Schweiz

Die Schweiz gerät in Rückstand

Die Schweiz hat seit 1990 die Emissionen der Treibhausgase nicht signifikant reduziert. Trotzdem schätzt das Bundesamt für Umwelt, dass die Kyoto-Ziele erfüllt werden können.

Die Botschaft klang gestern an der Pressekonferenz der Schweizer Delegation positiv: Die Schweiz wird die internationalen Klimaverpflichtungen des Kyoto-Protokolls erfüllen können. Die Emissionen der Treibhausgase müssen bis 2012 im Vergleich zu 1990 um acht Prozent gesenkt werden. Das sei aufgrund der aktuellen Perspektiven erreichbar, ist im fünften Bericht der Schweiz zuhanden der Uno-Klimakonvention zu erfahren.

Allerdings gibt es einen Wermutstropfen: Seit 1990 konnte die Schweiz die Emissionen nicht signifikant senken.

Die Daten von 2007 liegen zwar laut Bericht 2,7 Prozent unter dem Wert von 1990. Doch ein Blick auf den CO2-Verlauf der letzten 18 Jahre zeigt: Die Werte schwanken um den Referenzwert von 1990. Das letzte Jahr war bereits wegen den tiefen Wintertemperaturen wieder schlechter als 2007. Das Bundesamt für Umwelt erklärt denn auch, das sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass «bis Ende 2007 in der Schweiz hauptsächlich freiwillige Massnahmen» ergriffen wurden.

CO2-Gesetz umgesetzt

Die Schweiz hat die Verpflichtung des Kyoto-Protokolls im CO2-Gesetz umgesetzt. Das heisst: Von 2008 bis 2012 müssen die Emissionen aus der Verbrennung von Brenn- und Treibstoffen um zehn Prozent gegenüber 1990 reduziert werden.

Doch bereits jetzt zeichnet sich ab, dass das Ziel nur erreicht wird, wenn ausländische Emissionszertifikate eingekauft werden, wie das zum Beispiel die Stiftung Klimarappen mithilfe der Steuereinnahmen von 1,5 Rappen pro Liter Benzin und Diesel macht. 2,2 Millionen Tonnen Treibhausgase will die Schweiz mithilfe von Klimaprojekten jährlich in Entwicklungsländern statt in der Schweiz reduzieren. «Damit verstösst sie gegen die internationale Gesetzgebung», sagt Patrick Hofstetter vom WWF Schweiz. Nach Kyoto-Protokoll müssen mindestens 50 Prozent der Treibhausgase im Inland reduziert werden. «Das ist nicht der Fall». Er verlangt deshalb vom Bundesrat, dass die CO2-Abgabe auf Brennstoffe erhöht und auch für Treibstoffe eingeführt wird.

Pflicht zur 20-prozentigen Reduktion

Im neuen Klimavertrag, der diese Woche in Kopenhagen verhandelt wird, würden sich die Schweiz wie die EU verpflichten, die Treibhausgase um 20 Prozent zu reduzieren. Vorgesehen sind dafür eine CO2-Lenkungsabgabe auf Brennstoffe, die teilweise für die Finanzierung von Gebäuden eingesetzt werden soll. Der Klimarappen soll abgelöst werden. Der Bund will dafür einführen, dass Hersteller und Importeure von fossilen Treibstoffen einen Teil der Emissionen, die verursacht werden, mit Klimaprojekten im In- und Ausland kompensieren.

Die dürftigen CO2-Reduktionen der Schweiz seit 1990 sind auch der deutschen Umweltorganisation Germanwatch aufgefallen. Sie präsentierte gestern den Klimaschutzindex 2010. Darin rangiert die Schweiz unter 57 Staaten auf Platz 30. Die untersuchten Länder decken 90 Prozent der globalen CO2-Emissionen ab. Immerhin ist die Schweiz in der Gesamtbewertung im Vergleich zum letzten Jahr von Platz 16 auf Rang 13 vorgerückt – dank den nationalen Anstrengungen wie dem Gebäudesanierungsprogramm, der leicht erhöhten CO2-Abgabe und den verschärften kantonalen Vorschriften für Gebäudeisolationen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.12.2009, 04:00 Uhr

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5 Kommentare

Heinz Gfeller

15.12.2009, 11:59 Uhr
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Solange die Schweiz nur beim Umweltschutz in Rückstand gerät, ist ja alles in Ordnung. Viel wichtiger als der Umweltschutz ist m.E. die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz. Nur mit einem hohen Wachstum können wir auch in Zukunft die Krankenkasse, AHV, IV, Bildung usw. bezahlen. Antworten


oliver keller

15.12.2009, 11:58 Uhr
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@Abdul R. Furrer: seit dem 10. September 2008 ist GOCE (Gravity Field and Steady-State Ocean Circulation Explorer) von Kosmodrom Plesetsk aus gestartet, unterwegs. Bisheriges Fazit, unter vielen andern: in Grönland schmolzen 90 Gigatonnen Eis weg. (Dies entspricht etwa der dreifachen Masse des Aletschgletschers.) Am Pol verstärkt sich diese Wirkung jeweils noch erheblich. Also kein Problem??? Antworten


Hans Schmid

15.12.2009, 10:06 Uhr
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Die Schweiz hat die Kyoto-Ziele nur wegen des Bevölkerungwachstums verfehlt. Gemäss Artikel wurde bis 2007 eine Reduktion des CO2-Ausstosses von 2.7% erzielt. Die Bevölkerung ist von 1990-2007 aber um rund 12.5% von 6.75 Mio. auf 7.59 Mio. gestiegen! Bei einer konstanten Bevölkerungszahl hätte die Schweiz das Ziel mit einer Reduktion von 13.5% schon 2007 weit übertroffen. Antworten


rainer raschle

15.12.2009, 08:55 Uhr
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Mann stelle die Reduktion der starken Bevölkerungszunahme im gleichen Zeitraum gegenüber und berechne neu. Dann sieht die Sache ganz anders aus. Antworten


Abdul R. Furrer

15.12.2009, 07:52 Uhr
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Und wieder ein Paradebeispiel, wie Statistiken zurecht gebogen werden, bis sie den Klimahysterikern und Umweltfundis in den Kram passen (siehe Artikel "Schweiz auf Rang 13 zurück gefallen"). Ich hoffe, die Bevölkerung riecht den Braten und lässt sich nicht unnötig ein schlechtes Gewissen aufoktroyieren. Antworten



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