Aargau verwirft Volksschul-Reform wuchtig

Im Kanton Aargau ist die umstrittene Reform der Volksschule gescheitert. Die Stimmberechtigten lehnten alle fünf Einzelvorlagen des Projektes «Bildungskleeblatt» deutlich ab.

Die neue Eingangsstufe - und damit die Abschaffung des Kindergartens - wurde mit einem Nein-Stimmenanteil von 65,07 Prozent verworfen. 95'558 Stimmberechtigte legten ein Nein in die Urne, 51'287 ein Ja. Das Volk verwarf auch die dafür notwendige Änderung der Kantonsverfassung mit 64,09 Prozent Nein-Stimmen.

Schiffbruch erlitt ebenso die Reform der Oberstufe. Der Nein- Stimmenanteil beträgt 58,65 Prozent. Gegen diese Vorlage zur Harmonisierung der Schulstrukturen sprachen sich 86'382 Stimmberechtigte aus, dafür 60'910.

Keine Chance hatten in der Volksabstimmung zwei weitere Teilprojektes der Bildungsreform. Das Volk lehnte die Einführung der Tagesstrukturen mit einen Nein-Stimmanteil von 52,16 Prozent ab (76'937 Nein gegen 70'553 Ja).

In der Abstimmung scheiterte mit einem Nein-Stimmenanteil von 56,40 Prozent auch die Lektionenzuteilung mit Sozialindex (82'499 Nein gegen 63'779 Ja).

Die Stimmbeteiligung zu den fünf Teilvorlagen der Bildungsreform betrug 39,66 Prozent.

SVP-Position setzte sich durch

Gegen das «Bildungskleeblatt» hatte die SVP gekämpft. Die FDP lehnte die Reform der Oberstufe ab, der Aargauische Lehrerinnen-und Lehrerverband die Eingangsstufe ab. Hinter die Reform stellten sich SP, CVP und Grüne.

Der Vater der Reform, Bildungsdirektor Rainer Huber (CVP), war im Januar vom Volk abgewählt worden. Sein Nachfolger ist Regierungsrat Alex Hürzeler (SVP).

Volksinitiative der Grünen abgelehnt

In der Abstimmung scheiterte zudem die Volksinitiative «für eine Energiepolitik mit Weitsicht». Gegen das Begehren der Grünen stimmten 73'786 Stimmberechtigte, dafür 70'234.

Die Grünen wollten mit der Initiative der erneuerbaren Energie aus Holz, Biogas, Sonne, Wind und Geothermie zum Durchbruch verhelfen. Der Regierungsrat befürwortete das Begehren, das Parlament lehnt es knapp ab. SVP und FDP waren gegen die Initiative. (bru/sda)

Erstellt: 17.05.2009, 16:46 Uhr

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12 KOMMENTARE

Beat Stirnimann

22.05.2009, 23:48 Uhr

@Lais. Ich gebe Ihnen recht, wenn Sie die Frühförderung ansprechen. Hier hätte das Kleeblatt Besserung gebracht. Was ich bezweifle, ist dass die geplante Umgestaltung der Sekundarstufe 1 zu einer Besserung gefüht hätte. Als Basisarbeiter erlebe ich die Überforderung von "schwächeren" Schüler/innen in gegl. Sek-Schulen täglich. Mittelständer schicken deshalb ihren Nachwuchs in Privatschulen.


Bruno Schnider

18.05.2009, 21:40 Uhr

Wer ernsthaft die Chancen der sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen steigern will, setzt sich ein für die (Wieder-)Aufwertung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Inhalte in der Volksschule. Zudem sind offene Unterrichtsformen Gift für die sozial schwächeren Kreise. Dies sagt euch einer, der sich selbst "von unten" emporarbeitete.


Sander Mallien

18.05.2009, 19:07 Uhr

@Franz Brunner - - "pränatalem Englisch/..." - -: Schade, dass auch Sie die Vorlage nicht genau gelesen (oder nicht verstanden) haben und trotzdem mitdiskutieren / mitbestimmen wollen. Im Aargau ging's diesmal NICHT um Frühenglisch/Französisch sondern gerade darum, dass z. Bsp. auch "einseitig" mathematisch interessierte / begabte Kinder in ihren Kompetenzen künftig besser gefördert werden!


