Cisalpino-Rüge: «Bundesamt für Verkehr hat jahrelang geschlafen»

Das BAV setzt die Cisalpino AG wegen ihres Pannen-Zugs unter Druck. Für die Interessengemeinschaft Pro Bahn kommt die Intervention viel zu spät.

Pannen, Verspätungen, technische Mängel: Der Cisalpino verärgert Bahnkunden.

Pannen, Verspätungen, technische Mängel: Der Cisalpino verärgert Bahnkunden.
Bild: Keystone

Cisalpino – das ist mittlerweile schon fast ein Schimpfwort. Die Tochtergesellschaft von Trenitalia und SBB macht vor allem durch Verspätungen, Pannen und technische Mängel des Rollmaterials auf sich aufmerksam. Jetzt hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Cisalpino AG aufgefordert, bis Ende Februar einen detaillierten Bericht über die Qualitätsmängel und deren Behebung abzuliefern. Selbst von einem möglichen Widerruf der Konzession ist die Rede. Der Cisalpino AG wurde sie 1997 für zehn Jahre verlängert. Sie läuft am 31.Dezember 2017 aus.

Die Intervention des BAV wird allseits begrüsst, wenn auch mit unterschiedlichen Akzenten. «Wir sind in jedem Fall froh, dass das Bundesamt seine Aufsichtsfunktion wahrnimmt», sagt Peter Moor, Sekretär des Eisenbahnerverbandes SEV. Dieser hatte im Dezember gefordert, keine Cisalpino-Kompositionen mehr auf dem Schweizer Bahnnetz verkehren zu lassen, bis deren Unterhaltsqualität den hierzulande üblichen Standard erreicht habe.

Schlechter Service, hohe Gewinne

Edwin Dutler, Präsident von Pro Bahn, der Interessenvertretung der Bahnbenutzer, findet das Einschreiten des Bundesamts richtig. Es komme aber viel zu spät. «Im BAV haben sie jahrelang geschlafen», meint er. Pro Bahn kritisiere die Zustände mit den Cisalpino-Zügen schon lange. Zusätzlich ärgerlich für die Bahnbenutzer ist dabei die Tatsache, dass die Cisalpino AG bei immer schlechter werdendem Service gute Gewinne eingefahren hat.

Trotz aller Unstimmigkeiten: Ein Widerruf der Konzession ist keine Angelegenheit von Tagen, sondern ein langwieriges Prozedere. Die Konzessionärin könnte diesen Schritt mit rechtlichen Mitteln bekämpfen. Zudem hätte es in der Praxis unabwägbare Konsequenzen, wie BAV-Sprecher Davide Demicheli einräumt. «Es wäre auch nur die Ultima Ratio», präzisiert er. Zuerst will man schauen, ob sich der bestehende Service nicht verbessern lässt.

Alternativen schwierig zu finden

Ein allfälliger Widerruf der Konzession wirft zudem die Frage auf, welches andere Unternehmen den Personenverkehr zwischen Italien und der Schweiz bedienen könnte. Die SBB könnten Cisalpino mehrheitlich oder ganz übernehmen, was die Italiener verärgern und die Grundsatzprobleme in Bezug auf die Bahninfrastruktur im Raum Mailand kaum lösen würde.

Mit der Liberalisierung im europäischen Personenverkehr ab 2010 könnten theoretisch auch private Unternehmungen an dieser Verbindung Interesse haben. Doch die Schweiz hinkt beim freien Netzzugang für private Anbieter im Personenverkehr den europäischen Entwicklungen hinterher.

Umsteigen an der Grenze?

