Schweiz
Das Minarett-Verbot treibt die Menschen auf die Strasse
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Der internationale Tag der Menschenrechte in der Schweiz ist von zwei Themen dominiert worden. Tausende bekundeten am Donnerstag ihre Solidarität mit den Libyen-Geiseln und anderen, in der ganzen Welt zu Unrecht Inhaftierten. Gleichzeitig gab es Kundgebungen gegen das Minarett-Verbot. Beim Bürkliplatz in Zürich nahmen rund 200 Personen an einer Kundgebung für mehr Toleranz und mehr Respekt vor den Menschenrechten in der Schweiz teil.
Gemäss Organisator Henry Both ging es nach dem Volksentscheid für ein Minarett-Verbot auch darum, «ein Zeichen der Solidarität mit Minderheiten, vor allem mit der muslimischen Bevölkerung» ins Ausland zu senden. Die Kundgebung wurde von den Parteien SP, Grüne und CVP sowie diversen Nichtregierungsorganisationen unterstützt.
Demokratie nicht gegen Menschenrechte ausspielen
In Bern gingen ebenfalls gegen 200 Personen auf den Waisenhausplatz. Organisator Simon Enzler sagte, nach dem Minarett-Verbot herrsche in der Schweiz eine Stimmung, die Grund gebe, sich Sorgen um die Menschenrechte zu machen.
Der internationale Tag der Menschenrechte sei eine gute Möglichkeit, ein Zeichen gegen das Minarett-Verbot zu setzen, sagte Daniel Graf, Sprecher von Amnesty International Schweiz, der Nachrichtenagentur SDA. Denn die Demokratie dürfe nicht gegen die Menschenrechte ausgespielt werden, fordert Graf. Den Demonstrierenden gehe es darum, sich für die Menschenrechte stark zu machen.
Solidarität für Libyen-Geiseln
Ebenfalls eine grosse Solidaritätswelle schlug den beiden in Libyen festgehaltenen Schweizer Geschäftsleuten entgegen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Schweiz konnte Tausende zu Solidaritätsbekundungen mobilisieren.
Bis am Donnerstag sind im Internet 9270 virtuelle Kerzen angezündet worden. Minütlich kämen neue dazu, teilte Amnesty International Schweiz mit.
Zudem hätten Max Göldi und Rachid Hamdani über den Nachrichtendienst Twitter mehr als 4500 persönliche Grussbotschaften erhalten. Weiter sind über 50'000 Solidaritätspostkarten im Umlauf, wie der Amnesty-Sprecher sagte. Und 25'000 Karten seien bereits auf dem Weg nach Tripolis.
Briefmarathon profitiert von Libyen-Affäre
Mittlerweile zur Tradition geworden ist der Briefmarathon von Amnesty International anlässlich des Menschenrechtstages. Mit der einwöchigen Aktion erinnert die Organisation alljährlich an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Uno, die am 10. Dezember 1948 unterzeichnet worden war.
In der Schweiz setzten sich 90 aktive Gruppen für den Briefmarathon ein, wie Amnesty-Sprecher Graf sagte. Beim Briefmarathon schreiben Menschen auf der ganzen Welt gleichzeitig Zehntausende von Briefen zugunsten von Personen, die als Gewissensgefangene inhaftiert sind, die gefoltert und misshandelt werden oder die sich aufgrund ihres Engagements für die Menschenrechte anderweitig in Gefahr befinden.
Amnesty schlägt dieses Jahr sieben Personen in Ägypten, Nicaragua, Vietnam, Israel, Nigeria und Griechenland vor. Im vergangenen Jahr verliessen 37'000 Briefe die Schweiz. Dieses Jahr sollen es deutlich mehr werden, ist Daniel Graf überzeugt: Leute, die sich für die Schweizer in Libyen einsetzten, schrieben auch Briefe für andere Menschen in Gefahr. (cpm/sda/)
Erstellt: 10.12.2009, 21:34 Uhr




























