Schweizer Hilfswerke wehren sich gegen Vorwürfe

Unabhängige Fachleute erteilen Caritas und Helvetas miserable Noten, was ihre Transparenz anbelangt. Die Hilfswerke drehen den Spiess nun um: Die Studie sei unbrauchbar.

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Ein Agronom, eine Hebamme mit Ethnologiestudium, ein KMU-Geschäftsführer und ein emeritierter Volkswirtschaftsprofessor sorgen für Aufregung bei den Hilfswerken. Denn die Mitglieder des Vereins Ideas (Independent Development Experts Association) haben auf eigene Kosten eine Transparenz-Rangliste erstellt. Mit ernüchterndem Resultat, wie Ideas an der gestrigen Präsentation in Winterthur ausführte: Die beiden grössten Schweizer Hilfswerke, Caritas und Helvetas, schneiden dabei schlecht ab. Von angestrebten 100 Prozent an Transparenz erreicht Caritas grade mal 5,6, Helvetas 11,2 Prozent. Sieger World Vision kommt immerhin auf 51,1 Prozent. Dabei ist World Vision das umstrittenste der zehn beurteilten Werke. Ihm fehlt das Gütesiegel der Zentralstelle für Wohlfahrtsunternehmen (Zewo), weil es Einzelpatenschaften vergibt.

«Dass World Vision am besten abschneidet, hat selbst uns überrascht», sagt Projektleiter und Agronom Jan Stiefel, der mehrere Entwicklungsprojekte leitete, unter anderem für die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza). Seit 1994 engagiert er sich mit heute 23 Gleichgesinnten bei Ideas, um die «entwicklungspolitische Diskussion zu beleben».

Die Hilfswerke wollen die Kritik nicht auf sich sitzen lassen. Von «fehlender Professionalität» spricht Caritas-Kommunikationsleiter Odilo Noti, von einem «unzulänglichen Bericht zweifelhafter Herkunft» Helvetas-Sprecher Stefan Stolle. Die Transparenz könne nicht aufgrund der Homepages bewertet werden, wie das Ideas gemacht habe. Ideas hingegen betont, es liege an den Hilfswerken, die Informationen für jedermann verfügbar bereitzustellen. Das täten sie aber nur mangelhaft. Zentral sind in der Transparenz-Studie zehn Fragen, beispielsweise ob anhand des Onlineauftritts klar wird, wer vom Projekt profitiert, wer vor Ort dafür verantwortlich ist, welche Risiken bestehen, wie lange das Projekt dauert und wie viel es kostet. «Grundlegende Informationen», findet der emeritierte Volkswirtschaftsprofessor Jean-Max Baumer. Die harsche Reaktion der Hilfswerke erstaunt ihn. «Ich war 35 Jahre in diesem Bereich tätig und habe die Verantwortlichen nicht so dünnhäutig in Erinnerung.» Das Problem bestehe wohl darin, dass Ideas nicht zum «Familienkuchen» der Hilfswerke gehöre, sich aber dennoch ein Urteil erlaube.

Zufrieden ist nur World Vision

Unterstützung erhalten die Hilfswerke von der Zewo und der Deza, welche ausgewählte Werke jährlich mit Millionenbeiträgen unterstützt. Die Organisationen mit Gütesiegel verfügten über aussagekräftige Jahresberichte und rechnungen, betonen Zewo-Geschäftsleiterin Martina Ziegerer und Deza-Sprecher Andreas Stauffer. Das nütze mehr als Hunderte von Projektberichten auf Webseiten, so Ziegerer. «Wir haben eher den Eindruck, dass Spender sich über die Fülle der Informationen beklagen, als dass sie sich nach zusätzlichen Berichten sehnen.»

Zufrieden mit der Studie ist einzig World Vision. Da World Vision 80 Prozent seiner Einnahmen von Spendern erhalte, sei es wichtig, transparent zu sein, sagt Sprecher Roland Stangl. «Hilfswerke, die ihr Geld zu einem grossen Anteil vom Bund erhalten, haben diese Rechenschaftspflicht gegenüber privaten Spendern weniger.»

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 11.11.2008, 22:18 Uhr)

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