Schweiz

Das Minarett aus dem Blumentopf

Von Dominik Balmer. Aktualisiert am 13.01.2011 23 Kommentare

Dieses Minarett könnten die Moslems vermutlich sofort aufstellen: einen fünf Meter hohen Moscheeturm aus Weidenholz. Die Idee stammt vom Langenthaler Unternehmer Eugen Lüdi. Es ist nicht die erste, die den Muslimen präsentiert wird.

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Die Montage zeigt einen Blumentopf auf dem Dach der Moschee: Mit einem Minarett aus Weidenholz möchte Eugen Lüdi das Minarettverbot umgehen. Er ist überzeugt, für den Topf ist keine Baubewilligung nötig. (Bild: Eugen Lüdi)

Das Minarett würde im Jahr einen Meter wachsen. Es bräuchte viel Sonne, man müsste es ab und zu giessen und zurückschneiden, damit es nicht verbuscht: das Minarett aus Weidenholz.

Die Idee stammt von Eugen Lüdi (52), Geschäftsführer der Langenthaler Firma BBZ AG, die Gebäude ausbaut und saniert. Lüdi nimmt kein Blatt vor den Mund: «Dieses dämliche Minarettverbot», raunzt er und beugt sich über seine Pläne. Sie zeigen, wie die islamische Glaubensgemeinschaft auf ihrer Moschee in Langenthal sofort ein Minarett aufstellen könnte. Der Juristenstreit wäre auf einen Schlag beendet.

«Das ist ja bloss eine Pflanze»

Eugen Lüdi klappt ein Buch auf. Bilder von Pavillons, Kathedralen und einem Palast sind zu sehen. Die Architekten verwendeten für ihre Werke aber keine Ziegelsteine und keinen Beton, sondern bloss Holz von Weiden, einer Pflanze, die in weiten Teilen Europas heimisch ist. Der Weidenbau ist ein Hobby von Lüdi. Seine Frau, Bernadette Mercx Lüdi, arbeitet für den Architekten Marcel Kalberer, den Papst unter den Weidenbauern.

Und so war es für Lüdi ein kleiner Schritt von den Pavillons und Kathedralen zum Weidenminarett. Das beste daran, sagt Lüdi lächelnd: Für ein Weidenminarett brauche es keine Baubewilligung. «Das ist ja bloss eine Pflanze.»

Angst vor einer Provokation

Ein Modell hat Lüdi bereits angefertigt und in einer Bildmontage aufs Dach der Moschee verfrachtet. Das Minarett en miniature besteht aus Weidenästen, die gegen das Kopfende hin zusammenlaufen. Sogar an den Balkon für den Gebetsrufer hat Lüdi gedacht: Stahlringe bringen die Weiden in die richtige Form. Den Abschluss bildet ein Karton-Halbmond. Das Modell, das Lüdi im Herbst kreiert hat, misst anderthalb Meter. Das Original soll fünf Meter hoch werden.

Seine «zündende Idee» hat Lüdi den Moslems kürzlich vorgestellt. Sie fänden die Idee toll, sagt er. Ob sie auch umgesetzt wird, konnte er allerdings nicht sagen: Es habe geheissen, sie wollten nicht provozieren.

In der Tat. Bei Mutalip Karaademi, dem Präsidenten der Glaubensgemeinschaft, ist ein gewisser Verdruss zu spüren. Man werde oft mit Ideen konfrontiert, wie das Minarettverbot umgangen werden könne, sagt er. Einmal war es ein Luftballonminarett, ein anderes Mal eine Lichtinstallation. «Für uns ist das eine Belastung. Wir sind schliesslich kein Europa-Park.» Trotzdem lässt Karaademi ein Hintertürchen offen: «Herr Lüdi ist ein Künstler, und er hat ein grosses Herz.» Der Vorstand werde seinen Vorschlag beraten.

Dünger braucht es keinen

Ob es für das Weidenminarett tatsächlich keine Baubewilligung braucht, ist unklar. Stadtbaumeister Urs Affolter konnte keine definitive Antwort geben. «Das muss ich zuerst abklären.»

Initiant Lüdi wäre parat. Das Blumentopfminarett möchte er den Moslems schenken. Und er würde die Pflanze auch einmal im Jahr schneiden. Dünger braucht das Minarett hingegen nicht. «Weiden wachsen einfach», sagt Lüdi. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.01.2011, 10:24 Uhr

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23 Kommentare

Mark Walder

13.01.2011, 11:45 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Hauptsache mit möglichst dummen Zeugs noch irgendwie auffallen und provozieren können. Da nehmen sich "Künstler "und Fundementalisten wohl nichts.. Antworten


Benjamin Hitz

13.01.2011, 13:20 Uhr
Melden 1 Empfehlung

@Fischer: Die Moslems dürfen ihre Kultur also bedroht sehen durch den Westen, der Westen aber umgekehrt durch den Islam nicht, obwohl der Koran eine offene Kriegserklärung gegen unsere Kultur ist? Und Schweizer verziehen sich ins geistige Reduit, während eine Umgehung der von ihnen beschlossenen Verbote kreativ und intelligent ist? Antworten



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