Müssen Kruzifixe aus Schweizer Schulzimmern verschwinden?
Von Michael Meier. Aktualisiert am 05.11.2009 27 Kommentare
Kreuze sollen aus Schulzimmern verschwinden. (Bild: Keystone)
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Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Italien eine Lektion erteilt: Das obligatorische Anbringen von Kruzifixen in Schulräumen verstosse gegen die Menschenrechtskonvention und verletze die Religionsfreiheit. Was bedeutet das Urteil für die Schweiz, wo vor allem in den katholischen Gegenden der Innerschweiz, Graubündens, des Wallis und im Tessin Kreuze in Schulzimmern hängen?
Nur faktisch bindend
Laut dem Luzerner Rechtsprofessor Alexander Morawa ist das Urteil vom europäischen Gerichtshof für alle Staaten, die die Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnet haben, zwar nicht rechtlich, aber faktisch bindend und in hohem Masse relevant. Allerdings sei die italienische Situation im Vergleich zur Schweiz eine andere, weil dort das Kruzifix nicht nur als christliches Symbol wahrgenommen werde, sondern auch auf die katholische Staatsreligion verweise. Für Morawa sind die Konsequenzen des Urteils für die Schweiz nicht absehbar, es bedeute aber nicht, dass jetzt in Schweizer Schulzimmern automatisch alle Kruzifixe abzuhängen seien. Wenn schon, müsse zuerst der Weg bis ans Bundsgericht beschritten werden.
1990 hatte das Bundesgericht entschieden, dass das Anbringen von Kruzifixen in den Schulzimmern der Primarschule in der Tessiner Gemeinde Cadro gegen die verfassungsmässig vorgeschriebene Neutralität der öffentlichen Schule verstösst. Ähnlich urteilte 1995 das deutsche Bundesverfassungsgericht: Die staatlich angeordnete Anbringung eines Kreuzes in den Unterrichtsräumen verstosse gegen die Religionsfreiheit. Morawa folgert daraus, dass höchste Gerichte in religiösen Symbolen im Erziehungsbereich ein grosses Problem sehen und einem relativ weitgehenden Gebot der staatlichen Neutralität in religiösen Belangen das Wort reden. Konkret solle der Staat bestimmten Religionsgruppen wenn immer möglich keinen Vorrang einräumen.
Keinen Zwang ausüben
Für Adrian Loretan, Professor für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht an der Universität Luzern, wird die Suppe nicht so heiss gegessen wie gekocht. Er interpretiert das Urteil so, dass der Staat in religiösen Belangen keinen Zwang ausüben darf und nicht durchsetzen kann, in allen Schulzimmern müsse ein Kreuz hängen. Für Loretan wäre es aber ein Missverständnis zu glauben, dass man das Kruzifix jetzt überall abhängen muss. Private könnten in Schulzimmern sehr wohl Kruzifixe anbringen. So hingen an der theologischen Fakultät Luzern Kreuze, ohne dass dies die Regierung angeordnet hätte. Tauglich findet Loretan auch den Vorschlag der Muslime, statt die Kruzifixe abzuhängen, auch Symbole anderer Religionen aufzuhängen.
Für den früheren Bundesgerichtspräsidenten Giusep Nay ist es allerdings klar der Staat, der die Schulzimmer der obligatorischen öffentlichen Schule einrichtet. Was jedoch auch für ihn nicht bedeutet, dass man nun alle Kruzifixe in Schulzimmern abhängen muss. «Durchsetzbar ist das Verbot vor Gericht im Einzelfall, sobald jemand klagt.» Nay plädiert jedoch für Toleranz: «Religionsfreiheit impliziert nach der Rechtsprechung ausdrücklich kein Recht, nicht mit religiösen Symbolen oder mit solchen anderer Religionen konfrontiert zu werden». In der Regel sei auch nicht davon auszugehen, dass ein Kruzifix im Schulzimmer Kinder und Eltern so schnell störe.
Vom Kontext abhängig
Die Frage, ob der Staat seine Neutralität verletze, indem er Kruzifixe in Schulzimmern dulde, ist für den früheren Bundesgerichtspräsidenten vom jeweiligen Kontext abhängig. Solange das Kruzifix nicht mit einem katholisch geprägten Unterricht Hand in Hand gehe, könne man es ohne Bedenken dulden. Heute ist der Religionsunterricht an öffentlichen Schulen ohnehin praktisch überall konfessionsneutral.
