Schweiz
Beschränkung der Parkplätze könnte fallen
Von Bernhard Kislig. Aktualisiert am 05.06.2009 7 Kommentare
Seit Jahren gehen die Wogen hoch, wenn über Parkplatzbeschränkungen, Fahrtenmodelle oder weitere Auflagen für Einkaufszentren oder Fachmärkte diskutiert wird. Das Ziel dieser Vorgaben ist stets dasselbe: Mit diversen Anreizen sollen Konsumenten dazu gebracht werden, dass sie nicht mit dem Auto, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Einkaufszentrum fahren.
Hinter diesen Massnahmen steckt der Umweltschutzgedanke. Ob damit aber die gewünschte Wirkung erzielt werden kann, ist höchst umstritten, was selbst Vertreter von Umweltschutzorganisationen einräumen. Manche Interessenvertreter gehen gar davon aus, dass diese Massnahmen kontraproduktiv sind. Nun werden die strittigen Fragen seriös geprüft, um anschliessend die folgerichtigen Konsequenzen zu ziehen. Je nach Ergebnis der Untersuchung könnte es also sein, dass beispielsweise die Parkplatzbeschränkungen bald gelockert oder abgeschafft werden.
Den Bundesrat verpflichtet
Gestern überwies der Nationalrat eine Motion, welche den Bundesrat zu dieser Überprüfung verpflichtet. «Jetzt müssen die Auflagen einer Kontrolle unterzogen werden, damit es künftig keine unsinnigen Einschränkungen mehr gibt», sagt Nationalrat Ruedi Aeschbacher (EVP, ZH). Spätestens in zwei Jahren muss der Bundesrat über Untersuchungsergebnisse informieren.
Florian Wild, Leiter der Rechtsabteilung beim Umweltamt Bafu, bestätigt, dass eine Arbeitsgruppe entsteht, die ab August einsatzbereit ist. Darin vertreten sind Bund, Kantone und weitere interessierte Kreise. Das Ziel sei in erster Linie, die Wirksamkeit der heutigen Massnahmen wie beispielsweise Parkplatzbeschränkungen, Fahrtenmodelle, Parkplatzgebühren und anderes mehr zu prüfen. Aber auch die regionale Koordination soll laut Florian Wild Bestandteil der Untersuchungen sein.
Unterschiedliche Regelungen
Dabei geht es um Fragen wie zum Beispiel: Ist eine regionale Koordination sinnvoll, die nicht vor Kantonsgrenzen Halt macht? Werden Einkaufszentren im Kanton Bern benachteiligt, weil sie Parkplatzgebühren erheben müssen, während dies der Nachbarkanton nicht kennt? Teilweise existieren innerhalb einer Grossregion sehr unterschiedliche Regelungen, weil sie in kommunaler oder kantonaler Kompetenz liegen. Das übergeordnete Bundesrecht gibt in den Bereichen Raumplanung und Luftreinhaltung gewisse Vorgaben – bei letzterem sind es beispielsweise Grenzwerte, die eingehalten werden müssen.
Martin Kuonen, Geschäftsführer von Espace-mobilité, zitiert Studien, gemäss denen Parkplatzbeschränkungen sich sogar nachteilig auf die Umwelt auswirken: «Die Konsumenten verzichten deswegen nicht auf das Auto – auf Grund der fehlenden Parkplätze kommt es aber zu mehr Suchverkehr in Wohnquartieren.» Espace-mobilité ist ein Verband, der die Interessen von Immobilien-Investoren und Grossverteilern wie Migros, Coop und Ikea vertritt. Der Verband werde genau beobachten, ob der Auftrag der Motion erfüllt werde, betont Kuonen. Falls nicht, sei mit weiteren politischen Vorstössen zu rechnen.
Florian Wild schliesst nicht aus, dass die Arbeitsgruppe schliesslich empfehlen wird, Massnahmen anzupassen, wenn sich deren Wirksamkeit nicht nachweisen lässt. Möglich seien aber beispielsweise ebenso Ratschläge für eine bessere regionale Koordination. Auch eine gewisse Verdichtung mit Mehrverkehr an einem Standort sei denkbar, allerdings stets unter der Voraussetzung, dass Bundesrecht eingehalten werde. (Berner Zeitung)
Erstellt: 05.06.2009, 08:47 Uhr
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7 Kommentare
Als ich mit den Eltern der Zürcher Stadtpräsidentin die Liste der Anlagen entwarf, die einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterstellt werden, habe ich als Grenze 1000 Parkplätze vorgeschlagen. Damals gab es keine Katautos in der Schweiz! Die Sache wurde verpolitisiert und die Grenze auf 300 herabgesetzt, nota bene heute mit Katalysator. Es ist an der Zeit, dies zu korrigieren. Antworten
Die Idee wäre ja gut. Wir sollten die Erde nicht einfach zu asphaltieren, denn der Boden wird rar. Aber warum gehen die Leute zu Ikea? Genau, sie wollen sparen und die Artikel sofort mitnehmen. Die Anlieferung kostet extra. Da müsste eben auch angesetzt werden und nicht einfach nur Parkplätze reduziert werden. Das eine ohne das andere funktioniert halt nicht! Warum so kompliziert? Antworten
Das wäre endlich ein Schritt in die richtige Richtung. Wem nützt die sinnlose Parkplatzsucherei schlussendlich. Es wäre auch gut wenn die EU eine Verordnung erlässt wieviel Parkplätze pro Ladenfläche vonnöten sind. So hätten wir die wenigen Querolanten in diesem Land ausgebootet die immer den anderen Vorschreiben müssen welches Verkehrmittel man nehmen muss. Antworten
Das ist ja äuusserst erfreulich, wenn NR Aeschbacher keine unsinnigen Einschränkungen in der Parkplatzfrage mehr will, nachdem gerade er mit seinen GesinnungsgenossInnen des VSC immer wieder federführend unsinnige Einschränkungen durchboxte. Was soll man dem Aeschbacher jetzt glauben? Antworten
Genau so ist es, es gibt nicht weniger Verkehr sondern mehr suchverkehr. Warum die das nicht begreifen seit jahren ist mir schlicht ein Rätsel. Wenn ich kein Parkplatze habe fahre ich einfach dorthin wo es welche hat und wenn es 10KM weiter ist. Wenn es keine hat und ich nicht ausweichen kann beginnt der Suchverkehr....... so einfach ist das! Flüssiger verkehr würde weniger Emissionen bringen. Antworten




Abdul R. Furrer
Solange z.B. der VCS beim Verkehr, die Lungenliga beim Rauchen, die Flüchtlingshilfe beim Asyl(un)wesen usw. immer und überall Fundamental-Opposition betreiben, solange ist nirgends eine Liberalisierung möglich. Das Verbandsbeschwerderecht muss endlich aufgehoben werden. Wir dürfen uns nicht länger von Öko-Fundis und Sozial-Romantikern unser Leben diktieren lassen ! Antworten