«Im Extremfall kann es auch zu einer Rückkehr zu alten Zeiten kommen, wo jedes nationale Bahnunternehmen nur bis zur eigenen Grenze fährt», prophezeit Edwin Dutler. Das hiesse: Umsteigen in Chiasso oder Domodossola. Mit dem Cisalpino-Übergangsfahrplan ist diese Variante indes schon fast Realität. Nur noch die wenigsten Kompositionen bringen die Passagiere direkt über die Grenze. (Der Bund)

Erstellt: 07.02.2009, 08:06 Uhr

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29 KOMMENTARE

Herbert Moser

08.02.2009, 08:55 Uhr

Der Leuenberger Moritzli hat nichts im Griff! Anstatt anständig zu schaffen, schöngeistert er lieber am Schweizer Staatsfernsehen herum und philosophiert über seine Visionen! Schon die Sache mitder Swiss und dem Anflug auf Kloten hat er total vergeigt; notabene im Alleingang. Er war sich ja zu smart, um Leute mit Sachverstand nach Berlin mitzunehmen. Weder Flug noch Bahn im Griff; typisch Politik


Markus Grimm

07.02.2009, 23:12 Uhr

mit Umsteigen in Chiasso: VIEL BILLIGER! mit Billett nur nach/dann ab Chiasso ist die Italienreise VIEL BILLIGER! (kein Wunder die Cisalpino Gewinne) dank "Pauschaltarifen" die WEIT ueber den publizierten normalen Bahntarifen in CH/I liegen! auch wird das Halbtax ab ital. Stationen oft nicht anerkannt, man muss den vollen Pauschaltarif zahlen - unglaublich was Cisalpino alles leistet!


ralph kocher

07.02.2009, 20:39 Uhr

Man fährt schliesslich Cisalpino, gerade wegen des Abenteurer-Feelings! Es bleiben klar - die Reisen das Ziel. Letztmals im Pannonia-Express zu DDR-Zeiten von Stockholm nach Bucuresti erlebt. Man ist zufrieden mit folgender, nicht zu verachtenden Maxime: Die Küche im Speisewagen muss funktionieren und nicht fehlen darf das stimmige Rotweinangebot. Ansonsten: Die BAR sucht noch ihren Pianospieler.


Peter Zurbrügg

07.02.2009, 19:13 Uhr

"Im BAV haben sie jahrelang geschlafen". Das ist ja etwa Dauerzustand auf den Bundesämtern. Endlich kommt die Erkenntnis, dass sich was ändern sollte! Bei einem privaten Anbieter wäre so was nicht möglich, solche Zustände hätten schon lange den Konkurs dieser Firma bedeutet. Solche Zustände herrschen leider auf allen Bundesämtern, das ist nichts neues.


Beat Gerola

07.02.2009, 17:25 Uhr

DB (Deutsche Bahn) schafft es, Superverbindungen zwischen D und der CH herzustellen. Wieso die Italiener nicht?


HansPeter Bieri

07.02.2009, 16:37 Uhr

Hat da ein Beamter im BAV zu laut geschnarcht,dass einige aufgewacht sind? Seit Jahren wird das leidige Thema auf die lange Bank geschoben. Zum Leidwesen der Passagiere. Güterzüge werden mit modernsten Mehrstrom loks nach Italien geführt. Die CIS Verbindungen werden mit veraltetem Rollmaterial geführt, die ein langwierigen Wechsel in Chiasso od. Domodossola verursachen. Kundenfreundlich??


Fritz Odermatt

07.02.2009, 16:05 Uhr

"Schlechter Service, hohe Gewinne", das ist das Schlagwort, nicht nur beim Cisalpino, sondern generell in der Schweiz; alles sinkt allmählich auf Drittwelt-Niveau herab. Eine Bananenrepublik ist die Schweiz ja schon lange, das sind jetzt nur die Auswirkungen die sich vermehrt zeigen.


Hans Herzog

07.02.2009, 15:47 Uhr

Was ich schon lange bemerkt habe, ist der Zusatnd der Züge im Algemeinen sehr schlecht. Wenn ich in Bellinzona zusteige, finde ich ein erschreckendes Bild. Stinkende unsaubere Zugsabteil, zum Teil könnte man glauben dieser Zug ist ein Jahrhundert nicht gewartet worden. Die Fahrpreise sind hoch, der Service miserabel. Es ist höchste Zeit, leider schon nach zwölf.


Kurt Maier

07.02.2009, 14:32 Uhr

"umsteigen an der Grenze" ist bereits realität. Die Fahrgäste, die den Cis-Alpino auf der Strecke Basel-Mailand benützen, müssen in Domodossola umsteigen.


Bruno Schmerz

07.02.2009, 13:12 Uhr

Der Cisalpino AG wurde sie 1997 für zehn Jahre verlängert. Sie läuft am 31.Dezember 2017 aus. 97+10+2000 = 2017. Rechne nach.