Laut Nay ist die Debatte ums Kruzifix in Schulzimmern nicht vergleichbar mit dem Streit um ein Minarettverbot. Hier sei es der Staat, der Privaten erlaube, Minarette zu bauen. In der öffentlichen Schule aber richte der Staat den obligatorischen Schulunterricht ein. Umgekehrt aber gilt für Nay: «Verbietet man den Bau von Minaretten, könnte das ein Signal sein, alle religiösen Symbole in der Öffentlichkeit zu verbieten.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.11.2009, 12:29 Uhr
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27 KOMMENTARE
Mit dem Minarettverbot hat die Schweiz ein Zeichen gegen religiöse Symbole gesetzt. Kruzifixe und Weihnachtslieder sind aus der Öffentlichkeit zu entfernen, die Präambel der Verfassung zu revidieren. Unsere aufgeklärt-humanistische Leitkultur muss gegen die Widerstände religiöser Kreise durchgesetzt werden. Die Schweiz muss laizistisch werden.
Genau wie beim Rauchen: Ich verwehre mich gegen die Passivreligionsberieselung in öffentlichen Gebäuden. Was einer in seiner Stube aufhängt ist mir Wurst, aber in Bussen, Schulen und öffenltichen Verwaltungen will ich das nicht.
So "weit" sind wir also bereits vorangeschritten. Sei gegrüsst Antichrist!! Aber man wusste es ja, dass es so kommt- Apokalypse lässt grüssen! Paradoxe Welt - hier ist nichts mehr zu retten.
Und schon wieder so ein Scheingefecht! Ich selber war in meiner ganzen Schulzeit nie mit Kruzifixen oder sonstigen religiösen Utensilien im Schulzimmer konfrontiert worden. Und frage mich: von wievielen Schulzimmern reden wir denn? Wird hier wieder mal für eine Lösung ein Problem gesucht?
Wenn die Richter in Strassburg(!) ein Problem haben mit Kreuzen in Italien (!), so sollen sie sich zum Teufel scheren. Diesen Leuten ist nicht mehr zu helfen. Wo waren diese Richter, als in Deutschland dieser Tage ein islamischer Gebetsraum in einer Schule eingerichtet wurde? Wo sind sie bei Zwangsheiraten? Wo sind die Richter, wenn einer den Islam verlässt und dafür getötet wird?
Das Chistentum ist die Wiege unserer abenslaendischen Kultur und Zivilisation. Wo andere Staaten und Religionsgemeinschaften stolz ihre Fahnen und Symbole hissen und damit gesellschaftliche Identifikation proklamieren, wollen unsere Linken und Netten (jbei uns sind es die Jung-Sozis!) uns dieser sinnstiftenden Symbole berauben und die geschaffene Leerstelle mit untauglichen Ideologien besetzen.
Als Muslim hoffe ich, dass man auch weiterhin das Kreuz in der Schule antreffen wird. Als Schweizer Demokrat und Grüner Politiker, aber auch als Menschrechtsaktivist habe ich persönlich damit keine Probleme! Dr yahya hassan bajwa Einwohnerrat Baden (team baden) Mitglied der Delegiertenversammlung Grüne Schweiz
wen in einer schuhlklasse ein kreuz hängt, dann müste da meist auch ein halbmond und noch mehr sein. wen wir kinder schon zwinger sich täglich, sogar im schulzimmer, religiöse zeichen anzusehen haben sie auch das recht das sich etwas aus ihrer religion darunter befindet. oder man hängt sie ab was nicht wirklich verletzend sein kann. (das ist nur ein stück holz das fühlt beim brennen nichts)
Religiöse Symbole, egal von welcher Religion, haben meiner Meinung nach in einem Schulzimmer nichts zu suchen. Daher ist für mich klar: Weg mit den Kruzifixen. Mich jedenfalls stört ein Kruzifix im Schulzimmer!
kreux verboten,minarett erlaubt,so unterwandert uns der islam schleichend. herr stapi morin,was werden sie jetzt unternehmen? jetzt ist es wirklich allerhöchste zeit,die minarette zu verbieten,oder wollen sie mit den menschenrechlern in konflikt kommen?
Man sollte die Kirche im Dorf lassen und die Kreuze in der Schule, diese haben nie jemanden gestört. QWenn sich eine Minderheit darvon belästigt fühlt, dann soll sie zurück gehen, wo sie hergekommen ist. Wir lassen uns schon genug herumklommandieren. Was interessiert uns der EG? Zahlen wir dort auch noch einige Millionen? Wem die CH-Kultur nicht passt, der soll auswandern.Basta.
Die Kruzifixe haben mich nie gestört, obwohl ich reformiert bin. Es sind traditionelle Symbole einer höheren Macht, die uns Geborgenheit geben. Dass die verschwinden sollen ist ein Resultat der linken Politik, die alles verunglimpft, was den Sozialismus und seine nihilistische Weltanschauung behindert. Islamische Symbole vermitteln mir diese Geborgenheit nicht und gehören in die islamische Welt.
Ich bin wahrhaftig kein Freund von Kirchen und deren Symbole. Aber es geht entschieden zuweit, unsere gewohnten Symbole aus Schulen etc. zu entfernen, nur weil ein paar andersgläubige Zugewanderte dies so haben möchten.
