Schweiz
Und was macht jetzt Blocher?
Von David Vonplon. Aktualisiert am 11.12.2008 142 Kommentare
«Ist seine Zeit abgelaufen?»: Christoph Blochers Zukunft ist ungewiss.
Es kam so, wie es alle erwartet hatten: Christoph Blocher blieb im Rennen um den Bundesratssitz chancenlos. Der selbsternannte «beste Kandidat» der SVP kam im ersten Wahlgang gerade mal auf 54 von 241 Stimmen – nicht einmal die eigene, 64-köpfige Fraktion stellte sich geschlossen hinter ihren Parteivater. Die SVP zog anschliessend die Kandidatur Blochers zurück – und setzte voll auf den Kandidaten Maurer.
Die neuerliche schwere Niederlage lässt Fragen über die Zukunft von Christoph Blocher aufkommen. Ist die Zeit des Politschwergewichts abgelaufen? Zumindest die SP hat bereits freudig das Ende der Ära Blocher ausgerufen. In der Tat scheint Blocher nach der Wahl politisch schwer angeschlagen, zuletzt zeigte er auch in der politischen Debatte unerwartete Abnützungserscheinungen. Der erfolglose Oppositionskurs, den er der Partei nach seiner Abwahl aufdrückte, hat ihm auch parteiintern viel Kritik eingetragen. «Die Opposition hat sich nicht bewährt», sagt etwa Ulrich Giezendanner. Peter Spuhler könnte nun danach trachten, Blocher vom Sockel zu stossen. Der Unternehmer hatte ihm bereits vor Monaten gewünscht, dass «er den Zug nicht verpasse, sich zurückzuziehen». Zugleich drohte er Blocher eine Klage wegen Verleumdung an.
Nach wie vor viel Rückhalt in der Partei
Trotzdem: SVP-Parlamentarier erklären auch nach der Wahl unisono, dass Blocher nach wie vor viel Rückhalt in der Partei geniesse. Noch hat man in der SVP nicht vergessen, was Blocher in den vergangenen Jahren für die Partei geleistet hat: Ihm hat sie es zu verdanken, dass die SVP zur stärksten politischen Kraft im Land aufgestiegen ist. Selbst seine Kritiker in der Partei betonen deshalb, dass Blocher nach wie vor gebraucht werde. Dass er nach seiner heutigen Schlappe zurücktritt, ist unwahrscheinlich: Er wurde in den Tagen vor den Wahl nicht müde zu unterstreichen, er stehe der SVP auch im Falle einer Nichtwahl mit vollen Kräften zur Verfügung.
Doch in welcher Funktion will Blocher seine Kräfte einsetzen? Der Alt-Bundesrat zieht im Hintergrund wohl weiterhin die Fäden, bekleidet offiziell aber nur das Amt des Vizepräsidenten der Partei – einen Sitz im Parlament hat er nicht. Dass er den Nationalratssitz von Ueli Maurer übernehmen kann, ist eher unwahrscheinlich. Alle 22 Ersatzkandidaten der SVP müssten freiwillig auf ihren Anspruch verzichten. Allen voran Ulrich Schlüer, der nach seiner verpassten Wiederwahl vom Oktober 2007 auf dem ersten Ersatzplatz der Zürcher SVP-Liste steht, hofft auf ein Comeback.
Blocher verfolgte Wahl an geheimem Ort
Schlüer wollte sich indes noch nicht dazu äussern, ob er das frei werdende Mandat Maurers im Nationalrat übernehmen werde. Er warte nun auf die offizielle Anfrage des Kantons Zürich und werde sich noch Zeit nehmen. Blocher selbst hat sich nach der Bundesratswahl noch nicht über seine Zukunft geäussert. Er hat die Wahl an einem geheimen Ort verfolgt – wohl um sich das Blitzlichtgewitter der Medien zu ersparen. Heute Nachmittag tritt er im Internetfernsehen «Teleblocher» vors Mikrofon. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.12.2008, 08:45 Uhr
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142 Kommentare
Die SP hatte bereits vor einem Jahr mit den absolut identischen Worten (einfach mit einem breiteren Grinsen dazu) die "Ende der Ära Blocher" herbeigewünscht - dazulernen wäre wohl zuviel verlangt. Tatsache ist, dass die Mitte-Links-Strategie, die SVP politisch entweder zu "zähmen" oder aber zu marginalisieren, kolossal gescheitert ist. Man könnte wenigstens die Grösse haben, dazu zu stehen... Antworten






