Schweiz

1200 können nicht am Uni-Unterricht teilnehmen

Die Studentenproteste an der Universität Bern dauern an und haben sich am Mittwoch spürbar auf den Unterricht ausgewirkt. Weil die Aula im Hauptgebäude von Demonstrierenden besetzt wurde, konnten viele Studierende nicht an ihre Vorlesungen.

Grünliberale gegen Aulabesetzung

Die Grünliberalen der Uni Bern haben in einer Pressemitteilung das Vorgehen der Besetzer der Aula verurteilt. Zwar teilen sie die Meinung der Besetzer in einigen Punkten wie etwa die Kritik gegenüber dem Bologna-Prozess, die ganze Protestaktion sei aber «übertrieben und kontraproduktiv». Die Protestierenden würden nur eine kleine Teil aller Studierenden ausmachen: die Meisten seien mit der Uni im allgemeinen zufrieden und würden auch weiter die Vorlesungen besuchen, sofern das wegen der Proteste überhaupt noch möglich sei. luk

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«Rund 1200 Studierende waren davon betroffen», wie Christoph Pappa, Generalsekretär der Universität Bern, auf Anfrage sagte. Aufgrund der Grösse des besetzten Hörsaals sei es sei nicht einfach die Vorlesungen in andere Räume zu verschieben.

Die Universitätsleitung hat die Proteste zur Kenntnis genommen, wie Pappa ausführte. «Die konkreten Foderungen und Diskussionspunkte der Protestierenden kennen wir jedoch noch nicht.»

Er habe Verständnis dafür, dass gewisse Punkte bei der Umsetzung der Bologna-Reform kritisiert würden, fügte Pappa an. «Hier ist noch nicht alles im Butter», sagte er und nannte beispielsweise den Effekt der Verschulung des Studiums.

Andererseits hätten aber Umfragen unter den Studierenden im vergangenen Jahr ergeben, dass eine Mehrheit die Reform positiv beurteilte.

In der Aula übernachtet

Rund 100 Protestierende hatten die Nacht auf Mittwoch in der Aula verbracht. So auch Philipp Lutz, Student im ersten Semester, der am Mittwoch die Medienanfragen entgegen nahm. Die Besetzung wurde nicht von einer offiziellen Gruppierung organisiert, sondern erfolgte spontan im Nachzug zur Demonstration vom Dienstagnachmittag mit über 300 Studierenden.

Für Mittwoch waren in der Aula Reden und Workshops vorgesehen, in denen Interessierte über die umstrittenen Universitätstrukturen diskutieren konnten. Daraus sollen Forderungen entstehen, welche die Protestierenden and die Universitätsleitung und die Politik richten möchten, wie Lutz erklärt.

Im Innern der besetzten Aula haben die Studierende Transparente und sogar eine Hängematte aufgehängt. Auch für Verpflegung ist gesorgt. Zwischen den Reden ertönt im Saal immer wieder Musik. Einige der Transparente wurden über die Brüstungen der Balkone gehängt, so dass die Protestsprüche auch von aussen zu sehen sind.

Gegen «Ökonomisierung der Bildung»

An der Kundgebung vom Dienstag richteten sich die Proteste nicht nur gegen die Verschulung des Studiums, sondern auch gegen die Studien- und Prüfungsgebühren, die neue Präsenzpflicht und die generelle Umsetzung der Bologna-Reform. «Die Uni brennt auch bei uns», hiess es auf einem der Transparente der Demonstrierenden.

«Wir wehren uns vor allem gegen die Ökonomisierung der Bildung», sagte Gabriela Irimia vom Vorstand der StudentInnenschaft der Universität Bern (SUB). Kritik übt die SUB auch an der laufenden Revision des Universitätsgesetzes in Bern, gemäss der ein Numerus Clausus für alle Studiengänge eingeführt werden könnte.

Doch nicht alle Studierenden befürworten die Proteste. Die «Grünliberalen Uni Bern» etwa bezeichneten die Besetzung der Aula in einer Medienmitteilung als «übertrieben und kontraproduktiv».

In mehreren Städten Europas protestieren derzeit Studierende gegen das Bildungssystem. Bereits seit einer Woche halten Protestierende in Basel die Uni-Aula besetzt, in Zürich erfolgte die Besetzung wie in Bern am Dienstagabend. (sda)

Erstellt: 18.11.2009, 16:30 Uhr

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2 Kommentare

Heiner Leist

18.11.2009, 14:27 Uhr
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Erstsemestrige sollen doch erstmal etwas leisten, bevor sie mit reklamieren beginnen. Gell, Herr Lutz! Antworten


Dan Wunderli

18.11.2009, 14:27 Uhr
Melden

Man kann nicht den Fünfer und das Weggli haben. Uni und Fachhochschulen sind nunmal keine Grundausbildung mehr, darum ist dafür zu bezahlen ok. Bei Studiengebühren von 600 Franken pro Semester ist Studieren aber sozusagen gratis. Viele dieser Besetzer wollen aber bessere Betreuungsverhältnisse, gleichzeitig weniger Studiengebühren. Jeder Student ist eine Investition des Staates über Steuergeld! Antworten



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