Schweiz

«Als Geschäftsmann gelang ihm nicht sehr viel»

Von Hubert Mooser. Aktualisiert am 08.12.2011 403 Kommentare

Bundesratskandidat Bruno Zuppiger soll Teile einer Erbschaft veruntreut haben. Einige seiner Parteikollegen sagen heute, er sei beruflich nicht sehr erfolgreich gewesen. Als Bundesrat sah man ihn offenbar trotzdem.

«Diese Geschichte hätte wahrscheinlich die Wahl beeinflussen können»: Bundesratskandidat Bruno Zuppiger.

«Diese Geschichte hätte wahrscheinlich die Wahl beeinflussen können»: Bundesratskandidat Bruno Zuppiger.
Bild: Keystone

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Der Zürcher SVP-Kantonalpräsident Alfred Heer fiel aus allen Wolken, als er gestern Nachmittag von der Geschichte erfuhr. Er habe den ganzen Nachmittag versucht, Bruno Zuppiger zu erreichen, allerdings ohne Erfolg. «Bevor ich etwas sage, will ich mit ihm reden.» Die Vorwürfe gegen den Bundesratskandidaten Bruno Zuppiger sind happig.

Laut «Weltwoche» soll er Teile einer Erbschaft veruntreut haben. Für ungerechtfertigte Spesen habe er 150'000 Franken bezogen. Zudem habe er über 100'000 Franken auf sein eigenes Privatkonto überwiesen. Erst als der Schwindel aufgeflogen sei und die erbberechtigten Organisationen mit Strafklagen wegen Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsbesorgung drohten, habe Zuppiger die Erben ausbezahlt. Zuppiger war gestern für baz.ch/Newsnet weder schriftlich noch mündlich für eine Stellungnahme zu haben.

Teil einer Kampagne

Gegenüber dem Schweizer Fernsehen bezeichnete der Zürcher Oberländer die Geschichte als Teil einer gegen ihn gerichteten Kampagne. Er könne so viel sagen, dass es in seinem Unternehmen zu einem Fehler gekommen sei. Als er die Tragweite erkannt habe, sei er dafür geradegestanden. Fest stehe, dass er «keinen Franken in die eigene Tasche» habe fliessen lassen.

Zuvor hatte die Parteispitze in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass man über die Angelegenheit schon bei seiner Nominierung informiert gewesen sei. Für die SVP-Spitze sei wichtig, dass Bruno Zuppiger die Sache in Ordnung gebracht habe. Deshalb habe auch kein Grund bestanden, eine Nomination infrage zu stellen. Für das SVP-Fraktionspräsidium ist die Angelegenheit damit erledigt.

Zuppiger gilt nicht als erfolgreicher Geschäftsmann

Parteiintern gibt das Vorgehen weiter zu reden, weil niemand in der Fraktion etwas davon gewusst hat – nicht einmal der Zürcher Kantonalpräsident Alfred Heer. Heute fragen sich viele SVPler: Waren die Abklärungen der Parteispitze zu Zuppiger nicht gründlich genug? «Diese Geschichte hätte wahrscheinlich die Wahl des Kandidaten beeinflussen können», meint der Walliser SVP-Nationalrat Oskar Freysinger. Denn: Der Zuger Regierungsrat Heinz Tännler und Bruno Zuppiger waren bei der Ausmarchung in der Fraktion eng beieinander. 24 stimmten für Tännler, 32 für Zuppiger.

Allerdings hätten die Parlamentarier selber beim Namen Zuppiger alarmiert sein müssen. «Viele in der Partei haben gewusst, dass ihm als Geschäftsmann nicht sehr viel gelang», sagt ein SVPler. Zuppiger gründete in den letzten Jahren einige Firmen, betrieb auch Immobiliengeschäfte, aber keines seiner Geschäfte florierte wirklich. Er musste sich sogar Geld von Fraktionskollegen leihen. «Dass er ein schlechter Geschäftsmann war, ist aber noch kein Vergehen», antwortet ein anderer Parteikollege Zuppigers auf die Frage, weshalb man ihn denn als Bundesratskandidaten überhaupt unterstützt habe.

