Schweiz

Bund baut geheime Elite-Kampftruppe auf

Aktualisiert am 19.03.2009

Ohne Auftrag hat die Bundeskriminalpolizei eine Sondereinheit aufgebaut: die Einsatzgruppe Tigris, schreibt die «Weltwoche». Die Kantone wüssten nichts von der staatspolitisch heiklen neuen Truppe.

Schwer bewaffnet: Deutsche Anti-Terror-Einheit im Einsatz.

Schwer bewaffnet: Deutsche Anti-Terror-Einheit im Einsatz.
Bild: Keystone

Die Tiger: Logo der Einsatzgruppe Tigris in der «Weltwoche».

Die Tiger: Logo der Einsatzgruppe Tigris in der «Weltwoche».

Elite-Truppen der Polizei kannte man bislang nur aus dem Ausland: So zum Beispiel die deutsche Anti-Terror-Einheit GSG 9. Nun wird auch in der Schweiz von der Bundeskriminalpolizei (BKP) eine solche Einheit aufgebaut – heimlich und still. Die «Weltwoche» schreibt, dass die BKP seit fünf Jahren die Einsatzgruppe Tigris hochrüstet, ohne die Öffentlichkeit und die Politik darüber zu informieren.

Das ist staatspolitisch heikel: Es ist nicht Aufgabe des Bundes, eine solche Polizeieinheit zu unterhalten. Laut Verfassung liegt die Polizeihoheit bei den Kantonen, der Bund hat sich nur um die äussere Sicherheit zu sorgen. Auch das Schweizer Volk und die Kantone haben die Schaffung einer Bundespolizei mehrmals abgelehnt: 1978 scheiterte die Bundessicherheitspolizei-Vorlage, 2002 erlitt Bundesrätin Ruth Metzler mit ähnlichen Plänen Schiffbruch.

Bundeskriminalpolizei konkurrenziert Kantone

Die «Weltwoche» schreibt, dass die Sondereinheit dereinst mehrere Dutzend Elite-Polizisten beschäftigen soll. Brisant: Die Bundeskriminalpolizei soll in erster Linie ermitteln, untersuchen und Akten studieren. Wenn sie polizeiliche Unterstützung braucht – bei Sondereinsätzen wie gefährlichen Verhaftungen –, stellen die Kantone ihre Polizeikompetenz zur Verfügung. So verfügt jedes grössere Polizeikorps über Sondereinheiten: In Zürich heisst sie Diamant, in Bern Enzian. Diese werden von Tigris konkurrenziert.

Die Einsatzgruppe Tigris hat ihren Stützpunkt auf dem Gelände der Militäranlagen Worblaufen im Kanton Bern. Alleine der Ausbau der High-Tech-Anlage soll vier Millionen Franken gekostet haben. Die Polizisten können dort in einer interaktiven Computer-Schiessanlage Einsätze üben, sich im Fitness-Center in Form halten und Stürmungen von Wohnungen trainieren.

Geheimes Budget

Beim Bundesamt für Polizei (Fedpol) bestätigt man die Existenz der Sondereinheit laut dem Wochenmagazin nur widerwillig. Die Einheit bestehe zurzeit aus 14 Personen und ist «eine Einsatzgruppe für die Bewältigung von Einsätzen mit erhöhter Gefährdung. Sie stellt weiter die sicherheitspolizeiliche Ausbildung und Weiterbildung von Fedpol sicher und führt Zielfahndungen durch.» Das Budget wird geheim gehalten, es sei bloss «Teil des Budgets der Bundeskriminalpolizei». Zudem betonte eine Sprecherin, dass Tigris «eng mit den kantonalen Partnern zusammen respektive im Auftrag derselben» arbeite.

Drei angefragte Polizeidirektoren und –komandanten von grösseren Kantonen wussten allerdings nichts von der Sondereinheit. (cha)

Erstellt: 19.03.2009, 13:16 Uhr

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