Schweiz

Lega-Nord-Politiker sorgt für Eklat bei den Bilderbergern

Aktualisiert am 10.06.2011 57 Kommentare

Ein Europaparlamentarier der Lega Nord hat versucht, sich bei der geheimnisvollen Konferenz in St. Moritz einzuschleichen. Securitas-Leute sollen ihn derart hart angepackt haben, dass er sie nun verklagen will.

1/7 Soll sich eine blutige Nase geholt haben, als er sich bei den Bilderbergern einschleichen wollte: Lega-Nord-Politiker Mario Borghezio (Archivbild).
Bild: Keystone

   

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Zwei Italiener haben am Nachmittag versucht, unerlaubt ins Tagungshotel der Bilderberg Konferenz in St. Moritz zu gelangen. Laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA soll es sich bei einem von ihnen um den Europaparlamentarier der Lega Nord Mario Borghezio gehandelt haben.

Die Kantonspolizei Graubünden bestätigte den Vorfall und die Nationalität der Männer, wie Polizeisprecher Thomas Hobi der Nachrichtenagentur SDA sagte. Aus Datenschutzgründen könne aber nichts über die Identität der beiden sagen. Die italienischen Staatsbürger haben laut Hobi versucht, durch den offiziellen Eingang ins abgesperrte Tagungshotel «Suvretta House» zu gelangen. Sie kamen aber an der privaten Sicherheitsfirma Securitas nicht vorbei, welche die Zugangskontrollen durchführt.

Einlass verwehrt – Nasenbluten

Die Securitas zog daraufhin die Kantonspolizei bei, die auf dem Polizeiposten St. Moritz die Personalien der Männer überprüfte und ihnen daraufhin weiteren Zutritt ins «Suvretta House» untersagte. Laut der Nachrichtenagentur ANSA sollen die Sicherheitsleute des «Suvretta House» Borghezio so hart angefasst haben, dass er aus der Nase zu bluten begann. Er werde eine Strafanzeige einreichen, wird Borghezio zitiert.

Die Kantonspolizei äusserst sich zu den Anschuldigungen an die Adresse der Securitas nicht. «Wir kommentieren die Arbeit privater Sicherheitsdienste nie», sagte Polizeisprecher Hobi. Von der Securitas war am späten Donnerstagabend niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Die geheimnisumwitterte Bilderberg-Konferenz hat heute in St. Moritz begonnen. Das Tagungshotel wird von Polizeigrenadieren abgeschirmt. Wie viele der etwa 120 Teilnehmer anreisten, ist unklar. Schlechtes Wetter verhinderte Landungen von Privat-Jets.

15 bis 20 Düsenflugzeuge sollten Teilnehmer an die Konferenz bringen, gelandet ist auf dem nahegelegenen Flughafen Samedan nur eines. Das schlechte Wetter bewog die Piloten, Ausweichflughäfen anzufliegen, wie Flughafensprecher Andrea Parolini zur Nachrichtenagentur SDA sagte. Für die VIPs bedeutete das eine zusätzliche mehrstündige Autoreise.

Für ihr inoffizielles Treffen haben sich die Mächtigen dieser Welt das wohl förmlichste – manche sagen «aristokratischste» – Luxushotel in St. Moritz ausgesucht, das «Suvretta House». Es liegt etwas ausserhalb des Ferienortes in einem Park und ist von einem lockeren Nadelwald halbwegs vor neugierigen Blicken geschützt.

Absperrgitter und Polizeigrenadiere

Seit Mittwoch ist das schlossartige Gebäude von Absperrgittern umgeben. Während heute Donnerstag Vormittag vor allem Wachmänner einer privaten Sicherheitsfirma vor Ort waren, wurde die Polizeipräsenz im Laufe des Tages massiv erhöht. Rund 50 Polizeigrenadiere kontrollierten jeden, der sich allzu nah an die Absperrungen wagte.

Tücher verhindern den Blick auf den Eingangsbereich des «Suvretta House». Davor harrten rund 50 Personen aus, friedliche Aktivisten, Pressefotografen und Journalisten. Die meisten Medienleute bezeichnen sich als «freie Journalisten» und stammen aus Kritikerkreisen der Bilderberg-Konferenz.

Kritiker mit Pressezentrum

Wie die Teilnehmer haben auch die Kritiker Hotels bezogen, wenn auch nicht in derselben Preisklasse. Drei Gruppierungen haben unweit der Luxusherberge im Vier-Sterne-Haus «San Gian» ein Pressezentrum eingerichtet und berichten auf der Webseite «wearechange.ch» laufend über die Ereignisse vor Ort.

Im Drei-Sterne-Hotel «Randolins» sind am Freitag und Samstag Gegenveranstaltungen geplant. Mit von der Partie ist die Junge SVP; auftreten werden die SVP-Nationalräte Lukas Reimann und Primin Schwander.

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums haben die Juso für Samstag zu einer bewilligten Kundgebung auf dem St. Moritzer Dorfplatz aufgerufen. Juso-Schweiz-Präsident David Roth und Lukas Horrer, Vorsitzender der Juso Graubünden, sind als Redner angekündigt.

Doris Leuthard unter den Teilnehmern

Die Bilderberg-Konferenz steht regelmässig in der Kritik. Für die einen ist sie eine Art «Weltregierung», andere halten das jährlich stattfindende Treffen für einen überholten und elitären Gesprächszirkel. Klar ist einzig, dass wechselnde, einflussreiche Persönlichkeiten aus Politik, Adel, Wirtschaft, Militär und Medien teilnehmen.

Wie bei allen Bilderberg-Konferenzen wird die Liste der Teilnehmer erst nach der Veranstaltung bekanntgegeben. Bestätigt ist bisher nur die Teilnahme von Bundesrätin Doris Leuthard. Von Seiten des Kantons Graubünden sind Regierungspräsident Martin Schmid und Justizdirektorin Barbara Janom Steiner eingeladen worden.

Die Listen der bisherigen Teilnehmer sind gespickt mit prominenten Namen. Der frühere US-Aussenminister Henry Kissinger war mehrmals dabei, ebenso Bill Clinton, und auch die niederländische Königin Beatrix war mit von der Partie, ebenso der ehemalige italienische Ministerpräsident Romano Prodi sowie die früheren deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder. (Jara Uhricek, sda)

Erstellt: 09.06.2011, 12:43 Uhr

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57 Kommentare

Patrick Witzig

09.06.2011, 13:23 Uhr
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Wundert mich schon ein wenig, dass die jungen SVP Schäfchen da eine Gegenveranstaltung organisieren. War es nicht ihr Hirte, der sogar offen dazu stand, zweimal an dieser Konferenz teilgenommen zu haben? Oder hatte er damals einen Auftrag des Volkes bekommen, sich dort blicken zu lassen? Antworten


Marc Peer

09.06.2011, 12:57 Uhr
Melden 53 Empfehlung 0

Wer kommt für die Kosten der 'Polizei-Sperrzone' auf? Antworten



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