«Die Schweiz hat aus dem Nazi-Gold-Debakel nichts gelernt»

Dänemark diskutiert über die Wertsachen-Abgabe bei Flüchtlingen. In der Schweiz ist das bereits gängige Praxis. Europa ist empört.

Wertsachen-Abgabe bei der Einreise: Ein Grenzwächter beäugt einen Neuankömmling an der Grenze von Chiasso.

Wertsachen-Abgabe bei der Einreise: Ein Grenzwächter beäugt einen Neuankömmling an der Grenze von Chiasso. Bild: Keystone

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Der Aufschrei war gross. Die dänische Regierung will Flüchtlingen Bargeld und Schmuck abnehmen, damit sie für einen Teil der Kosten für Sozialhilfe und Unterkunft selbst aufkommen. Das Flüchtlingswerk der UNO (UNHCR) nannte die Idee «eine Einmischung in die Privatsphäre» und «einen Affront an die Würde der Flüchtlinge». Viele Medien verglichen den Vorschlag mit der Judengold-Affäre im Zweiten Weltkrieg.

Flüchtlinge müssen Geld abgeben

Nun wurde bekannt, dass die Enteignung von Flüchtlingen in der Schweiz gängige Praxis ist. Dies zeigte ein Beitrag von «10 vor 10» gestern. 1000 Franken dürfen Flüchtlinge behalten, der Rest wird ihnen bei der Ankunft abgenommen. Léa Wertheimer vom Staatssekretariat für Migration begründet diese Praxis in der Sendung: «Wenn jemand freiwillig innerhalb von sieben Monaten ausreist, kann diese Person das eingezogene Geld wieder haben und mitnehmen. Ansonsten nützt das Geld zur Deckung der Kosten, die sie hier verursacht.» Es kommen noch weitere Kosten auf die Flüchtlinge zu, sobald sich ihr Status geändert hat. Dann werden während maximal zehn Jahren zehn Prozent des Lohns abgezogen – bis sie die Gesamtkosten von 15'000 Franken zurückgezahlt haben.

Internet-Nutzer machen sich lustig

Im Zusammenhang mit der Debatte in Dänemark steht die Schweiz nun in der internationalen Kritik. «Schweiz knöpft Flüchtlingen Bargeld ab» titelt «Spiegel online». Auch der britische «Guardian» schaut kritisch auf die Schweiz und zeigt sich erstaunt, dass der dänische Vorschlag, der international scharf angegriffen wurde, in der Schweiz schon lange Realität ist. Auch «Le Figaro» nimmt die Schweizer Handhabung im Kontext der Debatte rund um Dänemarks Vorschlag auf.

Auch auf Twitter greifen verärgerte User die Schweiz an. Unter dem Hashtag #SaveSwitzerland mokieren sich die User darüber, dass die Schweiz nicht reich genug sei und das Geld der Flüchtlinge brauche.

Auch die Nähe der Schweiz zur Judengold-Affäre des Zweiten Weltkriegs wird in den Tweets erwähnt:

Verständnis für die Schweizer Praxis gibt es auf Twitter kaum.

(baz.ch/Newsnet)

(Erstellt: 15.01.2016, 12:39 Uhr)

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