Samuel Richard

07.02.2009, 13:11 Uhr

Tja so ist es eben, wenn zwei unterschiedliche Ansichten betr. ÖV aufeinanderprallen. Das geht leider bis in die entsprechenden Departamente/ Ministerien. Welchen Zusammenhang hat eigentlich das ECTS Pionierwerk Zofingen-Sempach mit dieser Geschichte?


Edwin Voser

07.02.2009, 13:08 Uhr

ist doch typisch für Leuenberger, der Flughafen und der Cisalpino, beides jahrelang verschlampt. Er soll endlich gehen und seine Gedichte schreiben!


barbara eichenberger

07.02.2009, 12:45 Uhr

Meine Mutter kam in den frühen 50er Jahren in die Schweiz als Gastarbeiterin. Nun wird reisen beschwerlich, trotzdem möchte sie die Geschwister noch besuchen. Die direkten Züge ab Zürich oder Olten waren für uns ein Segen. Wir konnten sie zum Bahnhof bringen und helfen beim Einsteigen und in Italien warteten die Cousins und halfen beim Aussteigen. Das Streichen der Züge ist für uns ein Verlust.


freddy luger

07.02.2009, 12:06 Uhr

ich bin selber eisenbahner und muss sagen es ist für mich total unfair wenn ich sehe wie immer auf die cisalpino rumgehackt wird.es gibt in unserem land genug zu tun sei es anbieter die mit zu wenig rollmaterial einen s-bahn betrieb ausführen können, sei es ein betreiber der die speisewagen bis zur lächerlichkeit schrumpfen lies, sei es ein betreiber den die region bern nicht mehr intressiert.


Peter Christener

07.02.2009, 11:50 Uhr

>> ETCS Debakel Zofingen-Sempach Das System war völlig neu und wurde erstmals im realen Betrieb getestet. Es waren nicht nur die Hersteller gefordert, sondern auch die Betreiber der Anlage. Am Schluss hat die Anlage so gut funktioniert, wie ein normales Stellwerk. Erstaunliche war, dass für die Neubaustrecke ein anderer Hersteller gewählt wurde, der keine Erfahrung hatte.


sandro gasser

07.02.2009, 11:07 Uhr

nur so zur erinnerung: der zuständige verkehrsminister heisst moritz leuenberger, "sozialdemokratische" partei. natürlich könnte der tagi bei dieser gelegenheit mal wieder die pleiten, pech und pannen dieses ideologen kritisch hinterfragen... aber wer will schon? vielleicht die weltwoche? auch bei der grünen monika stocker sah der tagi keine veranlassung, ihre politik zu hinterfragen. leider!


Paul Thürig

07.02.2009, 11:00 Uhr

Der Schweizer Verkehrsminister zieht es eben vor den IC Zürich-Bern zu benützen...So ist im sicher,dass er ohne Verspätung in die Oper -oder ins Theater nach Zürich kommt,denn der Kluge reist mit den SBB! Cisalpino bleibt eine Totgeburt!


Claude Reusser

07.02.2009, 10:57 Uhr

Das ist was schief gelaufen ... das Bild zeigt nicht den pannenanfälligen Cisalpino ETR 470 sondern den neuen ETR 610, der erst im Laufe des Jahres in Betrieb genommen wird


willi maurer

07.02.2009, 10:55 Uhr

genau der richtige ausdruck geschlafen am meisten BR.leuenberger der ist schon lange überfällig (verfall datum) abgelaufen auch einige andere sollten sich von der politik verabschieden aussenministerin & gesundheitsminister sind überfällig


Adrian Garbely

07.02.2009, 10:37 Uhr

Das hiesse nicht zwingend Umsteigen an der Grenze. In prä-cisalpinen Zeiten wurde in Domo und Chiasso einfach die Lok ausgetauscht. Gut, die Reisezeiteinsparungen sind dann natürlich flöten. Heute hätt man ja im Idealfall nur 3 Std. von Bern nach Mailand.


