Das Beben war ein Härtetest für die längste Staumauer der Schweiz

Wie man im Glarnerland auf das Erdbeben der Stärke 4,6 reagiert hat.

Blick auf die Segnungszeremonie anlässlich der Einsegnung der Staumauer des Pumpspeicherwerks Limmern im September 2016 in Linthal.

Blick auf die Segnungszeremonie anlässlich der Einsegnung der Staumauer des Pumpspeicherwerks Limmern im September 2016 in Linthal. Bild: AXPO

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Gestern Abend um 21.12 Uhr bebte die Erde. Das Beben erreichte eine Magnitude von 4,6 auf der Richterskala und wurde in weiten Teilen der Schweiz gespürt. Der Schweizerische Erdbebendienst an der ETH Zürich gab zuerst den Kanton Schwyz, sechs Kilometer nordöstlich des Klausenpasses, als Ort des Bebens an. Später wurde das Epizentrum nahe Linthal, der südlichsten Gemeinde des Kantons Glarus, identifiziert. Am Morgen danach sitzt das Erdbeben der Bevölkerung immer noch in den Knochen.

Markus Zweifel ist Geschäftsführer des Backpacker-Hostels Adrenalin in Braunwald. Der autofreie Ferienort liegt auf einer Bergterrasse westlich oberhalb von Linthal. Er war zu Hause in seinem Holzhaus, als die Erde bebte. «Ich habe so etwas noch nie erlebt: Es war kurz und heftig», sagt Zweifel. Zuerst habe es einen lauten Knall gegeben, dann habe er sofort aus dem Fenster geschaut: «Ich dachte zuerst, dass irgendwo eine Bombe eingeschlagen ist oder es zu einer Gasexplosion gekommen ist.» Offensichtliche Schäden habe es nicht gegeben, «aber meine Katze schaute sehr verwundert». Fridolin Hösli, Geschäftsführer der Braunwald-Klausenpass Tourismus AG, berichtet wiederum, dass die Wände gewackelt hätten und dies der Bevölkerung einen Schrecken eingejagt habe: «Wir haben so etwas noch nie erlebt.»

Die Gemeindebehörde von Glarus Süd, die auch für Braunwald zuständig ist, lässt ausrichten, dass wahrscheinlich einige Bewohner das Erdbeben gar nicht gross wahrgenommen hätten. «Denn gestern war bei uns Fridolinstag, da werden abends zum Gedenken des Glarner Landespatrons Heiliger Fridolin überall im Kanton grosse Feuer entfacht, die von Jung und Alt im Freien betrachtet werden.» Bei der Gemeinde sind keine Schadensmeldungen eingegangen. «Wir werden beim nächsten Treffen der Gemeindeführungsorganisation das Erdbeben jedoch thematisieren und allenfalls Vorkehrungen für grössere Erdbeben diskutieren», heisst es auf der Gemeindekanzlei.

Überflutungspläne vorhanden

Bereits vorhanden sind Überflutungspläne, die jeder Einwohner im Internet einsehen kann. Denn ganz hinten im Tal befindet sich die mit über einem Kilometer Länge grösste Staumauer der Schweiz. Sie liegt 2500 Meter über Meer und ist damit auch das höchstgelegene Bauwerk dieser Art in Europa. Das Pumpspeicherwerk Linth-Limmern gehört der Axpo und wurde letzten September eingeweiht.

Gestern erlebten die Betreiber wohl ihren ersten Härtetest. Auch hier wird von einem lauten Knall berichtet. «Noch gestern Abend sind die Staubecken visuell kontrolliert und die Hauptmessungen vorgenommen worden», sagt Axpo-Sprecher Tobias Kistner auf Anfrage. Weitere Kontrollgänge seien heute Vormittag erfolgt, zudem führe man noch zusätzliche Kontrollen im Laufe des Nachmittags aus. «Bis anhin wurden keinerlei Schäden festgestellt.»

Gemäss Vorgaben des Bundesamtes für Energie (BFE) muss die Axpo als Kraftwerksbetreiberin aufgrund von Informationen des Erdbebendienstes automatisch Messungen und Kontrollen an ihren Stauanlagen durchführen. Konkret bedeutet das, dass innerhalb von 24 Stunden sowohl visuelle Kontrollen als auch die so genannten Hauptmessungen an den definierten Kontrollstellen in den Stauanlagen durchgeführt werden müssen.

Die Gemeindekanzlei von Glarus Süd legt Wert darauf festzuhalten, dass man gestern «zu keinem Zeitpunkt Angst wegen der Staumauer» hatte. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.03.2017, 12:47 Uhr

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