Schweiz

Der Bund weiss nicht mehr wohin mit den Zivildienstlern

Aktualisiert am 28.01.2010

Der Ansturm auf den zivilen Ersatzdienst anstelle eines Militäreinsatzes ist gewaltig. Es fehlt an Plätzen. Und in die Pflege wollen viele nicht.

Holzhacken ja, aber für die Pflege sind nicht alle gemacht: Ein Zivildienstler im Waldeinsatz.

Holzhacken ja, aber für die Pflege sind nicht alle gemacht: Ein Zivildienstler im Waldeinsatz.
Bild: Keystone

Der Zivildienst sucht Institutionen, die Zivildienstleistende beschäftigen möchten. Dies hat das Volkswirtschaftsdepartement (EVD) am Donnerstag mitgeteilt. Regional und saisonal gebe es bereits Engpässe, sagte der Leiter des Zivildienstes, Samuel Werenfels, auf Anfrage. Auch seien Plätze in bestimmten Einsatzbereichen «ausgebucht», zum Beispiel bei Umweltschutzorganisationen.

In Spitälern und Pflegeheimen, wo die meisten Zivildienstleistenden tätig sind, gibt es genügend Plätze. Es sei aber nicht sinnvoll, jemanden zu einem solchen Einsatz zu zwingen, sagt Werenfels. «Wer mit Menschen in einem Pflegeheim zu tun hat, sollte für diese Arbeit motiviert sein.»

Von Museen bis Umweltorganisationen

Institutionen, die Zivildienstleistende beschäftigen möchten, können sich beim zuständigen Regionalzentrum melden. In Frage kommen neben öffentlichen Institutionen bei Bund, Kantonen oder Gemeinden private Institutionen, die nicht gewinnorientiert sind.

Voraussetzung ist, dass sie in einem der folgenden Sektoren tätig sind: Gesundheits- und Sozialwesen, Umweltschutz, Kulturgütererhaltung, Landwirtschaft, Forstwesen, Enwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe sowie Katastrophenbewältigung.

Das Volkswirtschaftsdepartement weist darauf hin, dass Einsatzbetriebe Taschengeld, Unterkunft und Verpflegung bezahlen sowie eine Abgabe an den Bund entrichten müssen. Dies koste die Betriebe bis zu 50 Franken pro Tag.

Sprunghafte Zunahme der Gesuche

Aktuell stehen gemäss den Angaben des Zivildienstes 6593 Einsatzplätze zur Verfügung. 2009 wurden aber 7213 Zivildienstgesuche gestellt, wie im Dezember bekannt geworden war. 6720 der Gesuche waren per Ende Jahr bewilligt.

Früher wurden jährlich nur rund 1800 Gesuche gestellt. Zudem wurden die meisten Gesuche vor und nicht während oder nach der Rekrutenschule gestellt.

Grund für die sprunghafte Zunahme ist eine Gesetzesänderung: Seit dem 1. April 2009 müssen Männer, die aus Gewissensgründen keinen Militärdienst leisten wollen, nicht mehr zur Gewissensprüfung antreten. Sie müssen nur die Bereitschaft aufbringen, länger Dienst zu leisten.

Bericht bis Mitte Jahr

Das Volkswirtschaftsdepartement hatte nicht damit gerechnet, dass dies zu einer so starken Zunahme führen würde. Die Gewissensprüfung sei nicht abgeschafft worden, um das «spontane Davonlaufen aus dem Militärdienst» zu erleichtern, hält das EVD in seiner Mitteilung fest. Es weist auch darauf hin, dass Zivildiensteinsätze psychisch und physisch sehr belastend sein könnten.

Ob das Zivildienstgesetz erneut revidiert werden müsse, stehe noch nicht fest, schreibt das EVD weiter. Das Departement werde die Lage analysieren und dem Bundesrat Mitte 2010 einen Bericht vorlegen.

Damit kommt das EVD Forderungen aus der Politik entgegen. Die Sicherheitspolitischen Kommissionen von National- und Ständerat haben bereits eine Gesetzesrevision verlangt und den Bundesrat zu raschem Handeln aufgefordert. Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard hatte ursprünglich vorgeschlagen, abzuwarten und den Entscheid auf die Erfahrungen aus drei Rekrutenschulen abstützen. (cpm/sda)

Erstellt: 28.01.2010, 16:33 Uhr

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