die meisten Skigebiete höher als 2000 M. ü. M. liegen», sagt Sprecherin Daniela Bär. Dies im Gegensatz etwa zu Deutschland, aber auch Österreich, wo die Durchschnittshöhe tiefer liegt und mehr Skigebiete mit Schneemangel kämpfen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.11.2008, 09:29 Uhr

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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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