Schweiz

Bund erwartet Überschuss von 1,5 Milliarden

Aktualisiert am 15.08.2012 83 Kommentare

Schon wieder hat sich der Bund verkalkuliert: Der Bund rechnet 2012 mit einem Plus von 1,5 Milliarden Franken statt mit einer schwarzen Null. Grund dafür sind vor allem die tiefen Zinsen bei Bundesanleihen.


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Aller Wahrscheinlichkeit nach fällt die Rechnung der Eidgenossenschaft erneut besser aus als ursprünglich geplant: Der Bund rechnet 2012 statt mit einer ausgeglichen Rechnung mit einem Überschuss von 1,5 Milliarden Franken. Die Verbesserung ist auf deutlich weniger Ausgaben zurückzuführen. Die Einnahmen hingegen dürften die Erwartungen im Budgetentwurf nicht erreichen.

Dass die Ausgaben die budgetierte Höhe nicht erreichen, ist auf das tiefe Zinsniveau zurückzuführen, wie der Bundesrat aufgrund der Hochrechnung der bis Ende Juni verbuchten Einnahmen und Ausgaben mitteilt.

Die Ausgaben dürften 2,3 Milliarden Franken unter Budget zu liegen kommen. Den absehbaren und unüblich tiefen Nachtragskreditbegehren von 0,4 Milliarden stehen geschätzte Minderausgaben von 2,7 Milliarden Franken gegenüber.

Günstige Zinssituation

Verantwortlich für die Minderausgaben ist der umfangreiche Kreditrest von 0,8 Milliarden Franken bei den Passivzinsen. Das tiefe Zinsniveau führt zu höheren Agios (Aufschlag auf den Nennwert) bei den Bundesanleihen und zu Negativzinsen bei den kurzfristigen Geldmarktbuchforderungen.

Neben den Passivzinsen erwartet der Bundesrat ebenfalls grössere Kreditreste bei den Sozialversicherungen (IV, AHV, Prämienverbilligung), der Landesverteidigung und bei den Anteilen Dritter an den Bundeseinnahmen (Mehrwertsteuer, direkte Bundessteuer, Schwerverkehrsabgabe).

Konjunktur drückt auf Einnahmen

Die Einnahmen des Bundes dürften gemäss Juni-Hochrechnung 0,8 Milliarden Franken tiefer ausfallen als budgetiert. Dies ist zum einen Folge eines Basiseffekts wegen überschätzter Einnahmen im Rahmen des Budgets 2011.

Zum anderen schlagen sich die verschlechterten Wirtschaftsaussichten 2012 darin nieder. Dies wirkt sich vor allem bei der Mehrwertsteuer mit deutlich geringeren Einnahmen aus. Auch die direkte Bundessteuer wird unter den Erwartungen liegen. Die beiden Faktoren zusammen schmälern die Einnahmen um 565 Millionen Franken.

Wegen der Unsicherheit an den Finanzmärkten verfehlen die Stempelsteuern das budgetierte Ziel um 250 Millionen Franken. Dagegen sind aus der Verrechnungssteuer 200 Millionen mehr zu erwarten. Das Niveau 2011 wird hier aber nicht übertroffen.

Mehreinnahmen aus Frequenzauktion

Die ausserordentlichen Einnahmen aus der Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen lagen 100 Millionen Franken höher als veranlagt, heisst es weiter. Die Landesregierung hatte im Budget den Mindestpreis für die Frequenzblöcke eingesetzt. Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hatte diesen auf 634 Millionen Franken festgelegt.

Bei der Auktion wurden aber 996 Millionen erzielt. Nach Abzug der Bakom-Gebühren fliessen im laufenden Jahr 738 Millionen Franken und der Rest mit Zinsen 2015 sowie 2016 in den Bundeshaushalt.

Das Parlamentsgesetz verpflichtet den Bundesrat, jedes Jahr per Ende Juni und Ende September Hochrechnungen über das voraussichtliche Jahresergebnis zu erstellen. Die Hochrechnung hat keinen Einfluss auf das Budget 2013, welches der Bundesrat am 27. Juni verabschiedet hatte.

2011 schloss der Bundeshaushalt mit einem Überschuss von 1,9 Milliarden Franken. Budgetiert war ein Defizit von 600 Millionen. Die Staatsrechnung schloss in den letzten Jahren regelmässig besser ab, als im Budget prophezeit.

Defizit in Sicht

Mit den Überschüssen in der Bundeskasse soll es bald vorbei sein. Für 2013 erwartet das Eidgenössische Finanzdepartement ein Defizit von 100 Millionen Franken. Gemäss dem bundesrätlichen Finanzplan 2014-2016 wächst der Fehlbetrag danach auf 800 Millionen Franken pro Jahr. Grund sind vor allem die höheren Ausgaben für die Armee, nicht zuletzt zum Kauf neuer Kampfjets. (rub/sda)

Erstellt: 15.08.2012, 12:11 Uhr

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83 Kommentare

Florian Zellweger

15.08.2012, 12:52 Uhr
Melden 254 Empfehlung 0

Immer das gleiche Spiel: Mit düsteren Prognosen Leistungen abbauen und – längerfristig vor allem gefährlich – Investitionen auf kommende Generationen verschieben. Und danach nach guten Rechnungsabschlüssen die Steuern vor allem die Reichen senken. Das Volk wird an der Nase herumgeführt. Antworten


Alexandre Blatter

15.08.2012, 13:08 Uhr
Melden 193 Empfehlung 0

Der schweizer Staat müsste in den nächsten 20 Jahren regelmässig Milliarden-Beträge an Überschüssen produzieren. Damit wir die Überalterung, Staatsverschuldung etc bewältigen können. Aber die Politiker und Neo-Liberalen verkaufen uns die Steuergeschenke an die Reichen und Unternehmen sicherlich wieder mit dem Arbeitsplatz-Totschlag-Argument. Antworten



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