Er versuchte sich auch im Waffengeschäft

Wer Zuppiger kannte, wusste auch um seinen geschäftlichen Ruf als Hansdampf in allen Gassen. So versuchte er sich zwischendurch zum Beispiel auch im Waffenhandel. 2006 wollte die Firma Bauer Associates Limited (BAL) Panzerfäuste im Wert von 100 Millionen Franken an die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verkaufen. Zuppiger bestätigte und verteidigte als Vertreter von BAL diesen Deal gegenüber «10 vor 10».

Er hatte manchmal aber auch Mühe, seine parlamentarischen Mandate und seine beruflichen Aktivitäten auseinanderzuhalten. 2007 berichtete das Nachrichtenmagazin «Facts» in zwei aufeinanderfolgenden Artikeln, der SVP-Nationalrat betreibe Geschäfte mit einem Bundesamt, das er als Mitglied der Finanzdelegation überwachen müsse. Sein Bruder erhalte vom gleichen Amt Aufträge. Diese Verwicklungen hat Zuppiger im Aufsichtsgremium offenbar nie transparent gemacht.

Widersprüchliche Aussagen

Und wie fiel Zuppiger als Politiker auf? Seine zahlreichen Kapriolen bei politischen Geschäften trugen ihm in einigen Medien den Übernamen «Zickzack-Zuppiger» ein. Im Juni des letzten Jahres weibelte er zum Beispiel bei 80 Parlamentariern als Präsident des Gewerbeverbandes für ein Ja zum Staatsvertrag mit den USA. Er selber stimmte aber im Nationalrat Nein.

Biegsam sei seine Haltung auch bei der Frage, ob der gleiche Wohnort wie bei Bundesrat Ueli Maurer – Hinwil ZH – für seine Kandidatur ein Problem sei, berichtete kürzlich die «SonntagsZeitung». Das sei «ein Scheinargument, um die Konkordanz nicht wiederherstellen zu müssen», sagte Zuppiger dazu gegenüber der NZZ. Anfang November sah er das im «SonntagsBlick» aber noch anders. Für ihn sei eine Kandidatur kein Thema, weil mit Ueli Maurer schon ein Zürcher Oberländer im Bundesrat sitze. Es sei unwahrscheinlich, dass das Parlament zwei SVP-Vertreter aus der gleichen Region wählen wolle, liess er sich zitieren.

Ausgebremst, nominiert, vom Sockel gestossen

Heikle Geschäfte, politische Kapriolen, nichts konnte dem Ruf von Bruno Zuppiger als politisches Schwergewicht bisher schaden. Bis zu diesem Herbst wurde er von seiner Partei bei Bundesratswahlen aber trotzdem stets ausgebremst. Und nun, da er es mit dem Segen von Christoph Blocher endlich zum offiziellen Bundesratskandidaten der SVP gebracht hat, stösst ihn ausgerechnet eine der SVP nahestehende Zeitung vom Sockel. Da kommt selbst ein abgebrühter Politprofi wie Alfred Heer nicht mehr mit. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.12.2011, 07:38 Uhr

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403 Kommentare

Petra Wyss

08.12.2011, 08:12 Uhr
Melden 169 Empfehlung

Was ist das für eine Partei, die ein 8jähriges Ausländerkind ausschaffen will, aber einen Politiker aus der eigenen Reihe, der versucht hat, ihm anvertrautes Geld zu veruntreuen, protegiert und sogar als Bundesratskandidat vorschlägt! Antworten


Werner Hürlimann

08.12.2011, 07:59 Uhr
Melden 118 Empfehlung

Als Bundesrat untragbar. Man sich weshalb man von der Partei soweit getragen wird. Was für Zeichen sendet das nach Aussen, in die Bevölkerung, zu den Angestellten und den Arbeitssuchenden? Du sollst rücksichtslos sein, du musst betrügen, lügen, etwas lächeln und charmant sein, eine Partei im Hintergrund haben und dann machst du Karriere! Abscheuliche Realität und Spiegel der Wirtschaft! Antworten