Schweiz

Der Mann mit den vielen Mandaten

Von Richard Diethelm. Aktualisiert am 31.05.2011 11 Kommentare

Nationalrat Paul-André Roux sitzt in 58 Verwaltungsräten und anderen Gremien. Der Steuerberater aus dem Wallis findet, das sei absolut in Ordnung.

«Man sagte mir, das Nationalratsamt beanspruche etwa 40 Prozent der Arbeitszeit»: Paul-André Roux war dies aber zu wenig Auslastung.

«Man sagte mir, das Nationalratsamt beanspruche etwa 40 Prozent der Arbeitszeit»: Paul-André Roux war dies aber zu wenig Auslastung.
Bild: Keystone

Studie

Am meisten Posten sammeln Freisinnige

Das Lobbying werde für Firmen immer wichtiger, hält die Baarer Wirtschaftsinformationsfirma Credita in einer Studie fest. Neben dem Ausbau von Public-Affairs-Abteilungen sei auch das Vergeben von Mandaten an Politiker ein wichtiger Weg, um Einfluss zu nehmen.

Die FDP-Fraktion hält insgesamt 583 Mandate – pro Fraktionsmitglied 12,1. Die CVP/EVP/GLP-Fraktion kommt auf 565 Mandate – 10,9 pro Parlamentarier. Die beiden grossen bürgerlichen Parteien halten damit zusammen 56 Prozent aller Mandate der Bundesparlamentarier. An dritter Stelle folgt die BDP mit 9,8 Mandaten pro Parlamentarier, gefolgt von der SP (6,5), der SVP (6,0) und den Grünen (5,8).Zumeist handle es sich dabei um Sitze in einem Verwaltungsrat, sagt Credita-Sprecher Christian Wanner. Hinzu kämen ehrenamtliche Funktionen in Organisationen oder Vereinen.Am meisten Mandate hält Nationalrat Paul-André Roux (CVP, VS). Er sitzt in nicht weniger als 58 Verwaltungsräten oder anderen Gremien. Hinter ihm folgen Arthur Loepfe (CVP, AI) mit 35 Mandaten und Peter Malama (FDP, BS) mit 34 Mandaten. Im Ständerat führt die Rangliste mit 24 Mandaten Felix Gutzwiller (FDP, ZH) an. Auf den Plätzen zwei und drei rangieren Konrad Graber (CVP, LU) mit 20 Mandaten und Dick Marty (FDP, TI) mit 18 Mandaten.Berücksichtigt man das Kapital der Firmen, welche die Mandate vergeben, zeigt sich ein noch deutlicheres Ungleichgewicht zwischen FDP und CVP einerseits und den restlichen Parteien andererseits: Die beiden grossen Mitteparteien vertreten zusammen 11 Milliarden Franken Kapital, was 92 Prozent der Kapitalisierung aller Mandate entspricht. Grosse Unterschiede gibt es auch zwischen Männern (11,3 Milliarden) und Frauen (knapp eine Milliarde). Im Nationalrat liegt mit FDP-Fraktionschefin Gabi Huber aber eine Frau vorne. (SDA)


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Als Paul-André Roux im Herbst 2009 erfuhr, er könne für seinen CVP-Kollegen Maurice Chevrier in den Nationalrat nachrutschen, fragte ihn der Walliser «Nouvelliste»: «Wie können Sie die Leitung Ihrer Finanzberatungsfirma mit dem neuen politischen Mandat vereinbaren?» Der gute Rechner Roux antwortete: «Man sagte mir, das Nationalratsamt beanspruche etwa 40 Prozent der Arbeitszeit.» Er werde mit seinen Partnern und Mitarbeitenden schon eine Lösung finden. Roux hat sie gefunden – und wie!

Als der Christlichdemokrat im März 2010 im Nationalrat vereidigt wurde, kletterte er auf der Liste der Bundesparlamentarier mit den meisten Interessenbindungen sogleich an die Spitze. Damals sass er insgesamt in 52 Verwaltungsräten, Verbänden und anderen Gremien; inzwischen sind es gemäss der Baarer Firma Credita AG 58. Die Zahl der Verwaltungsratmandate erhöhte Roux nach eigenen Angaben von 43 auf 48. «Die grosse Mehrheit dieser Mandate werden von meinen drei Partnern und den Mitarbeitenden betreut», relativiert der Steuerexperte die Vermutung, einer allein könne so viele Mandate gar nicht bewältigen.

