Schweiz
Nur der Gewählte bleibt die Ruhe selbst
Von Jean-Martin Büttner. Aktualisiert am 11.12.2008 1 Kommentar
Maurer schien nicht nervös zu sein – jedenfalls liess er sich nichts anmerken. (Bild: Keystone)
Nach zwei Stunden und drei Wahlgängen ist alles klar, auch wenn das Resultat deutlich macht, dass für das Parlament gar nichts klar ist und die SVP respektive ihre Kandidaten im Bundeshaus noch immer für Unversöhnlichkeiten sorgen. Ueli Maurer – der eine der beiden offiziellen SVP-Kandidaten – gewinnt die Wahl mit einer Stimme Vorsprung auf Parteikollege Hansjörg Walter. Als die Ratspräsidentin das Resultat verkündet, springt die Rechte auf und klatscht, während die Linke sitzen bleibt und unfroh über ihre Pulte schaut. Vor einem Jahr, als Christoph Blocher abgewählt wurde, war es genau umgekehrt gewesen.
Plötzlich steht der Weibel da
Der Einzige, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, ist der Gewählte selber. Eine beträchtliche Aufregung war ja um ihn veranstaltet worden in den letzten Wochen. Doch Ueli Maurer war ruhig geblieben und bleibt es auch an seinem Wahltag. Er sitzt da wie immer, redet mit seinen Parteikollegen und bedient ab und zu sein Handy. Keiner käme darauf, dass sich heute alles um ihn dreht, weil man ihn zum Bundesrat wählen oder seine Wahl verhindern möchte.
Sein Gleichmut hat wohl damit zu tun, dass ihn die Wahl zwar freut, eine Niederlage ihn aber nicht verdrossen hätte. Er habe das Amt nicht angestrebt, wird er später sagen, an seiner ersten bundesrätlichen Pressekonferenz. Nur einmal an diesem Morgen erschrickt er leicht: als plötzlich ein Weibel neben ihm steht, um ihn zwecks Annahme der Wahl zum Rednerpult zu begleiten.
Die dreisprachige Rede des Neugewählten bleibt kurz, klar und frei von Pathos und staatsmännischen Girlanden. Sogar den kleinen, aber unüberhörbaren Obama-Moment, den er sich leistet, kommt uelimaurerhaft daher. «Ich bitte Sie – egal auf welcher Seite Sie stehen – um Unterstützung», sagt er. «Ich habe zwar eure Stimme nicht bekommen», hatte Obama den Verlierern gesagt, «aber ich höre eure Stimmen, und ich brauche eure Hilfe.» Im Übrigen redet Maurer von seinem neuen Amt als einem Auftrag, wie das schon Christoph Blocher getan hat. Nur bezeichnet Maurer explizit das Parlament als Auftraggeber, was Christoph Blocher nie getan hat, er berief sich auf eine höhere Instanz. «So wahr uns Gott helfe», sagte er bei seiner Wahl in den Nationalratssaal hinein.
Kritik gehört zum Geschäft
Auch Blocher muss an diesem Tag zur Kenntnis nehmen, dass nicht alle in seiner Partei so loyal sind zu ihm wie er zu seinem Herrn. Das wird allen klar im Saal, als Hansjörg Walter das Parlament bittet, die SVP wieder als Regierungspartei aufzunehmen und «Nationalrat Maurer das Vertrauen zu schenken». Christoph Blocher, immerhin mit offizieller Kandidat der Partei und ausserdem Garant ihrer Erfolge, erwähnt Walter mit keinem Wort. Die Liebe der Politiker erkaltet schnell, wenn der Geehrte keine Macht mehr hat, ihnen also nichts mehr nützt.
Dass Ueli Maurer die Wahl dermassen knapp gewonnen hat, scheint ihn übrigens nicht zu stören, das zumindest sagt er an seiner Pressekonferenz. Natürlich fühle man sich in einer solchen Situation geschmeichelt, sagt er, doch sei sein Respekt vor diesem Amt «ganz eindeutig grösser». Er ist sich auch bewusst, dass er in diesem Amt kritisiert werden wird – von der Presse und den Parteien inklusive seiner eigenen. Schon vor der Wahl hat Therese Frösch, die grüne Fraktionschefin, geklagt, Ueli Maurer bedeuteten Menschenrechte, Völkerrecht und Gewaltenteilung nicht viel. «Das gehört zum politischen Alltag», kommentiert er ihre Kritik, der ja im Austeilen auch nie zimperlich war. Im Unterschied zu vielen seiner Gegner und vor allem Gegnerinnen kann er aber auch einstecken. Das mag zwar nicht ideal sein für einen Verteidigungsminister. Dennoch wird es ihm auch in seinem politischen Alltag nützlich sein. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.12.2008, 09:00 Uhr
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Toni Brunner belehrte uns vorige Woche, dass die Sprache des Parteipräsidenten eine andere sei als diejenige eines Bundesrats. Somit ist "ein Dreckspiel der SP" als eine SVP- parteipräsidiale Freundlichkeit zu verstehen. Das wäre nun im Fall künftiger semantischen Missverständnissen zwischen SVP und Normalsterblichen mit Grundschulbildung geklärt. Antworten






