Schweiz

Das Nicht-EU-Land impft schon lange

Von Bruno Kaufmann, Stockholm. Aktualisiert am 12.11.2009

Im Unterschied zur Schweiz hat Norwegen bereits alle Risikogruppen geimpft. Das Land verdient gar am Kampf gegen die Schweinegrippe.

Pharma–Unternehmen wie die Glaxo Smith Kline profitieren in Norwegen von der Schweinegrippe.

Pharma–Unternehmen wie die Glaxo Smith Kline profitieren in Norwegen von der Schweinegrippe.

«Wir haben die Lage unter Kontrolle», sagt die Chefin der norwegischen Arzneimittelbehörde, Gro Ramsten Wesenberg. «Sämtliche Risikogruppen sind bereits mit dem Impfstoff gegen die Schweinegrippe versorgt worden.»

Mit EU-Staaten gleichgestellt

Letzte Woche nahm die Norwegerin am Koordinationstreffen der Europäischen Arzneimittelagentur (Emea) in London zur Schweinegrippeimpfung teil. Nicht etwa als Beobachterin. «Wir sind mit den EU-Mitgliedsstaaten gleichgestellt», sagt Ramsten Wesenberg. «Deshalb sind wir unverzüglich mit den Informationen zum Impfstoff versorgt worden.»

Tatsächlich sind die drei Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), Norwegen, Island und Liechtenstein, seit dem Jahre 2000 auch Mitglieder der Emea. Im Kampf gegen die Schweinegrippe hat die europäische Agentur eine wichtige Rolle im Zulassungsprozess des Impfstoffes gespielt. Im Unterschied zu Norwegen hat die Schweiz als Nicht-EU- und Nicht-Emea-Mitglied nicht von den Informationen der Agentur profitieren können.

Schon 13 Todesfälle

In Norwegen sollen in wenigen Tagen Impfdosen für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung stehen. Laut Gesundheitsministerin Anne-Grete Strøm-Erichsen sind beim Medizinalkonzern GlaxoSmithKline fast zehn Millionen Dosen bestellt – und unterdessen auch geliefert worden. Trotz dieser engen Einbindung in die europäischen Arzneimittelstrukturen sorgt der Umgang mit der Schweinegrippe auch in Norwegen für Aufregung.

Im Unterschied zu den nordischen Nachbarländern, wo ein paar wenige Fälle mit tödlichem Ausgang bekannt sind, haben in Norwegen in den letzten Wochen 13 Menschen ihr Leben aufgrund der Schweinegrippe verloren. Über die Gründe dieser relativ hohen Zahl an tödlichen Fällen besteht derzeit noch Unklarheit.

Klar ist jedoch, dass Norwegen wirtschaftlich von der Schweinegrippe profitiert. Laut der Tageszeitung «Verdens Gang» hat das Land über die Beteiligung seines staatlichen Erdölfonds an GlaxoSmithKline schon fast 100 Millionen Franken verdient – bei Ausgaben für den Impfstoff von rund 50 Millionen Franken.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2009, 04:00 Uhr

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