Schweiz

Bei einer Pandemie wird der Notvorrat wieder aktuell

Von Walter Jäggi. Aktualisiert am 19.08.2009 17 Kommentare

Die drohende Grippewelle macht ein vergessenes Thema aktuell. Der Notvorrat hilft, ein paar Tage ohne Einkaufen zu überstehen.

Die Stadtbevölkerung ist es nicht mehr gewohnt, selber Vorräte anzulegen.

Die Stadtbevölkerung ist es nicht mehr gewohnt, selber Vorräte anzulegen.
Bild: Keystone

«Kluger Rat, Notvorrat», so lautete während Jahrzehnten der Slogan des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL). Diese kleine Amtsstelle regelt und überwacht mithilfe einer Milizorganisation die diversen Pflichtlager, mit denen die Privatwirtschaft Versorgungsengpässe bei wichtigen Gütern verhindern soll. Bei Bedarf könnte die Organisation auch verschiedenste Massnahmen anordnen, vom Einsatz der Schweizer Hochseeflotte bis zur Rationierung von Lebensmitteln. Unter den Bedrohungsszenarien, mit denen das Bundesamt rechnet, sind kriegerische Ereignisse und Krisen jeden Kalibers, Naturkatastrophen, radioaktive Verstrahlungen – und Pandemien.

Nach dem Ende des Kalten Krieges hatte es die wirtschaftliche Landesversorgung in den letzten Jahren nicht immer leicht im Bundeshaus, mancher Parlamentarier witterte da eine unzeitgemässe und unnötige Bürokratie. Aber die Organisation überlebte, gesundgeschrumpft, und ist weiterhin aktiv. Bundesrätin Doris Leuthard, die zuständige Departements–chefin, wies vor zwei Jahren in einer Rede darauf hin, dass der Hurrikan Katrina gezeigt habe, wie labil die internationale Nahrungsmittelversorgung sei. Ähnliches könne sehr schnell bei einer Pandemie auch in der Schweiz passieren. Jetzt steht dieser Ernstfall möglicherweise bevor.

Jeder Haushalt eine Insel

Für die Konsumentinnen und Konsumenten könnte sich eine massive Grippewelle an der Einkaufsfront auswirken. Auch wenn – dank Notfallplänen – die Produktion weitergeht, bleibt das Problem, dass Kranke ein paar Tage nicht aus dem Haus können. Der kluge Rat bleibt gültig: Notvorrat. Das Bundesamt will diesen alten Gedanken neu propagieren, eine Kampagne sei in Arbeit, sagt Ueli Haudenschild, Leiter der Geschäftsstellen Ernährung, Energie und Heilmittel. Dass die Pandemie derzeit Schlagzeilen macht, trifft sich gut, das Publikum ist sensibilisiert.

Vorratshaltung ist heute nämlich längst nicht mehr in jedem Haus selbstverständlich. Die Einkaufsgewohnheiten haben sich verändert. «Vor allem in der Stadt ist es die Bevölkerung gewohnt, jederzeit einkaufen zu gehen», sagt Haudenschild. Viele Konsumenten kaufen nach dem Lust- und Launeprinzip und planen wenig; bei Bedarf gibt es ja fast jederzeit den Tankstellenshop.

Konserven besser als ihr Ruf

Dabei sind die Möglichkeiten, Lebensmittel zu lagern, heute ausgesprochen vielfältig, ein Haushaltvorrat ist viel leichter anzulegen als früher. Gourmets mögen die Nase rümpfen, aber Konserven oder Tiefkühlprodukte lassen sich mit ein paar Ideen durchaus ansprechend servieren. Salat im Glas, Apfelmus aus der Dose, Knäckebrot, getrocknetes Suppengemüse, ganze Fertiggerichte in Dosen oder Schalen, alles kann monatelang aufbewahrt werden. Mit UHT-Milch, Pulverkaffee, Knäckebrot und Streichkäse lässt sich auch einmal ein recht anständiges Notfrühstück auftischen, wenn man wegen Grippe nicht frische Milch und eine knusprige Baguette holen kann.

Wichtig, wenn man eine Zeitlang vom Vorrat leben will, ist dessen ständige Umwälzung. Und da haben viele Konsumenten noch zu lernen. Auch lang haltbare Produkte müssen einmal verbraucht und ersetzt werden. Doch kommt die Industrie auch hier den Verbrauchern entgegen: Alle Lebensmittel sind datiert, man muss sie bloss noch richtig einordnen und dann in der richtigen Reihenfolge benützen.

Ausgewogen sollte es sein

Was man sich ins private Lager legen soll, ist zum grössten Teil von den individuellen Wünschen abhängig. Gut fährt man, wenn man die Menüs ausgewogen zusammenstellt, also neben Fleisch- und Milchprodukten die Frucht- und Gemüsekonserven nicht vergisst. Nicht vergessen sollte man übrigens auch ein paar andere unentbehrliche Dinge wie Mineralwasser, WC-Papier, Kehrichtsäcke, Haustierfutter und Medikamente.

Tipps zum Haushaltvorrat: www.bwl.admin.ch – Themen – Haushaltvorrat – Warenliste info@bwl.admin.ch, Telefon 031–322–21–71 (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.08.2009, 22:21 Uhr

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17 Kommentare

Beat Keller

20.08.2009, 08:21 Uhr
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Da sieht man, wie spurlos die moderne Welt an unserem Land vorübergezogen ist. Als ob es keinen Hauslieferdienst der Lebensmittelgeschäfte gäbe. Ach ja, sorry, die liegen ja auch alle krank im Bett. Also los Leute: holt Euch Oel, Spaghetti, Knoblauch und Büchsentomaten für ein gutes Sugo. Aber Basilikum nicht vergessen, ja. Den gibt es in praktischen Töpfen für den Balkon. Antworten


Hans Meier

20.08.2009, 08:21 Uhr
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...man kann ja immer noch online bestellen... Antworten