René Loepfe

07.02.2009, 10:33 Uhr

Es ist ein Skandal, dass die Bahnverbindung von der Schweiz nach Italien nicht klappt. SBB, Trenitalia und vor allem unsere Politiker mit dem untätigen BAV haben Ihre Hausaufgaben nicht gemacht, die fetten Erträge jedoch eingeheimst. Warum klappt es nach Paris, Berlin und Wien? Liegt es etwa am mimosenhaften Ego unserer südlichen Nachbarn?


Philipp Steiner

07.02.2009, 10:21 Uhr

Hat Italien wirklich kein Interesse an guten Zugsverbindungen in die Schweiz? Wer leidet am meisten, wenn die unzuverlässigen Cisalpino-Verbindungen gestrichen werden? Es ist schon erstaunlich, dass die SBB-Spitze nicht auf die Hinterbeine tritt. Es scheint auch so, dass die SBB selbst kaum Interesse an guten Nord-Süd Verbindungen hat. Ich erinnere dabei auch an das ETCS-Debakel Zofingen-Sempach.


Hans Pfister

07.02.2009, 10:17 Uhr

Wenn man schon über andere schimpft, könnte man es wenigstens selber besser machen: Beim abgebildeten Zug handelt es sich um den neuen von Cisalpino bestellten ETR 610, nicht um den "Pannenzug".


Adrian Schmid

07.02.2009, 10:10 Uhr

Liebe Zugfreunde! Weshalb spricht niemand bei dem Thema Cisalpino über die endliche Auslieferung der neuen Cisalpino???! Es ist doch eine Schweinerei und ein Skandal dass die Firma Alstom, die die neuen Cisalpino-Züge seit nun 3 Jahren ausliefern sollte!!! Diese Firma kann ja noch nicht einmal sagen wenn diese genau ausgeliefert werden. Das sind unsere Steuergelder!!! Bravissimo, toll!!!


Beat Macher

07.02.2009, 10:06 Uhr

Gescheiter als umsteigen an der Grenze wäre wohl die Übernahme der maroden Strecken von Chiasso bzw. Domodossola bis Mailand und deren Betrieb durch eine von Trenitalia unabhängige Gesellschaft. Das Stromsystem könnte dann ebenfalls angepasst werden .... ;-) Unsere Bundesbahnen würden zwar lieber in England wachsen, wie wäre es aber vor der eigenen Haustür ?


Alfredo Garcia

07.02.2009, 09:52 Uhr

Die BAV Bürokraten haben die Problemstellung nicht richtig erkannt: die sog. mangelnde Unterhaltsqualität ist allenfalls ein Nebenschauplatz. Fakt ist, das dieses Rollmaterial über grundlegende konstruktive Mängel verfügt und NIE den Reifegrad vergleichbarer Produkte erreichte. Somit wird eine langwierige Symptombehandlung anstehen welche unerschöpfliches Lachnummerpotential hat.


Alex Meyer

07.02.2009, 09:49 Uhr

Das Cisalpino Experiment wäre nach den Erfahrungen in England nicht nötig gewesen. Auch dort hat man den Schienenverkehr getreu den Dogmen der ungehemmt freien Marktwirtschaft (resp. Thatcherismus) liberalisiert und die Konsequenzen waren schlechter Service und unsichere Verbindungen. Über den Komfort und die Zuverlässigkeit des Cisalpino Rollmaterials wurde schon oft genug geschrieben.


Peter Hafner

07.02.2009, 09:36 Uhr

Die Reaktion von BR Leuenbergers Beamten kommt zu spät. Der Schaden ist angerichtet und das Resultat wird sein, dass enorm viel Geld verloren geht. Das Ansehen der Schweiz wird in Europa leiden, denn die internationalen Fahrgäste werden diesen Zug meiden. BR. Leuenberger muss nun tatsächlich handeln und nicht wieder alles Schönreden, denn niemand glaubt ihm in dieser Sache noch etwas.


Martin Lerjen

07.02.2009, 09:29 Uhr

Der CIS muss im Moment für alles hinhalten, was zwischen Domo und Spiez krumm läuft. Wir haben das auf dieser Strecke selbst zwei Mal erlebt, wie ein Kondukteur sich mit dem allseits beliebten Prügelknaben CIS für Fehler/Entscheidungen der SBB herauszuwinden versuchte.






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