Schweiz
«Das wird die Schweiz noch teuer zu stehen kommen»
Von Michael Meier. Aktualisiert am 30.11.2009
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Herr Küng, Ihre erste Reaktion auf das Minarett-Verbot?
Ich bin konsterniert. Als Schweizer im Ausland war ich stets stolz auf meine Heimat. Die neuesten katastrophalen Entwicklungen für das Image meiner Heimat - etwa der Bankenskandal - kulminieren nun in dieser unbegreiflichen Annahme einer Initiative, die nicht nur gegen die Religionsfreiheit verstösst, sondern auch gegen die in der Schweiz hoch angesehene Toleranz.
Was sind die Ursachen?
Natürlich verstehe ich gewisse Bedenken gegenüber dem Islam. Ursachen dafür sind jedoch oft Unkenntnis und allzu grosse Selbstbezogenheit. Man meint auf einer Insel zu leben. So trifft man falsche Urteile. Das wird die Schweiz noch teuer zu stehen kommen.
Erwarten Sie Ausschreitungen?
Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt. Natürlich gilt bei uns die Devise, dass der Souverän entscheidet. Aber der Souverän kann auch falsch entscheiden.
Ist das Minarettverbot einschneidender als Kopftuchverbote, die es in Deutschland und Frankreich gibt?
Erheblich einschneidender. Kein anderes Land in Europa kennt ein solches Minarett-Verbot.
Die Schweiz als Vorreiterin des Antiislamismus?
Nein wir sind Nachreiter. Allerdings bin ich nicht sicher, ob sich das Verbot umsetzen lässt. Als einer, der ständig mit Muslimen zu tun hatte, bedauere ich zutiefst, dass es zu dieser gewaltigen Eintrübung des Verhältnisses zur muslimische Welt kommt. Auch diejenigen, die nicht unbedingt religiös sind, empfinden das als eine Diskriminierung für sämtliche Muslime.
Heisst das, dass die Muslime in den Hinterhöfen bleiben müssen?
Bisher waren die Muslime in der Schweiz im internationalen Vergleich recht gut integriert. Das gefährdet man jetzt. Ich hoffe aber, dass das beidseitige Bemühen um die Integration der Muslime weitergeht. Wir wollen ja keine Parallelgesellschaften. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.11.2009, 10:28 Uhr
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