Schweiz
Der Genfer Flughafen zeigt Zürich in mancher Beziehung den Meister
Von Richard Diethelm, Genf. Aktualisiert am 27.10.2009 2 Kommentare
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«Wir boxen in einer anderen Kategorie als Zürich, wir sind kein Hub», sagt Bertrand Stämpfli, Sprecher des Aéroport International de Genève (AIG). Den Flughafen Zürich benutzten im letzten Jahr tatsächlich doppelt so viele Passagiere, davon ein Drittel Transferpassagiere, was die Bedeutung Zürichs als Schweizer Drehscheibe für den interkontinentalen Verkehr belegt. Von Genf aus werden weniger als halb so viele Destinationen ausserhalb Europas angeflogen. In seiner Kategorie schlägt sich der Flughafen Genf gut. «Keine andere Stadt von der Grösse Genfs hat einen Flughafen, der fast 12 Millionen Passagiere zählt», sagt Stämpfli stolz.
Vergleicht man die Entwicklung der drei internationalen Flughäfen der Schweiz, fällt sofort auf: In Genf wuchsen die Passagierzahlen stetig. In Zürich dagegen brach das Verkehrsvolumen wegen der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA und des Groundings der Swissair im folgenden Monat um ein Fünftel ein; eine kräftige Erholung setzte erst 2007 wieder ein. Im Euro-Airport Basel Mulhouse Freiburg sackten die Passagierzahlen von 3,7 Millionen im Jahr 2000 auf 2,4 Millionen (2003) ab und kletterten danach bis 2007 auf einen neuen Rekord von 4,2 Millionen.
Als 1996 die Führungscrew der Swissair in Zürich entschied, alle Langstreckenflüge ab Genf bis auf zwei zu streichen, ging ein Aufschrei durch die Romandie. Rückblickend war das ein heilsamer Schock. An die «Episode mit Symbolgehalt» erinnerte gestern Bundesrat Moritz Leuenberger, als er mit Genfer Prominenz das um 40 Prozent vergrösserte und renovierte Hauptgebäude des Flughafens einweihte. «Cointrin hat nie aufgehört, abzuheben, während die Swissair notlanden musste», sagte der Verkehrsminister. Nach dem Aus der nationalen Fluggesellschaft fing sich Genf auf. «Und wie! Ohne viel Aufhebens und ohne die Leute glauben zu machen, Genf sei ‹Unique›», sagte der Zürcher Bundesrat.
Easyjet ist die Nummer 1
In die Lücke, welche die Swissair gerissen hatte, sprang Easyjet. Der britische Billigflieger ist heute in Genf die Nr. 1 und transportiert 34 Prozent aller Passagiere. Mit grossem Abstand folgen Swiss, Air France, British Airways und die Lufthansa. «Wir sind aber kein Billigflughafen geworden», beugt Stämpfli Fehlschlüssen vor. Den internationalen Flughafen, der Langstreckenflüge nach Washington und Montreal ins Angebot aufnahm, benutzen Diplomaten der Uno-Stadt und Manager von Multis mit Sitz am Genfersee ebenso wie Touristen und Angehörige der vielen Immigranten in der Region. Genf stieg zudem hinter Farnborough bei London zur zweitwichtigsten europäischen Destination für Geschäftsreisen in Privatjets auf.
Genf profitiert wie Zürich vom Flughafenbahnhof. Die Betreiber des EuroAirports bemühen sich im Dreiländereck ebenfalls seit Jahren um direkten Bahnanschluss. Die Finanzierung des Projekts ist noch nicht gesichert, weil die französische Seite zögert. Baden-Württemberg und die Schweiz haben dagegen Beiträge an den 170 Millionen Euro teuren Bahnanschluss zugesagt.
Supermarkt hoch im Kurs
Genf spielt auch bezüglich des Flughafens als Einkaufszentrum in einer anderen Liga als Zürich. Aber die AIG, die bereits die Hälfte ihrer Erträge aus Aktivitäten ausserhalb des Flugverkehrs generiert, setzt auf die Karte Supermarkt. «Wir liegen nur vier Kilometer vom Zentrum Genfs entfernt und haben Bahn- und Autobahnanschluss», sagt Stämpfli.
Anwohner des Genfer Flughafens gründeten 1970 eine Schutzgemeinschaft gegen den Fluglärm (Arag). Ihr Widerstand gegen den zunehmenden Flugverkehr in Cointrin ist jedoch weniger virulent als im Umfeld des Flughafens Zürich. Das hat technische und politische Gründe. In Genf starten und landen pro Jahr 100'000 Linien- und Chartermaschinen weniger als in Zürich. Der Lärm konzentriert sich auf die Enden einer einzigen Piste; in Genf gibt es weder Pläne noch Landreserven für eine zweite Piste. Die Zürcher Behörden nahmen die Lärmprobleme der süddeutschen Anwohner der Anflugschneisen bis zum Eclat nicht ernst. In Genf geht dagegen eine schweizerisch-französische Kommission solche Probleme seit langem an. So finanziert die AIG, die bisher 30 Millionen Franken an den Schallschutz von Gebäuden auf Schweizer Boden bezahlt hat, vom nächsten Jahr an solche Massnahmen auch in der französischen Nachbarschaft. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.10.2009, 09:59 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





