Schweiz

Heute Nacht werden in Bern die Messer gewetzt

Aktualisiert am 15.09.2009

Besser als jeder Krimi: In den Stunden vor der Bundesratswahl treffen sich die Parlamentarier zu letzten Absprachen, die Bundeshauptstadt rüstet sich für die Nacht der langen Messer – baz.ch/Newsnet wird heute Dienstagabend in live berichten.

Ort der Intrigen: SVP-Präsident Toni Brunner und Bruno Frick (CVP) diskutieren in der Nacht vor der Bundesratswahl vom 12. Dezember 2008 heftig in der Berner Bellevue-Bar.

Ort der Intrigen: SVP-Präsident Toni Brunner und Bruno Frick (CVP) diskutieren in der Nacht vor der Bundesratswahl vom 12. Dezember 2008 heftig in der Berner Bellevue-Bar.
Bild: Claudio Habicht

Couchepin-Nachfolge

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Die Wahl auf baz.ch/Newsnet

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Bereits heute Dienstagabend berichtet ein baz.ch/Newsnet-Reporter-Team live von der «Nacht der langen Messer» aus der Hotelbar des Bellevue Palace in Bern. Wer trifft sich vor dem Wahltag mit wem und plant Allianzen? Abgerundet wird das Bundesratswahl-Angebot mit unserem Dossier, wo Sie sich mit Hintergrundberichten auf den Mittwoch einstimmen können.

Die Online-Redaktion versorgt Sie morgen Mittwoch ab 7.30 Uhr über die Geschehnisse im Bundeshaus und liefert aktuelle Grafiken zu den Wahlgängen. Unsere Reporter sind an mehreren Orten im Einsatz und fangen gleich nach der Entscheidung die ersten Reaktionen ein: aktuelle Interviews aus Bern und Stimmen vom Bundeshausplatz.

Erstmals können Sie den Wahlkrimi auch life auf dem iPhone verfolgen, wenn Tele-Züri-Chefredaktor Markus Gilli aus dem Bundeshaus berichtet (Start 7.40 Uhr). Mit dabei ist Politologe Andreas Ladner. Diese mobile Live-TV-Premiere können Sie über die kostenlose Tagesanzeiger-iApp mitverfolgen (Infos: www.iapp.tagesanzeiger.ch – oder alternativ auf unserer Internetseite.

Es war ein Ereignis, das Geschichte machen sollte: Am Abend des 6. Dezember 1983 hetzte Felix Auer im Taxi durch Bern. Es war die Nacht vor der Bundesratswahl und der stets für Überraschungen gute FDP-Nationalrat organisierte eine Verschwörung. Auer machte Stimmung gegen SP-Bundesratskandidatin Lilian Uchtenhagen und für Otto Stich, der in der SP nicht sonderlich beliebt war. Der Coup gelang. Stich wurde gewählt, musste eilends nach Bern gebracht werden, foutierte sich um die Wut seiner Parteikollegen und nahm die Wahl an. Eine Legende war geboren: die Nacht der langen Messer.

Seither begleitet sie jede Bundesratswahl, auch wenn diese in den Neunzigerjahren eher langweilig waren – abgesehen von der Nichtwahl Christiane Brunners 1993 und dem Fotofinish von Joseph Deiss, der 1999 Peter Hess um eine Stimme abhängte. Dann kam die Jahrtausendwende, und mit ihr kehrte die Spannung zurück: Adolf Ogi ging. Die SVP setzte auf Rita Fuhrer und Roland Eberle, die Linke auf Ulrich Siegrist und Cécile Bühlmann, Christoffel Brändli und Samuel Schmid auf sich selbst. Das Rennen machte Schmid, er wurde zum Outlaw in der eigenen Partei. Man erinnerte sich an Otto Stichs Wahl, Bundesratswahlen galten wieder als unberechenbar.

Das Harakiri der CVP

Es folgte der 9. Dezember 2003. CVP-Ständerat Philipp Stähelin genehmigte sich spätabends in der Schweizerhof-Bar ein Bier und sah verdächtig entspannt aus für einen Parteipräsidenten, der mit dem Verlust eines Bundesratssitzes rechnen musste. Blocher stand vor den Toren des Bundesrats, die CVP hielt dagegen und wollte vordergründig ihre beiden Sitze retten.

Tatsächlich hatten sich früher am Abend dramatische Szenen abgespielt. Stähelin und Fraktionschef Jean-Michel Cina waren ins Büro von Bundesrätin Ruth Metzler geeilt und hatten sie massiv bedrängt, im Fall einer Niederlage gegen Blocher nicht gegen Joseph Deiss anzutreten. Metzler wehrte sich. Die Parteispitze zog ab und liess eine weinende Bundesrätin zurück. Deiss’ Entourage verbreitete sofort Metzlers Weigerung in der CVP, während deren Stab verzweifelt versuchte, die Frauen in der Fraktion zu gewinnen – die Nacht der langen Messer wurde zum christlich-demokratischen Harakiri.

Blochers Coup und Blochers Sturz

Am nächsten Tag gelang Blochers Putsch, und Metzler zog auch gegen Deiss den Kürzeren. Die Linke war konsterniert. Die Schweiz fieberte am Fernseher mit und nahm kurz darauf fast ebenso erstaunt zur Kenntnis, wie Christine Beerli gegen Hans-Rudolf Merz unterlag. Der politische Spätzünder Merz hatte es geschafft. Die Dramatik jener Tage schien unübertreffbar. Doch dann kam der 11. Dezember 2007: Spätabends steckten die drei Romands Christian Levrat, Alain Berset und Ueli Leuenberger in der Bellevue-Bar ihre Köpfe zusammen. Das Ziel war Blochers Rauswurf aus der Regierung, und das Ziel war nahe. Andrea Hämmerle hatte Eveline Widmer-Schlumpf als Sprengkandidatin angeworben. Nun verbreitete sich ihr Name in den Beizen von Bern; der Gegenschlag gelang, Blocher stürzte.

Auch die letzte Wahl am 12. Dezember 2008 verlief spannend: Im Vorfeld brachte Links-Grün den SVP-Sprengkandidaten Hansjörg Walter gegen Ueli Maurer in Stellung. Der Bauernverbandspräsident kam auf 121 Stimmen, hatte indes schon vorgängig erklärt, er würde eine Wahl ablehnen. Walter bat die Bundesversammlung, die SVP wieder in die Regierungsverantwortung einzubinden und Maurer das Vertrauen zu schenken. (TA/cha)

Erstellt: 15.09.2009, 13:20 Uhr

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