Giovanni Bagni

18.05.2009, 18:52 Uhr

Schon die klare und deutliche Abwahl von Herr Regierungsrat Rainer Huber hat erkennen lassen, dass die Volkschulreform keine Chance hatte. Der Grund ist einzig und allein bei Herr Huber zu suchen, der mit seinen unüberlegten Äusserungen das Volk gegen sich aufgebracht hat. Dass Herr Huber nach der Abstimmung immer noch erstaunt ist, dass die Refomen abgelehnt wurden stimmt mich bedenklich


Franz Brunner

18.05.2009, 12:43 Uhr

@Mallien--Bildung ist eine der wichtigsten Ressourcen, globalen Wissens- und Könnensmarkt behaupte--ALLES RICHTIG, aber ob wir das mit "pränatalem Englisch/Chinesisch" erreichen, ist eine andere Frage. Wenn Unis immer mehr Studenten haben für "Soziales und Psycho", aber Nachwuchs für Mathe etc fehlt, dann stimmt was nicht. Wir brauchen vorallem Ingenieure und nicht Sozialhelfer


Gabriele Zückert

18.05.2009, 11:01 Uhr

Eine deutliche Ablehnung eines Reformpakets, das zu viel auf einmal wollte. Nun besteht die Hoffnung, dass die Bildungsdirektoren der Nordwestschweiz ihr ehrgeiziges Prestigeobjekt Bildungsraum gründlich überdenken. Mit viel einfacheren Mitteln (Verkleinerung der Klassengrössen ) und angepasstem Reformtempo wäre mehr zu erreichen gewesen.


Pascal E. Storrer

18.05.2009, 10:54 Uhr

Nicht jede Reform ist eine Verbesserung! Anstatt Kindergarten zu streichen gäbe es viel wichtigere Dinge, die man an der Schule verändern sollte. Zum B. mehr Strenge, mehr Handlungsfreiheiten für Lehrer/innen, Überarbeitung der Schulfächer, etc. Oblig. Tagesstrukturen wären für viele Gemeinden ein enormer Kostenaufwand, was früher oder später wieder einmal mehr zu höheren Steuern führen würde.


Ruedi Lais

18.05.2009, 10:42 Uhr

@Stirnimann. Bei Ihrer Klarsicht (Bildungserfolg wird durch sozioökonomischen Status der Eltern bestimmt) erstaunt mich die Schlussfolgerung. Was anderes als eine gute Frühförderung (vor der Primarschule) hilft Kindern aus "unteren" Schichten, ihr Starthandicap zu begrenzen? Und wer anders als der Staat (resp. die Gemeinden) kann diese Frühförderung für alle dauerhaft anbieten?


Beat Stirnimann

17.05.2009, 22:20 Uhr

Die Aargauer/innen zeigten Vernunft und wehrten sich gegen eine dränglerische und unnötigen Schulreform. Ihre Schüler/innen sind bereits hervorragend auf die Arbeits- und Bildungswelt vorbereitet (siehe PISA-Studie). Primär bestimmt der sozio-ökonomische Status der Eltern die Bildungs- und Wirtschaftszugänge ihrer Kinder und (leider) nicht der Schultyp, auch wenn wir uns dies anders wünschen.


Manuel Fischer

17.05.2009, 21:50 Uhr

Die SVP hatte bei dieser Vorlage wieder einmal leichtes Spiel und diffamierte die Schulreform mit Parolen wie "Schulzwang ab 4 Jahren". Aber auch die Befürworter müssen sich an der Nase nehmen. Es zeigt sich einmal mehr, dass grosse, komplexe Reformen - mag sie den Fachleuten auch noch so als sachlich richtig erscheinen - in Referenden kaum eine Chance haben.


Sander Mallien

17.05.2009, 21:50 Uhr

Viele Chancen verpasst ! Bildung ist eine der wichtigsten Ressourcen. Unsere Kinder werden sich in einem globalen Wissens- und Könnensmarkt behaupten müssen. Es ist unsere Pflicht, die schulischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sie darauf bestens vorbereitet sind. Die glp Aargau wird sich engagieren, namentlich in den Bereichen der Strukturharmonisierung und der Betreuung von Kindern.


Mats Armstrong

17.05.2009, 17:03 Uhr

Kanton AG positioniert sich wieder als rückwärtsstrebende Besserwisser. Peinlich! < 40% Stimmbeteiligung: noch peinlicher.



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