Schweiz

SBB-Pläne bringen Kunden in Rage

Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 27.09.2008 265 Kommentare

Die Absicht der SBB, die Tarife in Stosszeiten zu erhöhen, hat eine geballte Ladung Kritik ausgelöst.

SBB-Pläne wollen Abhilfe schaffen: Überfüllte Züge bei der SBB.

SBB-Pläne wollen Abhilfe schaffen: Überfüllte Züge bei der SBB. (Bild: Keystone)

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Kommentar

Von Andreas Valda

In ein bis drei Jahren wollen die SBB im Fernverkehr Zeittarife einführen. Ein Billett der gleichen Strecke wäre um 7 Uhr teuer als um 10 Uhr und nach 20 Uhr billiger als am Nachmittag. Intern ist der Plan beschlussreif. Jetzt stellen sich die SBB der Diskussion.

Auf den ersten Blick sind nach Fahrzeit abgestufte Tarife ein Ärgernis. Sie wecken den Verdacht, dass sie die Staatsbahn nur einführen will, um Preiserhöhungen zu vertuschen. Doch bevor man ein Urteil fällt, sollte man sich die realen Bedingungen vor Augen führen.

In den Stosszeiten sind die Züge übervoll. Die Zahl der Passagierfahrten nimmt tagtäglich um 50 000 zu, und zwar dort am stärksten, wo das Schienennetz schon heute ausgebucht ist. Den Fahrplan noch dichter zu machen, ist ausgeschlossen. Zusätzliche Strecken werden erst in 6 bis 22 Jahren in Betrieb genommen. Die grosse Entlastung kommt also erst 2030.

Um den Kollaps auf Schienen abzuwenden, hat die Bahn drei Möglichkeiten: Sie setzt mehr Doppelstockzüge ein, und das tut sie schon. Oder sie füllt die Züge noch mehr. Damit werden einige Kunden auf frühere oder spätere Züge ausweichen - und viele andere verärgert aufs Auto umsteigen.

Als dritte Möglichkeit können die SBB zu Stosszeiten die Tarife erhöhen und in den Zwischen- und Randzeiten die Fahrten verbilligen. Das wird Rentner, Studenten und flexible Bürogänger dazu bewegen, die Bahn morgens vor 7 Uhr oder nach 9 Uhr zu benützen. Der Passagierzuwachs würde verteilt.

Zeittarife sind also nicht vorschnell zu verdammen. Aber die SBB dürfen einen Hochtarif nur schaffen, wenn sie im Niedertarif die Preise massiv senken. Einzig so wäre das neue System akzeptabel.

Die SBB wollen die Preise für Bahnbillette an das Fahrgastaufkommen anpassen. So viel ist klar. Doch wie das passieren soll, darüber scheint es unterschiedliche Meinungen zu geben. Noch vor drei Wochen wollte SBB-Chef Andreas Meyer Pendler mit günstigen Billetten dazu bringen, auf Züge zu verkehrsarmen Tageszeiten umzusteigen. Personenverkehrschef Paul Blumenthal hingegen denkt laut über Zuschläge für Stosszeiten nach.

Diese Ankündigung hat eine geballte Ladung Kritik ausgelöst. Die Stiftung für Konsumentenschutz etwa ist bestürzt: «Stosszeiten dürfen nicht teurer werden», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder. Nötig seien grössere Anreize für schlecht frequentierte Zeiten, aber kein Schröpfen der Pendler, die auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind.

Der Benutzerverband Pro Bahn Schweiz sieht das auch so und hat klare Vorstellungen darüber, wie viel billiger die Randzeiten-Abos für Stammkunden sein sollen. «Beim 9-Uhr-Pass des Zürcher Verkehrsverbundes sind es 25 Prozent», sagt Präsident Edwin Dutler. «Für ein nationales 9-Uhr-GA fordern wir mindestens diese Reduktion, nach Anpassung des Grundpreises an die allgemeine Teuerung.» Der Verkehrs-Club der Schweiz hat unlängst vorgeschlagen, ein verbilligtes Generalabo «GA light» zu schaffen, das in den Spitzenzeiten nur als Halbtaxabo zählt.

Franziska Troesch-Schnyder, Präsidentin des Konsumentenforums Schweiz, begrüsst es, wenn die SBB mit tieferen Preisen Anreize setzen, in verkehrsarmen Zeiten zu fahren. «Der umgekehrte Ansatz bestraft jedoch die Arbeitnehmer, die zu einer bestimmten, nicht selbst gewählten Zeit am Arbeitsplatz eintreffen müssen.»

Preisüberwacher hat Einwände

Obschon nicht die SBB, sondern der Verband Öffentlicher Verkehr das neue Tarifsystem beschliessen wird, hat auch das Büro des Preisüberwachers Einwände. «Wenn die SBB auf gut genutzten Fernverkehrsstrecken, die schon genug Gewinn abwerfen, weitere Zuschläge erheben, haben wir ein ernsthaftes Problem», sagt Geschäftsführer Beat Niederhauser. Das könne missbräuchlich sein.

Die Konsumentenorganisationen fragen sich auch, wie praktikabel das neue System wäre. Schon heute hätten viele Leute Probleme mit den Automaten, und mit der Geltungsdauer je nach Streckenlänge sei das System schon kompliziert genug.

Auch online fielen die Reaktionen auf die Pläne von SBB-Manager Blumenthal negativ aus. Viele Leser von newsnetz/tagesanzeiger.ch schrieben, sie würden wieder aufs Auto umsteigen, wenn das Zugfahren am Morgen teurer würde.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.09.2008, 06:46 Uhr

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265 Kommentare

bahn fahrer

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Was auch noch wichtig wäre: Störsender für Handys in den SBB-Zügen. Antworten


A. Schmid

Melden

super Idee mit den Zeitbezogenen Tarifen....Da haben sich die Herren und Damen aus den Chefsesseln wieder etwas tolles überlegt. Die setzen sich morgens in ihr super-teures Auto, müssen sich so weder über überfüllte Züge noch über Preisanstiege des Billetts ärgern und wenn sie dann um 11 im Büro sind, können sie sich auch gleich wieder mit dem Auto Richtung Mittagessen davon machen... Antworten



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