Büro mit grossem Briefkasten

Manche Firmen, in deren Verwaltungsrat Roux sitzt, tragen exotisch klingende Namen wie Djudjolo, Edijo oder Rasoira. Eine Vielzahl seiner Mandate betreffe Immobilienfirmen von Schweizern oder Ausländern mit Wohnsitz im Wallis, für die sein Unternehmen die Verwaltung und die Buchhaltung führe, wiegelt der Nationalrat ab. Er vertritt aber auch ausländische Unternehmen, die in der Schweiz nicht aktiv sind, aber dank der Verlegung des Steuerdomizils von Steuerprivilegien des Bundes und des Kantons profitieren. Der Volksmund nennt diese Konstrukte «Briefkastenfirmen». Roux weist den anrüchigen Begriff weit von sich.

Reiche Ausländer, die das Wallis nicht in erster Linie wegen der schönen Berge, sondern wegen attraktiver Steuerarrangements als (Zweit-)Wohnsitz gewählt haben, können sich auf ihren Finanzberater in Sitten verlassen. Im Nationalrat verteidigt Roux die Pauschalbesteuerung reicher Ausländer, den Steuerwettbewerb unter den Kantonen und das Bankgeheimnis durch alle Böden. Der Walliser ist auch Teilhaber einer in der Vermögensverwaltung tätigen Bank. Als der Rat im vergangenen April über eine St. Galler Standesinitiative für die Abschaffung der Pauschalbesteuerung debattierte, warf Roux den Kantonen ohne solche Steuerarrangements und der Linken vor, sie wollten «die Hühner töten, die goldene Eier legen».

Nicht alle Mandate lukrativ

Unter den «Hühnern», die der 50-Jährige in seinem Walliser Gehege pflegt, legen allerdings nicht alle goldene Eier. Als Verwaltungsrat der Champéry Resort SA hätte Roux Partner zur Finanzierung eines riesigen Hotel- und Zweitwohnungskomplexes finden sollen; die französische Muttergesellschaft ging aber in Konkurs. Dasselbe Schicksal könnte das von einem russischen Baulöwen lancierte Projekt eines Luxusresorts in Aminona ereilen, das Verwaltungsrat Roux und zwei Russen über eine im Bergdorf Mollens domizilierte Tochterfirma leiten. «Angebliche Schwierigkeiten der Muttergesellschaft werden dementiert. Zudem haben wir bisher alle Lieferanten und Projektstudien bezahlt», beteuert der Finanzberater.

Unkenrufe wegen Aminona trüben die Festfreude des Winzersohnes aus Grimisuat nicht. Am Tag seiner Vereidigung reisten 200 Gäste aus seinem Geburts- und Wohnort in Begleitung von Walliser Prominenz nach Bern, um Paul-André Roux gebührend zu feiern. Nach dem feucht-fröhlichen Apéro «à la valaisanne» gab der Sicherheitschef der Parlamentsdienste eine Weisung heraus, neue Ratsmitglieder dürfen künftig nur noch in kleinem Rahmen feiern. Roux’ Einstand im Bundeshaus war jedoch die beste Werbung für Walliser Weine. Kein Wunder, dass der CVP-Nationalrat seit April zu den vielen Verwaltungsratsmandaten hinzu auch noch den Dachverband der Walliser Weinwirtschaft präsidiert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.05.2011, 23:27 Uhr

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11 Kommentare

Marc Peer

31.05.2011, 07:42 Uhr
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Wer sich immer mal fragte, wie Ausländer so leicht die Lex Koller umgehen können und nach Belieben Immobilien in der Schweiz erwerben können: Dank suspekten Immobilienfirmen und skrupellosen inländischen Helfern. Paul-André Roux ist einer von ihnen. Antworten


Rafiq A. Tschannen

31.05.2011, 09:34 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Das Dumme an der ganzen Geschichte ist, dass alle "Huete" an die Parlamentarier gehen und kein "Hut" fuer mich uebrigbleibt. Antworten



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