29 Klagen gegen Homosexuellen-Hetze der jungen SVP im Wallis

Aktualisiert am 15.07.2009

Schwule und Lesben wehren sich mit juristischen Mitteln gegen Anfeindungen, die die Walliser JSVP in einer Medienmitteilung verbreitet hat.

Mit einer Klage gegen eine von der Jungen SVP Wallis verfassten Schmähschrift wollen sie ein Zeichen setzen - wenn nötig bis zum Europäischen Menschenrechtsgerichtshof. «29 Klagen wurden beim Unterwalliser Untersuchungsrichter deponiert», erklärte Jean-Paul Guisan, Westschweiz-Sekretär der Schwulenorganisation Pink Cross, vor den Medien in Sitten. Damit will sich die homosexuelle Gemeinschaft gegen weitere Attacken schützen.

«Inakzeptabel und unerträglich»

Auslöser für die Klagen war eine Medienmitteilung der Jungen SVP Wallis vom 17. Mai, in der homosexuelle Menschen beschimpft worden waren. Homosexualität richte sich «gegen die Familie, den Ort des Fortbestandes des menschlichen Geschlechts und also auch des Überlebens einer Nation», war darin zu lesen.

An der Medienkonferenz von Pink Cross und LOS, der Lesbenorganisation Schweiz, wurde der Inhalt der Mitteilung als «inakzeptabel und unerträglich» bezeichnet. Solche Inhalte hätten einen direkten Einfluss auf viele junge homosexuelle Menschen in der Schweiz, die dadurch stark verunsichert würden.

Keine Straffreiheit für Verfasser

Die Klagen richteten sich ausschliesslich gegen die Verfasser der Medienmitteilung, nicht gegen die Partei. Die Kläger stützen sich auf das Antirassismusgesetz. Sie sind - je nach Urteil im Wallis - bereit, bis nach Strassburg an den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof zu gelangen.

«Es ist wichtig, gegen das Gefühl der Straffreiheit vorzugehen, das solches Treiben zulässt», erklärte Yannik Schneeberger von der Neuenburger Organisation Happy Gays. Die Kläger zeigten sich überzeugt davon, dass Justizia jenen Unrecht geben muss, die meinen, sie könnten sorglos und straffrei gegen Homosexuelle hetzen.

Die Mitteilung war am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen die Homophobie versandt worden. Die Jung SVP bezeichnete diesen Tag als «lasterhaften Internationalen Tag». Vor 29 Jahren, am 17. Mai, hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO Jahren beschlossen, Homosexualität aus der Liste der psychischen Krankheiten zu streichen. (vin/sda)

Erstellt: 15.07.2009, 16:25 Uhr

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