Die Schweiz als «skurrile Insel»

Von Erika Burri. Aktualisiert am 22.02.2010 148 Kommentare

Über die Schweiz wird im Ausland viel geredet. Nun auch in Österreich. Eine Doppelseite in der Tageszeitung «Kurier» zeigt, was man dort über uns denkt.

Die Schweiz am Pranger: Titelseite der gestrigen Ausgabe der österreichischen Zeitung «Kurrier».

Die Schweiz am Pranger: Titelseite der gestrigen Ausgabe der österreichischen Zeitung «Kurrier».

Was man gestern in der österreichischen Tageszeitung «Kurier» lesen konnte, tut jeder Schweizer Seele weh: «Das Strahlemann-Image ist verblasst», «die Eidgenossen kämpfen mit einem grauslichen Bukett von Problemen», die Schweiz als «skurrile Insel», die zunehmend internationaler Kritik ausgesetzt ist. Die Österreicher halten uns den Spiegel vor. Und das Spiegelbild ist kein schönes.

Es zeigt eine gespaltene Schweiz; eine Schweiz, die vorgibt, offen zu sein und trotzdem das Fremde ablehnt. Besonders laut, so schreibt der «Kurrier», sei es um die Schweiz nach der Anti-Minarett-Abstimmung geworden. «Der von der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP) pervertierte Kantönligeist war offen in Islamfeindlichkeit umgeschlagen.»

Die Schweizer, die Egoisten

Die Munition, mit der das Schweizer «Schoggi-Image» im Ausland abgeschossen wird, liefern die Schweizer selber: Die Minarett-Abstimmung war ein «Supergau», wird der SP-Nationalrat Andreas Gross zitiert, «ein Ausdruck einer tiefen Identitätskrise». Der Politologe und Historiker erklärt den Österreichern nochmals, wie die Schweiz sich von einer weltoffenen, engagierten Gesellschaft im 19. Jahrhundert, nach dem zweiten Weltkrieg zu einem Land wandelte, das «ein bequemes Nischendasein führte». Daraus folgte eine isolationistische Politik, die mit Egoismus einhergeht und die Interessen der Nachbarstaaten kaum mehr berücksichtigt. Beispiel dafür, so Gross, sei das Bankgeheimnis, weswegen die Schweiz nun «auf der Intensivstation liegt».

Dem «Kurier» ist auch nicht entgangen, dass die SVP gegen die Deutschen in der Schweiz mobilmacht. Und wertet das als «unterschwellige Angst der Schweizer vor Überfremdung». Ausserdem habe die Libyen-Krise die Eidgenossen gedemütigt. Die Krise sei aber noch nicht ausgestanden, sondern spitze sich im Moment zu. Libyen verweigere wegen den Differenzen mit der Schweiz nun allen EU-Bürgern (ausser den Briten) Visa. Die Schweiz nehme sozusagen die ganze Europäische Union, also auch die Österreicher, als «Geisel».

Im Artikel sucht man vergeblich nach etwas Positivem. Und auch das Fazit des Texts ist nicht aufbauend: Die Schweiz braucht eine Demokratiereform. So jedenfalls wird der SP-Nationalrat weiter zitiert. Gross fordert, dass das Parlament gestärkt und die Regierung vergrössert wird. Mit seiner Forderung lief Gross bisher im Parlament auf.

Die Österreicher sind in allem lockerer

Über Schwarzgeld und Bankgeheimnis spricht der Schweizer Botschafter in Wien, der Rätromane Oscar Knapp, in einem Interview zum Haupttext. Er gibt zu, dass er nicht in der Haut unseres Finanzministers Hans-Rudolf Merz stecken möchte. Und auch, dass sich einige Schweizer Banken nicht «an die Regeln» gehalten haben. Knapp aber betont, dass das Deponieren von Schwarzgeld in der Schweiz nicht mehr länger geduldet werde. Die Schweiz wolle nun auch bei Steuerhinterziehung kooperieren.

Doch auch einige von Knapps Aussagen schmerzen: «Wir Schweizer», sagt er, «sind sehr genau, sehr pünktlich, auch ein bisschen streng». Es fehle uns manchmal an Humor. «Die Österreicher sind in allem ein bisschen lockerer.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.02.2010, 16:37 Uhr

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148 Kommentare

Roman Günter

19.02.2010, 12:18 Uhr
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Der Gross ist ein politisches Tier. Darin ist er brilliant. Politische Macht und EU-Beitritt sind sein Lebenselixier. Ich glaube aber, wir wollen keine Regierung, wir brauchen eine gute Verwaltung. Regieren können wir uns selbst. Darin haben wir eine mehrhundertjährige Erfahrung. Ich möchte jedenfalls nicht in der Haut eines Regierungsmitglieds der umliegenden Länder stecken. Antworten


chris percher

19.02.2010, 12:43 Uhr
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liebe landsleute etwas mehr gelassenheit bitte. Antworten



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