Schweiz
Das Geschäft der Hundemafia blüht
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Für die Tierschutzorganisationen sind sie schlichtweg die «Hundemafia»: skrupellose Welpenhändler, meist aus Osteuropa, die in ihren Heimatländern regelrechte Zuchtfabriken für Rassehunde betreiben, die produzierten Jungtiere dabei viel zu früh von ihrer Mutter trennen, sie in Massentransporten über Hunderte von Kilometern durch Europa karren – um sie hier in der Schweiz, auf Parkplätzen oder in Hinterhöfen, schliesslich zu Spottpreisen zu verschachern. Für die meist gutgläubigen Käufer ist der Handel selten lohnend: Die zuvor unter miserablen Bedingungen gehaltenen Welpen sind in vielen Fällen bereits bei der Ankunft todkrank und überleben kaum noch ein paar Wochen.
Vor allem Kleinrassen
Unabhängig voneinander traten gestern gleich zwei Fachverbände, der Schweizer Tierschutz (STS) und Vier Pfoten, an die Öffentlichkeit, um vor der Hundemafia zu warnen. Denn deren Geschäft blüht – vor allem bei trendigen Kleinrassen. Gemäss Ermittlungen von Vier Pfoten stieg die Zahl der importierten Chihuahuas zwischen 2007 und 2009 von 524 auf 1092 und damit auf fast 50 Prozent aller in der Schweiz registrierten Exemplare. Bei den Möpsen betrug der Anteil an Importhunden zuletzt gar 61,4 Prozent – 2007 waren es erst 37,6 Prozent. In neun von zehn Fällen stammten diese Einfuhrtiere aus Massenzuchten in Osteuropa, vermutet Vier Pfoten.
Woher dieser Anstieg? Eine wichtige Rolle spielt offenbar das im Dezember 2008 für die Schweiz in Kraft getretene Schengener Abkommen. «Offene Grenzen erlauben das Passieren ohne Kontrolle», betonte Gabriela Calzavara vom St. Galler Veterinäramt an der gestrigen STS-Pressekonferenz. Auch Katharina Beriger von Vier Pfoten nimmt an, dass der Wegfall der Grenzkontrollen den Welpenhandel befördert hat.
Trotzdem werden daraus vorerst keine politischen Forderungen abgeleitet. Der STS begrüsst es stattdessen, dass der Bund nun den «Hausierhandel» mit Hunden verbieten will. Dies erlaubt der Polizei künftig den Zugriff, wenn ein Hundehändler auf einem Parkplatz seine «Ware» feilbietet.
Hausierverbot genügt nicht
Vier Pfoten dagegen moniert, dass das Hausierverbot nicht genüge. Die wichtigste Zusatzforderung der Organisation zielt auf die Internet-Anzeigen der Hundehändler. Um unseriöse Angebote einzudämmen, soll ein Anbieter neu Name und Adresse nennen müssen, regt Katharina Beriger an. Die ausländischen Massenzüchter geben in ihren (meist an holprigem, fehlerhaftem Deutsch leicht erkennbaren) Inseraten oft nur eine Natelnummer zur Kontaktaufnahme an.
Marcel Falk vom Bundesamt für Veterinärwesen gibt zu bedenken, dass schon bei einer deutschen Plattform Schweizer Restriktionen nicht mehr greifen würden. Falk zweifelt im Übrigen an der Aussagekraft der von Vier Pfoten kommunizierten Zahlen: Niemand könne genau wissen, wie viele Hunde aus osteuropäischen Massenzuchten stammten. Dass der Handel aber zugenommen hat, stellt er nicht in Abrede. Und in einem Punkt geht er mit den Tierschützern einig: Die wichtigste Gegenmassnahme bestehe darin, die Bevölkerung über die Machenschaften der Hundemafia aufzuklären.
Ein Welpe: Süss – und ein lukratives Geschäft für skrupellose Händler. Foto: Getty Images (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.06.2010, 08:30 Uhr




