Schweiz
Bahn fahren ist zu billig
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Auto fahren ist teuer. Für Autokauf, Benzin, Reparaturen, Versicherungen und Parkgebühren gibt der durchschnittliche Automobilist pro Jahr 11'600 Franken aus. Dies zeigen Berechnungen des Touring-Club der Schweiz. Für dieses Geld fährt der Automobilist 15'000 Kilometer - grösstenteils allein. Dreieinhalbmal günstiger kommt der Bahnkunde weg: Ein Generalabonnement 2. Klasse kostet 3100 Franken. Wie oft der Bahnkunde damit fährt, steht ihm frei. Pendelt er von Bern nach Zürich zur Arbeit, fährt er viermal weiter als der durchschnittliche Automobilist - für viel weniger Geld. Diese krass ungleiche finanzielle Belastung ist politisch gewollt. Denn ohne massive Subventionierung des öffentlichen Verkehrs würde die Umwelt noch stärker belastet, und auf den Strassen wäre kein Durchkommen mehr. Insbesondere die Hauptachsen und die Agglomerationen würden im Zusatzverkehr ersticken.
Preise 7 Prozent höher
Doch jetzt braucht es mehr Geld für den Ausbau der Bahninfrastruktur. Für die Neat-Zufahrten im Norden und Süden, den dritten Jura-Durchstich und zahlreiche weitere Projekte aus allen Landesteilen sucht das Verkehrsdepartement im Auftrag des Parlamentes zurzeit neue Finanzquellen. Im nächsten Frühling sollen die Pläne zur Finanzierung des Projekts Bahn 2030, wie Verkehrsminister Moritz Leuenberger es nennt, präsentiert werden. Er hätte am liebsten eine Mehrwertsteuer-Erhöhung oder einen höheren Anteil an der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe, die heute zu einem Drittel an die Kantone fliesst. Zur Diskussion stehen aber auch höhere Preise für die Bahnkunden. Gemäss «SonntagsZeitung» wird eine Erhöhung von 6 bis 7 Prozent vorgeschlagen. Je nach Passagieraufkommen brächte dieser «Bahnrappen» - der Aufschlag entspricht etwa einem Rappen pro gefahrenen Kilometer - 300 bis 600 Millionen Franken in die Kasse. Das Departement will diese Zahlen nicht bestätigen. Es sei jedoch sicher, dass ein solcher Aufschlag auf die Tickets vom Volk abgesegnet werden müsste, sagt Uvek-Sprecher Daniel Bach. Denn der Fonds zur Finanzierung des öffentlichen Verkehrs sei in der Verfassung verankert.
Politiker schreien nicht auf
Unter Verkehrspolitikern stösst die Idee, die Bahnfahrer stärker zur Kasse zu bitten, auf Zustimmung. «Wer neue Strecken und Tunnels befahren will, soll auch mehr bezahlen», sagt etwa der Glarner SVP-Mann This Jenny, Präsident der ständerätlichen Verkehrskommission. Und er ist überzeugt, dass die Bahnkunden bereit sind, für das stark ausgebaute Angebot der SBB mehr zu zahlen. Auch FDP-Fraktionschefin Gabi Huber begrüsst eine stärkere Belastung der Bahnkunden. Sie befürchtet keinen grossen Umsteigeeffekt aufs Auto. «Die Strassen sind doch schon voll, das tut sich kaum ein Pendler an.»
Skeptischer ist der Bündner SP-Mann Andrea Hämmerle. «7 Prozent Aufschlag ist viel», sagt der Präsident der nationalrätlichen Verkehrskommission. Aber wenn man den Verwendungszweck der Gelder klar kommuniziere und auch andere, wichtigere Einnahmequellen miteinbeziehe, sei das wohl machbar. Ähnlich sieht es die grüne Zürcher Ständerätin Verena Diener: «Die Mobilität ist zu billig, wir müssen aber Bahn und Strasse gemeinsam verteuern.»
Auch der ETH-Verkehrsexperte Ulrich Weidmann zeigt sich überzeugt, dass die SBB-Kunden eine Preiserhöhung für den Netzausbau und neues Rollmaterial tolerieren würden. Er geht sogar davon aus, dass die Preise bis zu 15 Prozent steigen könnten. Mit dem Netzausbau der letzten Jahre und den vergleichsweise günstigen Tickets seien «Pendler gezüchtet worden». Diese Entwicklung gelte es ein wenig zu bremsen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 16.11.2009, 16:17 Uhr


