Schweiz
Blocher: Tinner-Pläne gehören fremden Staaten
Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 21.07.2009 5 Kommentare
Während die Geschäftsprüfungsdelegation und der Bundesrat gemeinsam beraten, wie sie mit den wieder aufgetauchten Tinner-Akten verfahren wollen, hat sich Christoph Blocher zu Wort gemeldet. Gegenüber «Teleblocher» erklärte er:
«Bei den Tinners hat man Akten gefunden, die zur Herstellung von Kernwaffen genügen würden. Wie man anschliessend herausgefunden hat, haben die Tinners im Namen anderer Staaten gehandelt. Nämlich um die Verbreitung von Kernwaffen zu verhindern.»
Zu den Tinner-Akten selbst sagte Blocher:
«Gewisse Staaten wollten, dass man ihnen diese Akten rausgibt, weil ihnen diese Akten gehören. Sie haben sie ja zuerst natürlich denen [den Tinners] gegeben.»
Der ehemalige Justizminister räumt damit ein, dass andere Staaten Druck auf die Schweiz ausübten, ihnen die Akten auszuhändigen. Gemeint sind die USA und vermutlich Grossbritannien. Die Zusammenarbeit der Tinners mit der CIA ist unbestritten. Und der britische Geheimdienst MI6 war massgeblich an der Zerschlagung des vom Pakistaner Abdul Qadeer Khan geleiteten Atomschmuggler-Netzes beteiligt, für das die Tinners tätig waren.
Bemerkenswert ist, was Blocher zur Herkunft der Akten sagt. Demnach «gehören» die Akten fremden Staaten, die sie den Tinners gegeben haben. Blocher stützt damit die These, die USA hätten den Tinners manipulierte Pläne zugespielt, um so den Bau von Atombomben in Ländern wie dem Iran zu sabotieren.
Das immense Interesse der USA
Ein Verfechter dieser These ist der Geheimdienst-Experte Erich Schmidt-Eenboom. «Blochers Aussagen zeigen, dass die Tinners von den USA Baupläne erhalten haben», sagt der deutsche Publizist, der sich auf Geheimdienstkreise stützt. Laut ihm sind die Pläne abgeändert und zum Teil unbrauchbar gemacht worden. «Die USA haben nun ein immenses Interesse daran, dass die manipulierten Pläne nicht an die Öffentlichkeit gelangen», sagt Schmidt-Eenboom. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass bekannt werde, wie die CIA die Pläne abgeändert hat. «Darum setzen die USA die Schweiz derart unter Druck», sagt Schmidt-Eenboom.
Laut seinen Informationen sind die bei den Tinners gefundenen Pläne für den Iran bestimmt gewesen. Tatsächlich explodierten im iranischen Nuklearprogramm mehrfach Zentrifugenpumpen – wegen manipulierter Pläne aus dem Westen. Urs Tinner selbst hat Anfang Jahr erklärt, Uran-Zentrifugenrohre abgeändert zu haben. Laut seinem Anwalt will er sich derzeit nicht näher zur Zusammenarbeit mit anderen Staaten äussern.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.07.2009, 22:53 Uhr
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5 Kommentare
Teleblocher machts moeglich, dass man den haendeverruehrenden Ex-Bundesrat immer wieder dem Volk zeigt. Warum hat er sich selber nicht um die Tinner-Akten bemueht ? Nun, er soll jetzt doch endlich den Ruhestand geniessen. Was koennte er aendern ??? Antworten
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