Warum sollte das Kruzifix jemanden auf den falschen Weg bringen? Der Philosoph, der ans Kreuz genagelt worden ist, hat ja nur positive und friedliche Verhaltensregeln gepredigt, die auch mir als Atheisten einleuchten. In einem christlich geprägten Land christliche Symbole zu verbieten, sollte verboten sein, sofern es sich nicht um Verbote handelt. Ein jeder soll nach seiner Façon selig werden.
So ein Unsinn. Die Folge einer Gesellschaft, die sich zunehmend in Richtung "alles-regeln", "verbieten", "gebieten" bewegt. Das Hausrecht der Wirte ist weniger Wert als der Gesundheitsfanatismus einer Lungenliga, so wird das Hausrecht der Gemeinden dann wohl auch bald dem "politcal-correctnes-fanantismus" geopfert. Die Fanatiker mit ihren lächerlichen Zusatzbauvorschriften für Moscheen passen dazu
@Schneider: Ich zum Beispiel! Kruzifixe haben in einem Schulzimmer nichts verloren! Das ist eine unzulässige Einmischung in die Religionsfreiheit. Und wenn sie sich fargen, was das Christentum für Ungeheuerlichkeiten zu verantworten hat, haben sie im Geschichtsunterricht zu wenig aufgepasst, lässt sich aber nachholen - 400 Zeichen reichen da bei weitem nicht aus :-)
Dass sich, bei einem Urteil staatsfremder Richter über ein hier nicht aktuelles Problem eines Drittlandes, das uns gegenüber zudem nicht unbedingt wohl gesinnt auftritt, sofort auch hierzulande wieder Leute finden, die daheim daraus Unruhe ableiten, ist bedenklich. Es sollte aber die Besonnen nicht davon abhalten, gelassen die hierorts immer noch gültigen christlichen Grundsätze zu verteidigen.
Ich stimme Herrn Aegeri bei. Religiöse Symbole sämtlicher Glaubensrichtungen haben in der staatlichen Schule nichts verloren. Um Ihre Frage zu beantworten, Frau Schneider: Ich als konfessionsfreie Person störe mich an Kruzifixen. Religion schränkt das freie Denken ein und hat gerade auch deshalb nichts in der Schule zu suchen, da diese das freie Denken fördern, nicht einschränken soll.
@ gianin may: zu unserer "christlich abendländischen kultur". die europäische kultur basiert mehr als auf der chr. religion auf den kulturen der griechen, der römer, der kelten, der germanen, auf humanismus, auf ethik, auf wissenschaftlichen erkenntnissen. noch ein hinweis an alle hardcore-christen: wenn ihr in nordafrika geboren wäret, wäret ihr auch moslems, wenn in indien, hindus etc. etc.
Wann lernt ihrs endlich SCHAFFT DIE RELIGIONSFREIHEIT AB. Jedem Land seine Religion und die andere wird geduldet. So kann nicht jeder kommen und sagen ich will.
Ich sehe nicht ein, warum das hängen eines Kreuzes die Religionsfreiheit von jemandem einschränken kann, das abnehmen hingegen schon. Kirche und Staat sind nicht getrennt und unsere Kultur basiert in einem hohen Mass auf christl. Hintergrund. Es ist auch Tradition. Es kann doch nicht sein, dass wir unsere Identität aufgeben müssen nur weil Zuzüger ein Problem damit haben?
Wann sehen wir Stimmbürger eigentlich as wahnsinnige Ausmass der Globalisierung ein? Wir wollten den armenund auf dem bodenliegenden Mitmenschen wieder auf die Beine helfen und den Armen etwas mehr zu geben. Stattdessen verprügeln sie uns und schaffen unsere Kultur ab. Der Länderkrieg ist Vergangenheit - der religionskrieg aus dem Mittelalter wieder entstaubt.
Herr Meier: Lektion erteilt? Seit wann sind denn Urteile des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte didaktisch wertvoll? Vielmehr haben wir aber zum Verständnis Ihrer journalistischen Ethik eine Bestätigung erhalten.
Das christliche Kreuz soll aus den Schulzimmern verschwinden, die Kopftücher aber nicht? Sachen gibt's....
Richtig so. Auch in der Schweiz muss endlich Staat und Kirche getrennt werden. Auch muss endlich damit Schluss sein, dass der Staat die Steuern für die Kirchen einzieht. Sollen die Kirchen das doch selber machen.
Ich frage mich, WER sich über die Kruzifixe überhaupt aufregt und diese aus unseren Schulhäusern entfernen lassen will.
Das wäre auch - konsequent gehandhabt - richtig so. Öffentliche Schulen sind für alle Schüler zugänglich. Und zwar aus allen religiösen Gruppen. Keiner soll bevorzugt oder benachteiligt werden. Und da bei uns der Rechtsstaat über der Religion steht, haben Reliquien aus den Religionen (welchen auch immer) nichts in öffentlichen Räumen zu suchen. Schulunterricht ist nicht Religionsunterricht.
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